# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S179 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vierten Delegatenſynode von Miſſouri, Ohio u. a. St. 1884. 179 ſprüche der heiligen Schrift haben. Wir wollen nur das haben und uns vor Augen ſtellen, was in den einzelnen Schriftausſagen vorliegt. So bleibt unſere Theologie wirklich Schrifttheologie und ſind wir gewiß, daß wir uns kein falſches Bild von Gott und göttlichen Dingen machen. Man nennt unſere Methode mechaniſch und unwiſſenſchaftlich. Aber iſt es wohl mechaniſche Arbeit, das ausdrückliche Schriftwort, das Wort des großen und majeſtätiſchen Gottes, das er uns aus lauterer Gnade geoffenbaret hat, anzuſchauen? Das Schriftwort anſchauen heißt Gott ſelbſt anſchauen, ſoweit Gott in dieſem Leben überhaupt von Menſchen ge⸗ ſchaut werden kann; das Schriftwort anſchauen heißt das göttliche Licht, welches in dieſer Finſterniß leuchtet, anſchauen und von dieſem Lichte durch⸗ leuchtet werden. — Und unwiſſenſchaftlich ſoll unſer Verfahren ſein, wenn wir nur auf Grund des ausdrücklichen Schriftwortes von göttlichen Dingen reden wollen. — Nur gemach! Wir verfahren wiſſenſchaftlicher als jene Conſtructionstheologen. Es iſt nämlich wiſſenſchaftlicher, ſeine Unwiſſen⸗ heit zu bekennen, als ein Wiſſen zur Schau zu tragen, das man nicht hat. Wie ſteht es nämlich mit der Fähigkeit des Menſchen, geiſtliche Dinge zu erkennen und zu richten? Die heilige Schrift ſagt nicht nur vom natürlichen Menſchen, er vernehme nichts vom Geiſte Gottes, es ſei ihm eine Thorheit und könne es nicht erkennen, denn es müſſe geiſtlich gerichtet ſein, ſondern ſie ermahnt auch den Wiedergebornen, daß er ſeine Vernunft fortwährend unter den Gehorſam Chriſti gefangen nehmen ſoll. Und doch thut man beim Auf⸗ und Ausbau der chriſtlichen Lehre vermittelſt der Vernunft, als ob letztere alles, was des Geiſtes iſt, bis auf den Grund durchſchaut und mit vollkommener Klarheit erkannt hätte. So zu handeln, heißt doch wahrlich nicht wiſſenſchaftlich gehandelt! Solches Verfahren iſt auch vom Standpunkt der Wiſſenſchaft aus ein durchaus verwerfliches. Es iſt, kurz geſagt, Narretei treiben. Wenn bei dieſem ſogenannten wiſſenſchaftlichen Verfahren noch Stücke der göttlichen Wahrheit ans Licht treten, ſo kommt das daher, daß man das Schriftwort noch nicht gänzlich vergeſſen hat, und das Schriftwort ſich gegen die Methode geltend macht. Findet man wirk⸗ lich etwas ohne die Schrift, ſo findet man nur Irrthum; das iſt ſo gewiß, ſo gewiß der Menſch aus ſich ſelbſt nichts von geiſtlichen Dingen verſteht. Wie jener neuere Schriftſteller von dem „deutſchen Profeſſor“, der alles in „ein verſtändlich Syſtem“ bringt, ſagt, daß derſelbe die vermeintlichen Lücken des Weltenbaus „mit ſeinen Nachtmützen und Schlafrockfetzen aus⸗ ſtopfe“, ſo ſtopfen die „wiſſenſchaftlichen Theologen“ die vermeintlichen Lücken zwiſchen den Ausſagen der Schrift nicht mit göttlicher Wahrheit, ſondern mit höchſt eigenen Gedanken und Einfällen aus. — „Quid sacer codex nisi speculum, in quo sese Numen depinxit?“ (Die heilige Schrift iſt nur ein Spiegel, in welchem Gott uns ſein Bild gezeichnet hat.) So ſagt richtig Dannhauer Herm. s. p. 2. Hüten wir uns an dieſem Bilde nachbeſſern zu wollen! Es ſcheinen uns da einige Linien verkehrt zu lau⸗