# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S185 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vierten Delegatenſynode von Miſſouri, Ohio u. a. St. 1884. 185 aber das gehe nicht an für den Theologen. Gerade die Vermittelung ſei ja die beſondere Aufgabe der Theologie. Nein, auch der Theologe hat die deutlichen Ausſagen der Schrift, wenn nicht dieſe ſelbſt eine „Vermittelung“ gibt, unvermittelt neben einander ſtehen zu laſſen. Das iſt von jeher der Grundſatz der lutheriſchen Kirche geweſen. Die lutheriſche Kirche läßt die klaren Schriftausſagen ſtehen, wie ſie lauten. Sie läßt ſich nicht zur ge⸗ ringſten Aenderung derſelben verleiten, auch wenn ſie noch ſo wenig zu an⸗ dern geoffenbarten Lehren zu paſſen ſcheinen. Mag die Vernunft dafür halten, daß zwei Lehren ſich widerſprechen — ſtehen beide in der Schrift, ſo nimmt die lutheriſche Kirche beide an. Unſer Bekenntniß ſagt (Concor⸗ dienf. Art. 11, S. 715) von dem „Zuſammenreimen“ oder „Vermitteln“: „welches uns zu thun nicht befohlen iſt.“ — Und wie ſollten wir im Stande ſein, in geiſtlichen Dingen eine Vermittelung zu finden, da unſere Kennt⸗ niß derſelben ſchlechterdings nicht über das Schriftwort hinausgeht? „Un⸗ ſer Wiſſen“, ſpricht der Apoſtel Paulus 1 Cor. 13, 10—12, „iſt Stück⸗ werk und unſer Weiſſagen iſt Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, ſo wird das Stückwerk aufhören. Da ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind, und war klug wie ein Kind und hatte kindiſche An⸗ ſchläge; da ich aber ein Mann ward, that ich ab, was kindiſch war. Wir ſehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Wort, dann aber von An⸗ geſicht zu Angeſicht. Jetzt erkenne ich's ſtückweiſe; dann aber werde ich er⸗ kennen, gleichwie ich erkennet bin.“ Man beachte, daß der Apoſtel nicht ſagt: Unſer Wiſſen iſt ein abgerundetes vollſtändiges Ganze im Sinne der Vernunft, ſondern er ſagt: es iſt Stückwerk, das iſt, nach dem Grundtext: ſtückweiſe oder in einzelnen Stücken hat uns Gott ſeine Offen⸗ barung gegeben, und über dieſe einzelnen Stücke hinaus fehlt uns jegliche Erkenntniß. So lange wir in dieſem Leben ſind, werden wir die göttliche Offenbarung immer nur ſtückweiſe, das iſt, nach ihren einzelnen Stücken er⸗ kennen. Erſt wenn das Vollkommene, das iſt, die ſelige Ewigkeit kommt, hört die Erkenntniß nach Stückwerk auf und wir ſehen dann von Angeſicht zu Angeſicht; wir ſehen dann auch, welch ein herrliches harmoniſches Gan⸗ zes die göttliche Offenbarung iſt, deren Harmonie wir in dieſem Leben zwar von Herzen glaubten, aber nicht völlig erkannten, weil wir hier auf Erden „durch einen Spiegel in einem dunkeln Wort ſchauten“. Zwar iſt dieſes Wort hell und klar an ſich, aber gegenüber der Offenbarung, die unſer im Himmel wartet, iſt es nur ein dunkles Wort, nur ſoviel uns offenbarend, als uns zu wiſſen zu unſerem Heile nöthig iſt. Und über das Schriftwort wird die Kirche nie hinauskommen. Die neuere Theologie gibt zu, daß es ihr bis jetzt noch nicht gelungen ſei, alles zu „vermitteln“ und in ein „verſtändlich Syſtem“ zu bringen. Doch hofft man die Löſung dieſer Auf⸗ gabe noch von der Zukunft. Allein vergeblich! Die Kirche iſt hienieden mit ihrer Kenntniß an das Schriftwort gebunden. Stände die Welt auch noch viele Tauſende von Jahren und gingen während dieſer Zeit auch alle