# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1857_S44 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 44 Lutherisch-theologische Pfarrers⸗Bibliothek. allen das Beste, Gründlichste, Gewaltigste gegen die Reformirten Irrthümer geschrieben habe, sondern daß diese polemischen Schriften Luthers überhaupt alles übertreffen, was je auf dem Felde der Polemik geleistet worden ist. Wer diese Schriften noch nicht gelesen hat, weiß noch nicht, was eigentlich polemisiren heißt. Liest man sie, so weiß man nicht, was man darin mehr bewundern soll, ob die Führung der Waffen aus dem Zeughaus des göttlichen Wortes oder der menschlichen Waffen, ob die darin angewendete Dialektik oder Rhetorik, ob den Inhalt oder die Form, ob den darin sich kund gebenden Reichthum oder die darin sich offenbarende Macht des Geistes Luthers, ob die Schärfe des Urtheils oder die Inbrunst des Gemüthes. Luthers polemische Schriften machen den, der die von ihm vertheidigten Wahrheiten schon von Herzen glaubte, vor Freude jauchzend, den Schwachen im Glauben stärken sie, den bisher Zweifelnden machen sie gewiß, dem bis dahin über die Sache Unwissenden und aus Schwachheit in Irrthum Befangenen geben sie darüber volles Licht und den muthwillig widerstrebenden Gegner der Wahrheit zermalmen sie. Luther schreitet darin einher, wie David wider Goliath, und dem Leser wird es nicht anders, als ob er ihn mit David seinen Gegnern zurufen hörte: „Ihr kommt zu mir mit Schwerdt, Spieß und Schild: Ich aber komme zu euch im Namen des HErrn Zebaoth, des Gottes des Zeuges Israels, den ihr gehöhnet habt. Heutiges Tages wird euch der HErr in meine Hand überantworten" ꝛc. Je länger man in diesen Schriften liest und sich in dieselben versenkt, je unzweifelhafter wird es einem, daß hier nicht von einem Menschen wider Fleisch und Blut gekämpft werde, sondern daß der HErr selbst durch sein auserwähltes Rüstzeug kämpfet wider den Fürsten der Finsterniß, der arme Menschen verführt hat, sich zu seinen Werkzeugen herzugeben. Luthers polemische Schriften sind nicht nach einem bestimmten Kriegsplan der Logik angelegte Schlachtlieferungen, sondern wie ein mächtiger Strom brechen sie aus dem geschriebenen Worte Gottes wie aus den „Brunnen der großen Tiefe" hervor und reißen alles, was sich ihnen entgegenstellt, unwiderstehlich, gottesgewaltig mit sich fort unter lautrollendem Donner und zuckenden Blitzen vom Himmel herab. Myconius schreibt von der Predigt, welche Luther nach Ratificirung der Wittenbergischen Concordia von 1536 am Tage der Himmelfahrt über die Worte: Gehet hin in alle Welt ꝛc. gehalten hat: „Ich habe Lutherum zwar oftmals hören predigen, aber dazumal war mir nicht anders zu Sinne, denn als redete er nicht allein, sondern donnerte aus dem Himmel selbst im Namen Christi." (Luth. Werke, Hall. Ausg. XVII, 2542.) Denselben Eindruck bekommt jeder, welcher mit einem der Wahrheit offenen Gemüthe Luthers polemische Schriften liest. Dazu haben sie die Besonderheit, wie alle Schriften dieses wahren Reformators, daß darin, ebenso für den Einfältigsten wie für den Gelehrtesten belehrend und anziehend, selbst die verschmitztesten Sophistereien der Gegner in ihrer ganzen Blöße deutlich vor Augen gelegt und selbst die tiefsten Lehren der göttlichen Offenbarung auf das hellste und klarste dargestellt, begründet und entwickelt werden. Buddeus