# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 12 08_S45 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) 4⁵ ſen. Können das geringe, unbedeutende Sün-dieſen Ausſprüchen des heil. Geiſtes die Recht— den ſein, um derentwillen des Sohnes Gottes Leib gebrochen, ſein ſo heiliges, theures Blut vergoſſen werden mußte? Achteſt du deine Sünde gering, ſo achteſt du Gottes Gnade und Vergebung gering; willſt du dich ſelbſt recht— fertigen, ſo raubeſt du dem HErrn, was ſein iſt. Deine Eigengerechtigkeit iſt deine größte Sünde, und wenn du dabei beharrſt, ſo ver— kehrſt du dir ſelbſt den Segen des Abendmahls in einen Fluch. M. Ich denk', Herr Pfarrer, ich will ſo gut einen Segen, wie ein anderes auch. Pf. So mußt du auch Buße thun, ſo gut wie jeder andere Sünder, der Vergebung will. Margareth, du glaubſt mir nicht in allem, was ich dir ſage; ſo nimm wenigſtens einen guten Rath an. Laß Gott den Schiedsrichter ſein zwiſchen mir und dir, und ſprich zu Ihm: Lieber Gott, ſo und ſo ſpricht mein Pfarrer, und will mich immer zu einer großen Sünderin machen. Ich bitte dich, lieber Vater, ſo zeig mir aus deinem Worte, ob es wirklich ſo iſt, ob er recht hat. Erforſche du mich und erfahre mein Herz, prüfe mich und erfahre, wie ich's meine, und ſiehe, ob ich auf böſem Wege bin, und leite mich anf ewigem Wege! Amen. So bet' zu Gott täglich und ſonderlich in dieſen Tagen noch, ehe du zum heil. Abendmahl gehſt; dann wird Er dir gewiß zur rechten Erkenntniß helfen. Willſt du das? M. Das kann ich wohl thun. Pf. So geh hin und thu's; und Gott ſei mit deinem Geiſte! M. Adje, Herr Pfarrer! (Schluß folgt.) Fübrt das alte Lutherthum nach Rom? (Fortſetzung.) 4.) Wir kommen nun zu dem letzten, einem in unſerer Zeit beſonders zu beachtenden Falle, in welchem die Annahme oder Verwerfung einer ſonſt gleichgültigen Ceremonie nicht gleich⸗ gültig iſt. Es iſt dieſer: wenn man durch das eine oder das andere den Schein gibt, als ſei man den Widerſachern der reinen Lehre gewi— chen, als ſei man mit ihnen eins geworden oder als mache man doch zwiſchen denRechtgläu— bigen und Falſchgläubigen keinen weſentlichen Unterſchied. Die heilige Pflicht, in dieſem Falle im Gebrauch ſeiner Freiheit mit höchſter Vorſicht zu verfaͤhren, gründet ſich unter an⸗ deren auf folgende Stellen der heil. Schrift: 2 Cor. 6, 14. „Ziehet nicht am fremden Joch mit den Ungläubigen. Denn was hat die Gerechtigkeit für Genieß mit der Ungerechtigkeit? Was hat das Licht für Ge— meinſchaft mit der Finſterniß? Wie ſtimmt Chriſtus mit Belial? — Darum gehet aus von ihnen, und ſondert euch ab, ſpricht der HErr.“ Röm. 16, 17. „Ich ermahne aber euch, lieben Brüder, daß ihr aufſehet auf die, die da Zertrennung und Aergerniß anrichten neben der Lehre, die ihr gelernet habt, und weichet von denſelbigen.“ Hiermit iſt aber zu vergleichen: 1 Theſſal. 5, 22. „Mei⸗ det allen böſen Schein.“ Sollen nun nach gläubigen die Gemeinſchaft mit den Ungläubi⸗ gen und Falſchgläubigen abbrechen, ſich von“ ihnen abſondern und von ihnen weichen und alſo nach der letzten Stelle auch den Sche i.n meiden, als beſtünde zwiſchen ihnen Gemein— ſchaft, ſo handeln diejenigen offenbar wider Gottes Wort, welche ſolche Ceremonien anneh⸗ men, die den Falſchgläubigen eigenthüm⸗ lich ſind, die gleichſam Abzeichen gewiſſer Secten geworden ſind, ihr Schibboleth, (Richt. 12. 4—6.), Ceremonien, durch welche die Irr⸗ gläubigen gewiſſe Irrthümer mit der That bekennen und ausdrücken wollen: denn dadurch geben die Glieder der rechtgläu⸗ bigen Kirche den Schein, als hätten ſie ſich mit den Irrgläubigen vereinigt (unirt), als ſeien ſie mit ihnen eins geworden, als hätten ſie die Verwerfung der Irrlehre aufgegeben, und als ſeien ſie nun mit den Widerſachern der reinen Lehre Ein kirchlicher Körper geworden. Auf ditſen Fall weiſen daher auch unſere kirchlichen Symbole hin, wenn es darin nunter andern alſo heißt: „Wie auch unter die rechten, freien Adiaphora oder Mitteldinge nicht ſollen gerech— net werden ſolche Ceremonien, die den Schein haben, oder, dadurch Verfolgung zu vermeiden, den Schein fürgeben wollten, als wäre unſere Religion mit der papiſtiſchen (oder einer andern falſchgläubigen Religion) nicht weit von einander, oder wäre uns dieſelbe ja nicht hoch entgegen: oder wenn ſolche Ceremo⸗ nien dahin gemeinet, alſo erfordert oder auf— genommen, als ob damit und dadurch beide widerwärtige Religionen verglichen (in unam redactae), und Ein Corpus worden, oder (eum periculum est) wiederum einen Zutritt zum Pabſtthum und ein Abweichen von der reinen Lehre des Evangelii und wahren Reli⸗ gion geſchehen, oder gemächlich daraus erfolgen ſollte. Denn in dieſem Fall ſoll und muß gelten, das Paulus ſchreibet 2 Cor. 6, 14. 17. „„Ziehet nicht am fremden Joch; was hat das Licht für Gemeinſchaft mit der Fin— ſterniß? Darum gehet aus von ihnen und ſondert euch ab, ſpricht der HErr.““ (Concor— dienformel. Wiederholung. Art. 10.) Nicht zu überſehen iſt hierbei folgender Ausdruck der Apologie: „Dieſchriſtliche Kirche ſtehet micht allein in Geſellſchaft äußerlicher Zeichen (externarum rerum ac rituum, sicut aliae politiae), ſondern ſtehet fürnehmlich in Gemeinſchaft inwendig der ewigen Güter im Herzen, als des heil. Geiſtes, des Glanbens, der Furcht und Liebe Gottes.“ (Art. 7.) Hier⸗ mit gibt die Apologie nicht undeutlich zu verſte— hen, daß auch die äußerlichen Ceremonien nicht gänzlich von den Dingen auszuſchließen ſind, in welchen die waͤhre Kirche unter ſich Gemein— ſchaft hat. Wenden wir nun die Lehre von den Cere⸗ monien, wie wir ſie hier aus Gottes Wort und den Symbolen unſerer Kirche dargelegt haben, auf unſere jetzigen hieſigen Verhältniſſe an, ſo wird es nicht ſchwer ſein, zu ſagen, was auf den Vorwurf zu antworten ſei, daß wir, die man mit dem Namen Altlutheraner beehrt, die von der lutheriſchen Kirche öffentlich bekannte Freiheit beſchränken und wieder einen papiſti⸗ ſchen Ceremonienzwang einführen wollten. Wir leugnen es nicht, wir ſind bemüht, den äußerlichen Gottesdienſt, wie ihn die alte luthe⸗ riſche Kirche bereits Jahrhunderte lang gehal⸗ ten hat, in ſeinen charakteriſtiſchen Beſtandtheilen beizubehalten und unſere Gemeinden dafür zu ſtimmen; wir leugnen es nicht, wir ſind auch allerdings des Sinnes, uns unter keiner Be⸗ dingung den andern kirchlichen Gemeinſchaften, wie den reformirten, methodiſtiſchen u. a., in ihren eigenthümlichen Ceremonien zu confor⸗ miren; wir meinen endlich allerdings, daß die⸗ jenigen keine treuen Lutheraner ſeien, die in jetziger Zeit und unter den hieſigen Verhält— niſſen alle die unterſcheidenden Ceremonien unſerer Kirche fallen laſſen und an deren Statt die der fremden kirchlichen Gemeinſchaften an⸗ nehmen. Wir thun dies aber nicht darum, weil wir, wie die Papiſten, glaubten, daß irgend eine von Menſchen eingeführte Ceremonie zur Wahrheit der Kirche an ſich nöthig ſti, oder daß wir unter allen Umſtänden die Macht nicht hätten, jede unſchuldige Ceremonie, welche es auch ſein mag, zu gebrauchen: vielmehr handeln wir darum ſo, weil wir eben unſere Freiheit in den Ceremonien uns nicht nehmen laſſen, keine Wahrheit, inſonderheit nicht den wichtigen Ar⸗ tikel von der chriſtlichen Freiheit verleugnen, ſondern mit der That bekennen, die Schwachen nicht ärgern, auch durch die ſcheinbar unſchul⸗ digſte Handlung keine Irrlehre beſtätigen und jemanden darin beſtärken, und auch den gering— ſten Schein, als hielten wir es mit den Wider⸗ ſachern unſerer lutheriſchen Kirche und ihrer Lehre, und als ſeien wir mit ihnen zu Einer Kirche zuſammengefloſſen, mit allem Fleiß ver⸗ meiden wollen. Das iſt es, was wir wollen und um das wir ſtreiten, keinesweges aber die Ceremonien an ſich, deren Gebrauch oder Abſchaffung auch wir unter andern Umſtänden für durchaus frei von ganzem Herzen halten und erklären. Diejenigen, die unſerem Ver⸗ fahren das lutheriſche Bekenniniß von der Freiheit der Ceremonien entgegenhalten, thun daher Luftſtreiche gegen uns, da darüber, daß dieſe Dinge an ſich frei ſind, kein Zwieſpalt herrſcht. Die Frage, um die es ſich handelt, iſt vielmehr dieſe, ob auch jetzt ſolche Umſtände obwalten, unter welchen nach Gottes Wort und den Bekenntniſſen unſerer Kirche ſelbſt in ge⸗ wiſſen Mitteldingen nicht zu weichen iſt. Daß wir aber auch jetzt in einem ſolchen Falle ſind, das iſt es, was wir glauben und was uns in unſerm Verfahren leitet. Von jeher hat man nehmlich von reformirter Seite es der lutheriſchen Kirche zum Gewiſſen machen wollen, daß ſie Altäre, Bilder, Cruci⸗ fire und dergleichen in ihren Kirchen hat, daß ſie ſich bei der Verwaltung des heil. Abend— mahls der Oblaten oder Hoſtien und brennen⸗ der Lichter bedient und dieſes allerheiligſte Sa— crament knieend zu empfangen empfiehlt, daß die Prediger die Worte der Einſetzung des heil. Nachtmahls, die Intonationen, Collecten und den Aaroniſchen Segen am Altare abſingen, daß bei Taufe, Conſecration, Segen, Abſolu- tion und Copulation das Zeichen des heiligen