# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S178 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 178 Lehrverhandlungen der 19ten Allgemeinen oder ſpruch unter den Artikeln des Glaubens iſt nicht der Vernunft zu über⸗ laſſen, ſonſt würde ſie zur Herrin über die Schrift werden, ſie, die doch nicht im Stande iſt, den Willen oder die Macht Gottes zu erkennen. Sie erkennt nicht den Willen Gottes, weil Gott niemand je geſehen, außer der ein⸗ geborne Sohn, der in des Vaters Schoß iſt, der hat es uns verkündigt, Joh. 1, 18. Sie erkennt nicht die Macht Gottes; denn Gott kann über⸗ ſchwänglich thun über alles, das wir verſtehen, Eph. 3, 20. Daher gilt es, alle Vernunft unter den Gehorſam Chriſti gefangen zu nehmen, 2 Cor. 10, 5., und ſich vorzuſehen, daß uns niemand beraube durch die Philoſophie, Col. 2, 8.“ (Loc. cit. § 165.) Es iſt ein Grundirrthum der neueren Theologie, daß ſie ſagt, die Theologie ſei eine „Wiſſenſchaft“ im Sinne und Begriffe von anderen Wiſſenſchaften. Luthardt: „Die Theologie iſt die kirchliche Wiſſen⸗ ſchaft vom Chriſtenthum. . . In jener Definition (der alten luthe⸗ riſchen Theologen) iſt ſowohl die unmittelbare Beziehung der Theologie zur Seligkeit, als auch ihre Faſſung als eine perſönliche Eigenſchaft zwar im beſten Sinne des religiöſen Ernſtes gemeint, aber wiſſenſchaftlich nicht richtig.“ („Lehre und Wehre“ 1875, S. 162.) Kahnis: „Die kirchliche Wiſſenſchaft (iſt) nicht ein Mittel zur Verwirklichung der praktiſchen Zwecke der Kirche, ſondern ein ſelbſtſtän⸗ diger Zweck der Kirche.“ (Ebendaſ.) Der conſequenteſte von dieſen Theologen war der verſtorbene Erlanger Profeſſor v. Hofmann. Dieſer ſprach es am deutlichſten aus, daß, wenn man Theologie treiben wolle, man nicht die Bibel vornehmen und daraus die Theologie ſchöpfen müſſe, ſondern da müſſe man in ſein Inneres ſchauen und fragen: Biſt du ein Chriſt? — Aus der Thatſache: ich bin ein Chriſt, könne man dann die ganze Theologie conſtruiren. So lauten ſeine Worte: „Freie Wiſſenſchaft iſt die Theologie nur dann, wenn eben das, was den Chriſten zum Chri⸗ ſten macht, ſein in ihm ſelbſtſtändiges Verhältniß zu Gott, in wiſſen⸗ ſchaftlicher Selbſterkenntniß und Selbſtausſage den Theo⸗ logen zum Theologen macht, wenn ich der Chriſt mir dem Theologen eigenſter Stoff meiner Wiſſenſchaft bin.“ (Cit. in „L. u. W.“ 1875, S. 163.) — Dieſe neue Theologie hat alſo ganz ausgeſprochener Maßen ein durchaus anderes theologiſches Princip als die rechtgläubig lutheriſche Kirche. Während dieſe allein die heilige Schrift als oberſtes und alleiniges Princip der Theologie aufſtellt, ſagt Hofmann a. a. O. wörtlich: „Nicht Begriffe, welche außer ihr“ (der Thatſache: ich bin ein Chriſt) „wie immer entſprungen ſind, dürfen auf ihre Selbſtentfaltung beſtimmend einwirken.“ Wir dagegen bekennen frei: Wir wollen die einzelnen Lehrartikel nicht aus einem Princip „entwickeln“ im Sinne der neueren Theologie. Unſer ein⸗ ziges Princip iſt die heilige Schrift. Und auch hier wollen wir nicht bloß von einem Puncte ausgehen, um das Uebrige von da aus durch die Vernunft zu entwickeln, ſondern wir haben ſo viel Principien, als wir klare Aus⸗