# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S188 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 188 Lehrverhandlungen der 19ten Allgemeinen oder nen wird, dunkel und finſter dagegen da, wo die Strahlen der Sonne nicht hingelangen, ſo iſt die Vernunft des Menſchen nur inſoweit und auf ſo lange eine erleuchtete, ſo weit und ſo lange der Glanz des Schriftwortes ſie anſcheinet. Soweit dieſer Glanz fehlt, ſoweit herrſcht Dunkel und Finſter⸗ niß, Thorheit und Irrthum in der Vernunft. Hieraus iſt leicht zu erken⸗ nen, wie thöricht es geredet iſt, wenn man ſagt: Zwar nicht der unerleuch⸗ teten, wohl aber der erleuchteten Vernunft iſt ein Urtheil in geiſtlichen Dingen zuzugeſtehen. Muß nicht gerade der Wiedergeborene in ſtetem Kampfe wider das Urtheil ſeiner Vernunft in geiſtlichen Dingen ſtehen? Sind nicht auch ihm, dem wiedergeborenen Chriſten, die Artikel von der Dreieinigkeit, der gottmenſchlichen Perſon Chriſti, der Rechtfertigung allein durch den Glauben, der Auferſtehung des Fleiſches u. ſ. w. unbegreifliche, ja, widerſpruchsvolle Dinge, ſoweit das Urtheil ſeiner Vernunft in Betracht kommt? Die Erkenntniß auch des Wiedergeborenen iſt an das Schriftwort gebunden und das Organ, mit welchem der Wiedergeborene alle geiſtlichen Dinge aufnimmt und feſthält, iſt nicht ſeine Vernunft, ſondern der Glaube. Die rechte Handhabung der Vernunft ſeitens des Wiedergeborenen beſteht nicht darin, daß er ſie behufs des Urtheilens in geiſtlichen Dingen auf dem Gebiete der göttlichen Offenbarung ſpazieren führt, ſondern daß er ſie immer wieder aufs neue gefangen nimmt unter den Gehorſam Chriſti. Daß ein Menſch eine erleuchtete Vernunft hat, beweiſt er damit, daß er keine ver⸗ nunft⸗, ſondern ſchriftgemäße Artikel des Glaubens haben will; daß er nicht fragt: wie iſt das möglich, wie reimt ſich das? ſondern: hats Gott geſagt, ſtehet das geſchrieben? Luther: „Die Wiedertäufer machen aus der Vernunft ein Licht des Glaubens, daß die Vernunft dem Glauben leuchten ſolle, wo er hin ſoll. Ja, ich meine, ſie leuchtet gleichwie ein Dreck in einer Laterne . . ., alſo ſoll in allen Chriſtgläubigen die Vernunft auch getödtet werden, ſonſt hat der Glaube keine Statt bei ihnen, denn die Vernunft ficht wider den Glauben.“ (Erl. Ausg. B. 44, S. 157.) Joh. Gerhard: „Erklären wir die Sache durch ein Beiſpiel.“ (Zu⸗ vor hat Gerhard dargethan: wie der Chriſt, inſofern er Chriſt oder ein Wiedergeborener iſt, nicht ſündigt, ſondern die Sünde dem ihm noch an⸗ klebenden Fleiſche entſtammt, ſo nimmt auch der Chriſt als Chriſt, oder in⸗ ſofern er wiedergeboren iſt, es ſich nicht heraus, die Glaubensartikel nach den Principien ſeiner Vernunft zu beurtheilen; geſchieht eine ſolche Beur⸗ theilung, ſo kommt ſie aus dem alten Menſchen.) „Es fragt ſich: Iſt der Leib Chriſti wahrhaftig und weſentlich im heiligen Abendmahl gegenwär⸗ tig? Das bejahen wir, weil Chriſtus ſpricht: Nehmet, eſſet, das iſt mein Leib. Die Gegner ſagen Nein dazu aus dieſem Grund, weil ein wahrer und natürlicher Leib nicht zugleich und auf einmal an mehreren Orten ſein könne. Sie fügen hinzu: Die wiedergeborene Vernunft könne nicht anders von einem Leib halten, ihr Zeugniß ſei alſo zu hören. Wir ſagen