# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S186 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 186 Lehrverhandlungen der 19ten Allgemeinen oder großen Geiſter auf dem Gebiet der Conſtructions⸗Theologie auf wiſſen⸗ ſchaftliche Entdeckungsreiſen aus, ſo wird von ihnen dennoch unentdeckt und unerforſcht bleiben, was Gott „allein ſeiner Weisheit und Erkenntniß vorbehalten“, und in ſeinem Wort nicht offenbart hat. Sie werden z. B. nicht den ſcheinbaren Widerſpruch auflöſen, welchen die Vernunft in dem einigen Sprüchlein findet: „Iſrael, du bringeſt dich in Unglück; denn dein Heil ſtehet allein bei mir.“ (Hoſ. 13, 9.) Auf dem Gebiete der Natur vermag die Vernunft, wenn auch nicht immer, doch ſehr oft durch ihre Schlußfolgerungen das Richtige zu treffen; nicht alſo auf dem Gebiete der göttlichen Offenbarung. Und dennoch gebärdet ſich die neuere Theologie ſo, als ſtehe ihr die Schlußfolgerung der Vernunft auf dieſem Gebiete mit göttlichem Rechte zu. Die Logik, ſpricht man, iſt etwas Unausweichliches; hier bringen wir bindende Schlüſſe, denen unſere Gegner (das iſt, die „Miſſourier“) nicht entgehen können. Hat Gott das geſagt, ſo ſchließt man, dann hat er nothwendiger Weiſe damit zugleich auch das geſagt; hat Gott dies gethan, ſo hat er auch das gethan, oder muß er auch das thun. Aber ſo zu ſchließen, dergleichen „vernünftige Reden“ zu führen, hat ſie nicht Gott gelehrt, ſondern der Fürſt der Finſterniß. Der in allem ſelbſt⸗ ſtändige Gott iſt von nichts abhängig. Daß Gott z. B. die ewige Liebe iſt, hat noch gar nicht an ſich die „nothwendige Folge“ der Sendung ſeines eingebornen Sohnes in die Welt, alſo daß Gott die Liebe nicht hätte ſein können, wenn er ſeinen Sohn nicht geſandt hätte. Gott wäre auch dann die ewige Liebe geweſen und geblieben, wenn er ſeinen Sohn nicht in die Welt geſandt hätte; niemand hätte ihn wegen Unterlaſſung der Sendung ſeines Sohnes der Liebloſigkeit anklagen dürfen. — Ich ſoll nur das aus einem Schriftwort ſchließen, was in demſelben wirklich liegt, was Gedanke des Schriftwortes ſelbſt iſt, was dieſes wirklich enthält, was wie von ſelbſt ſich aus demſelben ergibt, wie z. B. die Taufe der Frauen und der Kinder aus dem Wort: Taufet alle Völker, oder alle Heiden. Was ein Menſch durch Vernunftſchlüſſe in der Schrift findet, iſt entweder eine bloß menſchliche Wahrheit oder ein Irrthum; niemals aber eine göttliche Wahrheit. Daher müſſen wir uns ganz entſchieden verwahren gegen alle derartigen Schlußfolgerungen auf dem Gebiete der Theologie. Die Väter unſerer Kirche (zu deren Füßen wir noch nach wie vor ſitzen, obſchon wir ihnen nicht da folgen, wo ſie geirret haben, denn Regel und Richtſchnur unſeres Glaubens ſind nicht ſie, ſondern allein Gottes Wort) weiſen eine Lehre als einen Irrthum, als eine falſche Lehre daraus nach, daß dieſelbe eine unbibliſche und widerbibliſche ſei. So thut z. B. Joh. Gerhard be⸗ treffs des Chiliasmus. Er zeigt, daß derſelbe eine falſche Lehre ſei, erſtlich, weil derſelbe keine Lehre der Schrift ſei; zum andern, weil der⸗ ſelbe vielmehr durchaus gegen den klaren Wortlaut der Schrift ſtreitet. — Iſt daher das, was wir als göttliche Lehre annehmen ſollen, nicht aus⸗ drücklich, wenn auch indirect oder implicite, in dem Schriftwort ausge⸗