# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S187 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vierten Delegatenſynode von Miſſouri, Ohio u. a. St. 1884. 187 ſprochen, ſo werfen wir es von uns und treten es mit Füßen. — Die⸗ ſer Irrthum der Theologen, ein ſtolzes Lehrgebäude im Sinne der Vernunft aufführen und hinſtellen zu müſſen, iſt ein höchſt verderblicher. Es läßt dieſer Wahn nicht einmal die Schule unberührt. Da halten diejenigen, welche in dieſem Irrthum ſtecken, es für höchſt überflüſſig, daß die Kinder einzelne Sprüche auswendig lernen; das „Ganze der Heilsgeſchichte“, das man durch Vermittlung zwiſchen den einzelnen Sprüchen gewonnen habe, das ſei den Kindern beizubringen und einzuprägen. Aber wie? Wird der Glaube eines Chriſten zur Zeit der Anfechtung etwa durch das „Schrift⸗ ganze“ (im Sinne der Vernunft) geſtärkt und befeſtigt? Lehrt nicht die Erfahrung, daß ein Chriſt in den Stunden der Anfechtung und namentlich in der Stunde ſeines Todes ſich an einzelne Sprüche des göttlichen Wortes hält und kraft dieſer den Sieg gewinnt? Aber, ſo ruft man uns zu, ihr ſolltet doch nicht ſo ganz und gar den Unterſchied vergeſſen, welcher zwiſchen der Vernunft eines Wiedergeborenen und der eines Unwiedergeborenen zu machen iſt. Allerdings vernimmt die Vernunft eines natürlichen Menſchen, als eine noch unerleuchtete, nichts vom Geiſte Gottes, dagegen aber vernimmt die Vernunft eines Chriſten, als eine erleuchtete, gar wohl geiſtliche Dinge. Iſt daher ein Theologe wirklich ein Chriſt, ſo kann er wohl aus dieſem Satze: Ich bin ein Chriſt, das ganze Lehrgebäude conſtruiren. Aus der Wahrheit, die in ſeinem Her⸗ zen ruht, vermag er gar wohl kraft ſeiner erleuchteten Vernunft alle an⸗ deren göttlichen Wahrheiten zu finden; denn aus Wahrheit kann nur Wahrheit kommen. Mit Erſtaunen wird man wahrnehmen, wie das, was man alſo aus ſich heraus gebildet hat, mit der Bibel übereinſtimmt, wenn man nun daran geht, es mit letzterer zu vergleichen. — Dazu ſagen wir: Es iſt ein ſchändlicher Mißbrauch, der mit der ſogenannten erleuchteten Vernunft heutiges Tages getrieben wird. Erleuchtete Vernunft iſt nichts anderes, als das Wort der Schrift, das ſeine Kraft im Verſtande des Menſchen übt, ſo daß letzterer dem Schriftwort gemäß urtheilt. Es ſteht nicht ſo, daß in der Wiedergeburt dem Chriſten eine Vernunft ganz anderer Art gegeben wird, als er zuvor gehabt, eine Vernunft, die im Stande wäre, durch ſich ſelbſt die göttlichen Geheimniſſe zu durchſchauen und recht zu beurtheilen. Sondern ſo ſteht es, daß die alte Vernunft, welche bei dem Menſchen, wie er von Natur iſt, mit Blindheit in göttlichen Dingen geſchlagen iſt und voller Irrthümer ſteckt, vom Schriftwort erleuch⸗ tet werden muß, kraft deſſen die Irrthümer ſchwinden. Nur ſo lange und ſo weit, wie das Schriftwort ſeine Kraft ausübt, iſt die menſchliche Ver⸗ nunft erleuchtet. Sobald man das Schriftwort fahren läßt, ſobald kehrt Blindheit und Irrthum zurück, und es iſt ein wiedergeborener Menſch in Bezug auf dieſe oder jene Lehre, für welche er das betreffende Schriftwort hat fahren laſſen, nicht beſſer daran, als ein gänzlich unwiedergeborener Menſch. Wie die Erde nur da hell iſt, wo ſie vom Licht der Sonne beſchie⸗