# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S184 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 184 Lehrverhandlungen der 19ten Allgemeinen oder laut der Schrift zu deuteln, weil derſelbe mit anderen Gottesworten im Widerſpruch zu ſtehen ſcheint. Unſer Bekenntniß weiſt dies nach an dem Verhalten des gläubigen Abraham dem Worte Gottes gegenüber, welches Abraham die Opferung ſeines Sohnes Iſaak gebot. Zu Abraham geſchah das Wort: „Nimm Iſaak, deinen einigen Sohn, den du lieb haſt, und opfere ihn zum Brandopfer.“ Dieſe Worte Gottes an Abraham lauteten, wie unſer Bekenntniß ſagt, nicht nur wider göttliches und natürliches Ge⸗ ſetz, ſondern auch gegen den hohen Artikel von Chriſto, denn in Iſaak ſollte Abraham der Same genannt werden. Und nun ſollte Abraham Iſaak tödten! Da hätte Abraham wohl eine „leidliche, ſanfte Gloſſe“ zu den Worten des Befehls finden mögen, um ſie annehmbarer zu machen. Aber nein, er ließ die klaren Worte ſtehen, wie ſie lauteten, und ließ Gott dafür ſorgen, wie ſich die beiden Gottesworte reimten. Das war Glaube, ein⸗ fältiger Glaube, wie er ſich bei Chriſten dem Worte Gottes gegenüber finden ſoll. Doch hören wir das Bekenntniß ſelbſt. Die betreffende Stelle lautet alſo in der Concordienformel: „Abraham, da er Gottes Wort von Auf⸗ opferung ſeines Sohnes höret, ob er wohl Urſach genug gehabt hat, zu dispu⸗ tiren, ob die Worte, dieweil ſie nicht allein wider alle Vernunft und wider das göttliche und natürliche Geſetz, ſondern auch wider den hohen Artikel des Glaubens vom verheißenen Samen Chriſto, der von Iſaak ſollte ge⸗ boren werden, öffentlich ſtreiten, nach dem Buchſtaben oder mit einer leid⸗ lichen oder ſanften Gloſſe ſollten zu verſtehen ſein: dennoch, wie er zuvor, als ihm die Verheißung von dem gebenedeieten Samen aus Iſaak gegeben wird (wiewohl es ſeiner Vernunft unmöglich ſcheinet), Gott die Ehre der Wahrheit gibt, und auf das allergewiſſeſte bei ſich geſchloſſen und gegläubet hat, daß Gott, was er verheißet, ſolches auch thun kann: alſo verſtehet und gläubet er auch allhier Gottes Wort und Befehl einfältig und ſchlecht, wie ſie nach dem Buchſtaben lauten, und läßt es Gottes Allmächtigkeit und Weisheit befohlen ſein, welche er weiß, daß ſie viel mehr Weiſe und Wege hat, die Verheißung des Samens aus Iſaak zu erfüllen, als er mit ſeiner blinden Vernunft begreifen kann. Alſo ſollen wir auch mit aller Demuth und Gehorſam unſeres Schöpfers und Erlöſers deutlichen, feſten, klaren und ernſten Worten und Befehl ohne allen Zweifel und Disputation, wie es ſich mit unſerer Vernunft reime oder möglich ſei, einfältig glauben. Denn dieſer HErr ſolche Worte geredet hat, welcher die unendliche Weis⸗ heit und Wahrheit ſelbſt iſt, und alles, was er verheißet, gewißlich auch ins Werk ſetzen und vollbringen kann.“ (M. S. 656.) Das einzig richtige Verfahren, um auf der rechten Bahn zu bleiben, iſt alſo dies: die Schriftausſagen ſtehen zu laſſen und ſie anzunehmen, wie ſie lauten. Und zwar gilt dies dem Profeſſor der Theologie ebenſowohl als dem praktiſchen Paſtor. Man hat nämlich gemeint, daß man letzterem es wohl hingehen laſſen könne, wenn er bei Ausſagen der Schrift und des Be⸗ kenntniſſes einfach bleibe und ſich nicht mit Vermittlung derſelben befaſſe;