# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1857_S47 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lutherisch-theologische Pfarrers⸗Bibliothek. 47 und Segen spricht und führet die Reise wunderbarlich hinaus, daß sich jedermann darüber zu kreuzigen und zu segnen hat." (7. Pred. f. 69.) Uebrigens wußte es auch Luther selbst recht wohl, daß es bei ihm nicht bloß Mangel an Gabe war, „sanft und leise zu treten," wenn seine Rede so oft wie ein Gewitter daher brauste. Er schreibt daher selbst in der oben citirten Vorrede zu Brenzens Commentar weiter Folgendes: „Jedoch tröste ich mich selber, daß ichs dafür halte, ja vielmehr weiß, daß Gott, der Hausvater im Himmel, für seine große Haushaltung auch eines oder mehr Knechte bedarf, die da hart wider hart und ernst wider ernst sein müssen. Gleichwie auf einen knörrichten Ast ein harter eiserner Keil gehöret; und wenn Gott blitzen und wetterleuchten läßt, so muß nicht allein ein Regen drauf fallen, der es alles feuchte mache, sondern auch ein Donner folgen, der alles bewege, auch ein Blitz, der die Luft reinige, auf daß die Erde desto besser und mehr Früchte tragen könne." (A. a. O.) Zugleich darf man aber auch, um Luthers Polemik recht zu verstehen, nicht übersehen, daß Luthers zornige Ausdrücke nicht sowohl gegen seine menschlichen Gegner, als gegen den Satan gerichtet sind, der durch dieselben redete und von dem Luther nur zu gut wußte, was derselbe nun, nachdem ihm durch die Reformation so großer Schade geschehen war, im Sinne hatte. Luther schreibt daher in seiner Schrift wider Carlstadt: „An Dr. Carlstadt liegt mir nichts, ich sehe auf ihn nicht, sondern auf den, der ihn besessen hat und durch ihn redet." (XX, 274.) Doch, ehe wir nun die wichtigsten polemischen Schriften Luthers gegen die Reformirten selbst nennen, sei es uns gestattet, unseren geehrten Lesern noch ein schönes Zeugniß von Luthers Persönlichkeit aus dem Munde eines Zeitgenossen und Schülers desselben, der viel mit dem großen Glaubenshelden Umgang gepflogen, mitzutheilen, ein Zeugniß, welches neben den bereits mitgetheilten dazu dienen möge, daß unsere Leser mit einem für die Wahrheit desto offneren Herzen an die Lesung der Lutherschen Streitschriften gehen. Es ist ein Zeugniß von Dr. Erasmus Alberus, des Churfürsten Joachim zu Brandenburg Hofprediger und zuletzt Mecklenburgischem Generalsuperintendent, gestorben 1553.*) Er schreibt in einem wider Carlstadt gerichteten Buche: „Dr. Luther war ein Mann, der Gottes Zorn aufhalten konnte; keiner konnte fleißiger und ernstlicher beten und Gott anrufen, keiner konnte besser trösten, keiner konnte besser predigen. Er war ein Mann ohne Falsch; den Lügnern und Zweizüngigen war er gram; Aufrichtigkeit hatte er lieb; den Geiz hassete er; der Hoffart war er feind; Trunkenheit und Unzucht war ihm unbekannt. Man spürete an ihm keinen Zorn, ohne wenn er zu Felde lag mit Papisten und Schwärmern; da sahe man des heiligen Geistes und nicht eines Menschen Zorn.**) Ein fein klar tapfer Gesichte und Falken⸗Augen hatte er *) Einst bat sich dieser Alberus von Luther eine Anweisung aus, wie man an großer Fürsten Höfen zu predigen habe, und erhielt die kurze Antwort: „Fein alber, wie sein Name bringe." **) Es ist durchaus eine falsche Vorstellung, die sich viele von dem Unterschiede zwischen