# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1857_S43 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Lutherisch⸗theologische Pfarrers⸗Bibliothek. 43 zer Bericht von dem Unterschied der wahren Evangelischen Lutherischen und der Reformirten Lehre. Von Dr. Hector Gottfried Masius. Coppenhagen, 1691." 12. Der Verfasser dieser vortrefflichen Schrift, Masius, war eine Zeitlang dänischer Gesandtschaftsprediger in Paris, später Hofprediger und Professor zu Coppenhagen; er starb 1709. Das Büchlein ist sowohl wegen des ernstmilden Geistes der Wahrheit in Liebe *), als auch wegen der Klarheit und Gründlichkeit der Beweisführung vielen anderen dergleichen Schriften weit vorzuziehen. Außer dem auf dem Titel angegebenen Inhalt findet sich darin als Anhang noch die „Erörterung der Frage: 1. Ob zwischen den Lutheranern und Reformirten eine Religionseinigkeit und -Freundschaft zu hoffen sei? 2. Ob nicht die Reformirten Gewissenshalber verbunden seien, kraft ihrer eigenen Lehrsätze zu uns zu treten?" Um den Geist zu zeigen, der das Büchlein characterisirt, dazu dürften einige Worte aus der Vorrede des Verfassers selbst am besten dienen. Darin heißt es nehmlich u. A. folgendermaßen: „Was den Streit zwischen uns und der Reformirten Gemeine betrifft, wer sollte unter uns so unchristlich sein und so gar weit von der Liebe und Einigkeit entfernt, daß er nicht von ganzer Seele wünschen sollte, daß der entzwei gespaltene Oelberg zusammen wachsen (Sach. 14, 4.) und der Neid zwischen Manasse und Ephraim aufhören möchte (Jes. 11, 13.), und daß diejenigen, die beide aus Babel ausgegangen, sich nicht unter sich selbst aufreiben und verzehren möchten; wodurch nur dieses geschieht, daß beide Theile dem apocalyptischen Thier, welches trunken ist von dem Blute der Erschlagenen, zum Raube werden. Es ist unstreitig, daß Rom nichts größeres als die Vereinigung der Lutheraner und Reformirten zu fürchten hat und daß die Säulen des Vaticans bei dem bloßen Namen solcher Vereinigung zittern. Auch ist gewiß, daß rechte und gottselige Theologi ihr Blut nicht zu theuer achten würden, um damit einen Kirchenfrieden zu erkaufen, so der Wahrheit nicht nachtheilig. Aber bei der Liebe des Friedens hat der heilige Gott auch die Liebe der Wahrheit gesetzet ꝛc. Wären wir bereits im Grunde des Glaubens einig, so müßten unsere Federn verflucht sein, die wir zu einem unnöthigen Streit gegen unsere Brüder feuchten wollten. Aber, weil der Unterschied unserer Lehre so groß ist, thun wir billig, daß wir die Wahrheit zum öftern wiederholen, ob wir etwa hierdurch einige Seelen gewinnen möchten." Obgleich es nun nicht in unserem Plane liegt, eine Anweisung zu geben, wo in den Gesammtschriften Luthers das Beste über die einzelnen Zweige der theologischen Wissenschaft sich findet, so können wir doch nicht unterlassen, hier, wo wir von den besten gegen die Irrthümer der Reformirten gerichteten Schriften Nachricht geben, an die betreffenden polemischen Schriften Luthers zu erinnern. Wir sind nach langjährigem ununterbrochenen Studium dieser Schriften zu der klaren Ueberzeugung gekommen, daß Luther nicht nur unter *) Masius' Mildigkeit war seiner Zeit sprüchwörtlich; vom Jahre 1703 an bis zu seinem Tode verwendete er seinen ganzen Gehalt zu frommen Zwecken.