# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1857_S45 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lutherisch-theologische Pfarrers-Bibliothek. 45 schreibt von Luther, als Polemiker, Folgendes: „Unter denjenigen, welche von den Unsrigen in den theologischen Kämpfen Berühmtheit erlangt haben, verdient unser seliger Martin Luther unstreitig den ersten Platz, welcher auch zuerst, als alles hoffnungslos verderbt war, das Banner einer hoffnungsvollen Zeit erhob. Auch konnte kein passenderer und geschickterer Mann zur Führung der Sache der Wahrheit gefunden werden. Die schärfste Urtheilskraft stritt bei ihm mit Fruchtbarkeit des Ingeniums um die Palme; daher war mit der Stärke seiner Beweisgründe die durchdringendste Beredtsamkeit verbunden, womit er alles, was sich ihm entgegenstellte, zu Boden streckte und einem reißenden Strome gleich überfluthete. Dazu kam sein furchtloser Geist, den weder die Macht der Gegner, noch Furcht vor Gefahren, noch irgend eine Gewalt oder Drohung bewegen oder zum Weichen von der rechten Bahn bringen konnte. Für ihn kämpfte, ich gestehe es, die Wahrheit; nicht minder aber kämpfte er für sie, daß dieselbe von keinem Sterblichen richtiger, oder besser, oder mit größerem Erfolg hätte vertheidigt und gegen jegliche Angriffe der Feinde sichergestellt werden können." (S. Isagoge, im Abschnitt von der polemischen Theologie. S. 1186.) Es ist zwar nicht zu leugnen, daß sich viele an der Heftigkeit geärgert haben, mit welcher Luther oft in seinen Streitschriften auf seinen Gegner losgeht; allein schon Melanchthon sagt in seiner dem theuren Gottesmann gehaltenen Leichenpredigt: „Ich lasse es bei der Antwort, die hiervon Erasmus oft gegeben: Gott habe der Welt zu dieser letzten Zeit, darin große und schwere Seuche und Gebrechen überhand genommen, auch einen harten scharfen Arzt gegeben.. Und so Gott ein solch Werkzeug wider die Feinde des Evangelii, so mit großem Stolz, Frechheit und Frevel wider die Wahrheit laufen, erwecket, wie er zu dem Propheten Jeremia Cap. 1, 9. spricht; und so Er sie also mit Dr. Luthers harten Schriften hat schrecken wollen, so mögen sie Gott darum zur Rede setzen, werden aber vergeblich mit ihm drob rechten.. So muß auch ein jeder, der ihn recht erkannt und oft um ihn gewesen, dieses zeugen, daß er ein sehr gütiger Mann gewesen, mit allen Reden holdselig, freundlich und lieblich, und gar nicht frech, stürmisch, eigensinnig oder zänkisch; und war doch daneben ein Ernst und Tapferkeit in seinen Worten und Geberden, als in einem solchen Mann sein sollte. Summa, es war in ihm das Herz treu und ohne Falsch, der Mund freundlich und holdselig und (wie St. Paulus von den Christen fordert,) alles, was wahrhaftig, was ehrbar, was gerecht, was keusch, was lieblich ist, was wohl lautet ꝛc. Daher offenbar ist, daß die Härtigkeit, so er wider die Feinde der reinen Lehre in Schriften gebraucht, nicht eines zänkischen und boshaftigen Gemüths, sondern eines großen Ernsts und Eifers zu der Wahrheit gewesen ist. Solches müssen wir alle, und viel ander fremder Leute, die ihn gesehen und erkannt, von ihm Zeugniß geben." (Luthers Werke, XXI, 351 ff.) Schöner noch spricht sich hierüber der treuherzige Joachimsthaler, der alte Matthesius, in seinen Predigten über Luthers Leben aus. Er spricht daselbst: