# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1857_S36 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 36 Wie werden wahrhaft lutherische Gemeinden gegründet und erzogen? kirchlichen Lehramte herfließen müssen, scheint, wie gesagt, den meisten neueren lutherischen Lehrern so ziemlich abhanden gekommen zu sein, und statt dessen schauen sie die Kirche vielmehr an als eine sichtbare organisirte Heilsanstalt, mit der Ueberordnung des sogenannten geistlichen Standes und der Unter⸗ ordnung des sogenannten Laien- und des Hausstandes, und beide wiederum umgürtet und beschirmt, geleitet und regiert von der oberbischöflichen Gewalt, der weltlichen Obrigkeit und des landesherrlichen Regiments und dessen der Kirche gegebenen Verfassungen, Gesetzen und Ordnungen, darin die Herrlich⸗ keit dieser Kirche gipfelt und aus der denn die „königlich baierischen u. s. w. Pfarrer“ geboren werden. Die andere Antwort auf die Frage nach der Entstehung des sogenannten „historischen fürstbischöflichen Rechtes“ in der lutherischen Kirche ist diese, daß ein guter Theil der lutherischen Theologen heutiger Zeit und zwar auch solcher, die als Schriftsteller ein Ansehen haben, in den Wahn gerathen sind, daß durch solche vermeintliche Stützung und Verwahrung der Kirche durch den weltlichen Arm diese den gefahrdrohenden Revolutionsgelüsten des Volkes kräftiger widerstehen werde; und wiederum steht der landesherrliche Ober⸗ bischof oder der oberbischöfliche Landesherr in einem ähnlichen Wahn, daß die von ihm regierte Kirche, resp. der sogenannte geistliche Stand, aus schuldiger Dankbarkeit für seinen Schutz und Schirm allen Fleiß anwenden werde, ihn zugleich als Regenten der Kirche dem Volke noch ehrwürdiger zu machen und demgemäß auf die Gewissen zu wirken, so daß im Falle neuer Aufstände diese Macht mit der äußeren Heeresmacht zusammenwirke, das Volk im Zaume zu halten. Was liegt aber diesem gegenseitigen Schutz- und Trutzbündniß von Kirche und Staat eigentlich zum Grunde, sonderlich von Seiten des sogenannten geistlichen Standes? Zuerst und zuletzt leider ein betrübter und schmachvoller Kleinglauben gegen die Macht des göttlichen Wortes und des von ihm in den Herzen ge⸗ wirkten rechtfertigenden Glaubens an Christum; denn trauten sie selber von ganzem Herzen dem Herrn und der Macht seines Wortes, das von Anfang die Kirche getragen und regiert und sie sonderlich zur Zeit der Apostel und Reformatoren wider Teufel und Welt, wider die blutigen Verfolgungen von Außen und wider die seelenverderblichen Ketzereien und Irrlehren von Innen siegreich erhalten hat: so würden sich die geistlichen Herrn aus Furcht vor der Wiederkehr des Jahres 1848 und vor dem etwaigen Untergange des der⸗ maligen Kirchenbestandes nicht so ängstlich an das weltliche Regiment an⸗ klammern, als vermöchte es durch seine Heereskraft in den gräulichen Zeiten des Aufruhrs jedenfalls auch die Kirche zu erhalten, indeß es doch selber sammt all seinen Heeren, wenn es den Herrn der Heerschaaren fahren läßt und Fleisch für seinen Arm hält, ein morscher Rohrstab ist, der den verwun⸗ det, der sich auf ihn lehnt und seinen eigenen Untergang beschleunigt. Denn sollte es auch geschehen, weil sehr zu besorgen ist, daß weder die Fürsten, noch