# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S182 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 182 Lehrverhandlungen der 19ten Allgemeinen oder füllet war.“ — Nachdem Luther dasſelbe auch in Bezug auf Taufe und Abendmahl nachgewieſen, fährt er alſo fort: „Was wollen nun die ver⸗ zweifelten Rottengeiſter den Glauben an die Vernunft binden, ſo es doch unmöglich iſt, daß Glaube und Vernunft ſollten übereinſtimmen? Denn Chriſtus ſagt allhier ausdrücklich: Wenn du willſt in's Himmelreich ein⸗ gehen, ſo werde ein kleines Kindlein, denn ich bin darum gekommen in die Welt, daß ich alle zu Kindern mache, und daß ſie Narren werden.“ (Erl. Ausg. Bd. 44, S. 157.) Wie die Vernunft mit den einzelnen Lehrartikeln aufräumt, wenn man ihr mitzureden geſtattet, lehrt genugſam die Erfahrung. Welchen Glau⸗ bensartikel hat denn die moderne Theologie, die es als ihre Aufgabe be⸗ zeichnet, die chriſtliche Lehre in ein Syſtem zu bringen, noch unangetaſtet ſtehen gelaſſen? Wer ſich vor Gottes Wort fürchtet und lieſt die neueren Speculationen im Artikel von der Dreieinigkeit, dem ſtehen die Haare zu Berge. Die geſammte neuere lutheriſch ſich nennende Theologie lehrt fer⸗ ner die Kenoſe, d. i. das Fündlein, daß der Sohn Gottes einen Theil ſeiner göttlichen Eigenſchaften habe ablegen müſſen, um Menſch werden und Menſch ſein zu können. Urſache dieſer Irrlehre iſt: man will der menſch⸗ lichen Vernunft es eingänglicher machen, wie Gott Menſch werden konnte. Ferner iſt die geſammte neuere Theologie ſynergiſtiſch, d. h., ſie ſchreibt dem Menſchen zu, daß er zu ſeiner Seligkeit mitwirke. Auch dieſe Irrlehre hat ihren Grund im Rationalismus, in dem Verſuch, die einzelnen geoffen⸗ barten Lehren vernunftgemäß zu vermitteln. Man ſagt, nur wenn man dem Menſchen eine gewiſſe Mitwirkung zur Seligkeit zuſchreibe, könne man die Lehre feſthalten, daß Gott die Seligkeit aller Menſchen ernſtlich wolle! Melanchthon war der erſte innerhalb der lutheriſchen Kirche, welcher lehrte, daß man dem natürlichen Menſchen die Fähigkeit nicht abſprechen dürfe, ſich zur Gnade ſchicken zu können. Aber auch bei Melanchthon war der Grund des Synergismus der Rationalismus. Er ſchreibt unter anderem alſo: „Da die Verheißung allgemein iſt und in Gott keine ſich widerſprechende Willen ſind, ſo muß nothwendig in uns eine Urſache des Unterſchie⸗ des ſein, warum ein Saul verworfen, ein David angenommen wird, das iſt, es müſſe irgendwie in dieſen beiden ein verſchiedenes Handeln ſein.“ (Nach L. Hutter.) Man kann wirklich ohne Synergismus kein Syſtem bauen. Wenn bei der Arbeit der Vermittlungstheologen noch ein Artikel des chriſtlichen Glaubens ſtehen bleibt, ſo iſt der Grund davon eine glück⸗ liche Inconſequenz. Was für ein Unheil hat doch die Syſtembildung in Deutſchland an⸗ gerichtet! Es ließ ſich ſo gut an. Kräftig und glaubensfriſch waren die Zeugniſſe, welche gegen den groben Rationalismus erhoben wurden. Da fuhr der Teufel der Syſtembildung in die Theologen. Man ließ ſich ge⸗ lüſten, die göttliche Weisheit mit der Weisheit dieſer Welt zu vertragen. Man war nicht damit zufrieden, das Evangelium ein theuerwerthes