# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S180 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 180 Lehrverhandlungen der 19ten Allgemeinen oder fen, andere ſcheinen uns zur vollſtändigen Harmonie zu fehlen. Da ſind wir denn in Verſuchung, einigen Linien eine etwas andere Richtung zu geben und die uns fehlenden nach unſerer Phantaſie hineinzuzeichnen. Geſchieht dies, ſo wird das Bild ſo gewiß verdorben, ſo gewiß kein Menſch Gott geſehen hat und aus ſich ſelbſt Gott nicht kennt. So viel wir an dem Bild corrigirt und nachgezeichnet haben, ſoweit haben wir Gottes Bild in ein Götzenbild verwandelt. Ehe wir zu Satz 2 weitergehen, wollen wir uns kurz noch einmal das unter Satz 1 Geſagte vergegenwärtigen. Wir haben uns davon überzeugt, daß wir nur dann den Grundſatz: Allein die Schrift ſtellt Artikel des Glau⸗ bens, in Wahrheit befolgen, wenn wir eine Lehre der Schrift aus den Stellen entnehmen, welche gerade dieſe Lehre offenbaren oder, was dasſelbe iſt, wenn wir das ausdrückliche Schriftwort für eine Lehre anführen. Nehme ich hingegen Schriftſtellen vor mich, welche gar nicht von der in Rede ſtehenden Lehre handeln, und ſuche ich dieſelbe aus dieſen Stellen erſt durch Vernunftfolgerungen zu finden, ſo ſtehe ich thatſächlich nicht auf Gottes Wort, ſondern auf meinen eigenen Gedanken; ſo folge ich in dieſer Lehre nicht dem Worte der Schrift, ſondern meinen eigenen Einfällen; ſo habe ich nur ſcheinbar aus der Schrift, in Wirklichkeit aber aus der Ver⸗ nunft bewieſen. Z. B. frage ich: Wie rechtfertigt Gott einen armen Sünder? ſo habe ich mir die Antwort aus den Stellen, welche von der Rechtfertigung handeln, zu holen; frage ich: Wie iſt der Menſch von Natur beſchaffen? ſo müſſen mir ſolche Stellen Antwort geben, welche ſagen, daß der natürliche Menſch nichts vom Geiſte Gottes vernimmt, daß er todt in Sünden iſt u. ſ. w.; frage ich, was die ewige Wahl Gottes ſei, ſo antworten mir allein die Stellen auf meine Frage, welche von dieſer Lehre ausdrücklich handeln. Nur dann, wenn wir ſo zu Werke gehen, ſtehen wir auf dem ausdrücklichen Schriftwort und bleiben dadurch bei dem Grundſatz der Kirche der Re⸗ formation: Allein die Schrift gründet Artikel des Glaubens. Wir laſſen uns das Schriftwort auch nicht durch ſogenannte nothwendige Folgerun⸗ gen unter den Füßen wegziehen, wodurch man thatſächlich geltend macht, daß ein ausdrückliches Schriftwort einen ſolchen Verſtand annehmen müſſe, daß ſich dasſelbe nach der Vernunft mit einem andern Schriftwort reime. Wie wichtig es iſt, daß wir dies feſthalten, zeigt uns nun Satz 2 an einigen Beiſpielen. Denn „nur wenn wir dies (das in Satz 1 Geſagte) feſthalten, bleiben a. die einzelnen Artikel der chriſtlichen Lehre ſtehen.“ Stellt man nämlich die Forderung auf, ein Schriftwort müſſe einen Verſtand annehmen, der ſich nach der Vernunft mit einem andern Schrift⸗ wort reime; ſtellt man die Forderung, daß ein Glaubensartikel ſich nicht bloß dadurch legitimire, daß er ein ausdrückliches Schriftwort für ſich hat, ſondern auch dadurch, daß er ſeinen vernunftgemäßen Zuſammenhang mit andern Lehren nachweiſe, ſo wird folgerichtig die ganze chriſtliche Lehre ab⸗