# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S183 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vierten Delegatenſynode von Miſſouri, Ohio u. a. St. 1884. 183 Wort für arme Sünder ſein zu laſſen, ſondern man wollte es auch den Weiſen dieſer Welt als ſolchen annehmbar und wohlgefällig machen. Der alte Rationalismus war wieder da, nur ſein äußeres Gewand war ein anderes geworden. Auch dieſer Rationalismus hat alle Glaubensartikel gewandelt. Wir wüßten keinen Hauptartikel der chriſtlichen Lehre, in wel⸗ chem die neue „wiſſenſchaftliche“ Theologie auf dem Bekenntniß ſtünde. Die vernunftgemäße „Vermittelung“, welche man zur Aufgabe der Theo⸗ logie gemacht hat, hat mit den Lehren, wie ſie unſere Kirche bekennt, auf⸗ geräumt. Wie man bei der Lehre von der Gnadenwahl zu Werke geht, mögen folgende Worte Luthardts zeigen. Derſelbe ſchreibt: „Es liegt, wenn ich mich nicht täuſche“ — man beachte das „wenn ich mich nicht täuſche“, womit Luthardt ſich ſelber das Zeugniß ausſtellt, daß er das, was er hier ſagt, nicht aus der Schrift habe — „faſt alles an einer doppelten Erkennt⸗ niß: fürs Erſte, daß für das Zuſtandekommen des Glaubens das eigene perſönliche Verhalten gewahrt bleibe, und dasſelbe in ſeiner Wirklichkeit nicht als rein ausſchließliches Werk und That Gottes gedacht werde; zum Andern, daß die Prädeſtination nicht unmittelbar und ohne weiteres auf die Einzelnen bezogen werde. Wird beides nicht feſtgehalten, ſo iſt die Ge⸗ fahr dort des determiniſtiſchen, hier des prädeſtinatianiſchen Irrthums vorhanden.“ — Um eine Lehre zu bekommen, die in das Syſtem paßt, be⸗ ſeitigt Luthardt hier zwei Artikel unſeres Glaubens mit einem Schlage: erſtlich den vom unfreien Willen des Menſchen; denn kommt der Glaube nicht ausſchließlich durch Gottes Werk und That zuſtande, ſondern wirkt auch der Menſch durch ſein „perſönliches Verhalten“ zum Zuſtandekommen desſelben mit, ſo iſt der Menſch nicht ganz todt in Sünden, ſondern nur halbtodt. Zum Andern beſeitigt Luthardt auch die ewige Wahl Gottes. Luthardt will nämlich dieſelbe nicht auf einzelne Menſchen bezogen haben. Wird aber geleugnet, daß die Wahl Einzelwahl ſei, ſo wird die Wahl über⸗ haupt geleugnet und gänzlich abgethan. Dieſe ſo eben beſchriebene Vermittlungstheologie trat in den letzten Jahren auch an uns heran mit der Aufforderung, ſie anzuerkennen. Denn das Anſinnen, welches man an uns ſtellte, war im Grunde kein anderes, als die Artikel des Glaubens zu einem Ganzen im Sinne der Vernunft zuzuſtutzen. Hätten wir dieſer Forderung nachgegeben, ſo wären wir heute nicht mehr eine lutheriſche Kirche, ſondern nur noch eine luthe⸗ riſche Secte. Wir können daher Gott nicht genugſam danken, daß er uns in jenen Tagen ſchwerer Anfechtung ſo gnädiglich behütet und uns feſt⸗ behalten hat in ſeinem Wort und Glauben, ſo daß auch heute noch unter uns der Grundſatz gilt, der in unſerer lieben lutheriſchen Kirche von An⸗ fang an zu Recht beſtanden hat, das Wort der Schrift ſo anzunehmen, wie es lautet, auch wenn es nicht vor der Vernunft mit einer andern Schrift⸗ ausſage im Einklang zu ſtehen ſcheint. Auch unſer Bekenntniß ſchärft ge⸗ waltig ein, daß wir uns nicht verleiten laſſen ſollen, an dem klaren Wort⸗