# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S181 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vierten Delegatenſynode von Miſſouri, Ohio u. a. St. 1884. 181 gethan; dann entſteht unter den Glaubensartikeln ein Krieg aller gegen alle; dann wird ein Ungeheuer aus der chriſtlichen Lehre; dann müſſen wir ſchließlich zu Juden, Heiden und Türken werden. Da fallen vor allem die Artikel von der heiligen Dreieinigkeit und von der Perſon Chriſti; denn es gibt, um die menſchliche Vernunft hier zu befriedigen, keine Ver⸗ mittelung zwiſchen den Schriftausſagen einerſeits, daß Gott ein einiges, ganz ungetheiltes und untheilbares Weſen ſei, und zwiſchen den Schrift⸗ ausſagen andererſeits, daß drei unterſchiedliche Perſonen ſeien. Will die Vernunft den ſcheinbaren Widerſpruch, der ſich in dieſen Ausſagen findet, beſeitigen, ſo kann ſie das nur ſo, daß ſie entweder die Dreiheit der Per⸗ ſonen oder die Einheit des Weſens leugnet, wie der Kirchenvater Tertullian von Praxias ſagt: „Einen einigen Gott meint er nur dann glauben zu können, wenn er ſage, daß Vater, Sohn und Heiliger Geiſt ein und der⸗ ſelbe ſei.“ — Will die Vernunft zwiſchen den Ausſagen einerſeits, daß Chriſtus wahrer Gott ſei, und den Ausſagen andererſeits, daß Chriſtus wahrer Menſch ſei, vermitteln, ſo kann ſie das nur alſo, daß ſie entweder die wahre Gottheit oder die wahre Menſchheit, alſo überhaupt die Menſch⸗ werdung des Sohnes Gottes leugnet. Mit gewaltigen Worten zeigt dies Luther: „Es will Chriſtus haben, daß wir gar zu Kindern werden ſollen, ſo wir anders ins Himmelreich kommen wollen, das iſt, wie in den Kindern alle Vernunft und Verſtand, ſo zu rechnen, noch gar verſchorren (verſcharret) iſt, alſo ſoll in allen Chriſtgläubigen die Vernunft auch ge⸗ tödtet werden; ſonſt hat der Glaube keine Statt bei ihnen, denn die Ver⸗ nunft ficht wider den Glauben. Als, zum Exempel, die Schrift ſagt, es ſei allein Ein Gott, und in dem einigen göttlichen Weſen drei unterſchiedene Perſonen, Gott der Vater, Gott der Sohn, Gott der Heilige Geiſt, aber Ein Weſen und Subſtanz. Da kommt allhier bald der Türke mit ſeiner Vernunft daher, und fraget, wie es könne möglich ſein, daß eins könnte drei und drei könnten eins ſein; ſagen dazu, in einem Hauſe müſſe nicht mehr denn Ein Herr und Wirth ſein, alſo auch im Himmel müſſe allein Ein Gott ſein. Das iſt alles aus der Vernunft geredet. Aber allhier mußt du Chriſt ein Kind werden und ſagen: Ich kann's wohl nicht zuſammen rei⸗ men, aber ich muß ein Kind werden und mich tragen laſſen, Chriſtum mich anrühren und ſegnen laſſen, und glauben, dagegen aber der Vernunft ihre Augen zuthun und nicht ſehen, wie es möglich oder unmöglich ſein könnte, ſondern dem bloßen einfältigen Wort glauben, und es annehmen. — Alſo gehet's auch mit allen anderen Artikeln des Glaubens zu. Die Heiden, wenn ſie hören, daß Gottes natürlicher Sohn iſt Menſch worden, ſo ſagen ſie: Es iſt nicht möglich. Ja, wenn man die Vernunft um Rath fraget; aber du mußt allhier die Vernunft fahren laſſen, und von ihr nichts wiſſen und ſie gar tödten, ſonſt wird man nicht in's Himmelreich kommen. Man kann dieſe Sachen mit der Vernunft nicht faſſen noch begreifen, du mußt den Artikel glauben, daß Chriſtus ſei ein Menſch geboren, da die Zeit er⸗