# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S176 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 176 Lehrverhandlungen der 19ten Allgemeinen oder ment (auch einerlei Geſtalt) iſſet, der friſſet den Biſchof zu Meißen mit ſeinem Mandat und Zettel; daraus folget, daß ein Meißniſcher Prieſter ſeinen Biſchof in einer jeglichen Meſſe zweimal friſſet und ſäuft; daraus folget, daß der Biſchof zu Meißen muß einen größeren Leib haben, denn Himmel und Erden; und wer will alle Folge immermehr erzählen? Aber zuletzt folget auch daraus, daß alle ſolche Folger Eſel, Narren, blind, toll, unſinnig, raſend, thöricht und tobend ſind: dieſe Folge iſt ge⸗ wiß. . . Lieber Gott, wie iſts ſo große Mühe und Arbeit, daß ein Chriſt bleibe, wenn er gleich helle, dürre, gewiſſe Worte Gottes vor ſich hat! was ſolls denn werden, wo man die Worte fahren läſſet, und gibt ſich auf der Vernunft Folgern und Klügeln?“ (Erl. Ausg. B. 30, S. 418 ff.) Wenn man gegneriſcherſeits durch Folgerungen die Ausſprüche der Schrift von dem allgemeinen Gnadenwillen mit den Ausſprüchen der Schrift von der ewigen Erwählung in Widerſpruch geſetzt hat, ſo ſollte man ſelbſt ſchon dieſes Verfahren als rationaliſtiſch erkennen. Geſtattet man ſich dasſelbe doch nicht bei anderen Lehrartikeln. Nehmen wir z. B. die Lehre von der heiligen Dreieinigkeit. Unvermittelt lehrt uns die Schrift glauben: Es iſt nur Ein Gott und außer ihm iſt kein anderer Gott. Es ſind drei Perſonen und jede dieſer drei Perſonen — als ſolche betrachtet — iſt der wahre einige und alleinige Gott. Es iſt daher recht geredet: JEſus, welcher am Kreuze hängt, iſt der einige und alleinige Gott und außer ihm iſt kein anderer Gott. — In dieſen beiden Lehren findet die Vernunft einen Widerſpruch, über welchen ſie nicht hin⸗ wegkommt. Sie ſagt: Iſt nur Ein Gott, ſo iſt auch nur Eine Perſon, welche dieſer Eine Gott iſt. Wer anders ſagt, ſagt Unſinn. Oder: Sind drei Perſonen, deren jede der wahrhaftige Gott iſt, ſo ſind drei Götter. Wer anders ſagt, iſt toll und thöricht. Denn Drei ſind nicht Eines und Eins iſt nicht Drei. — Woher kommt es, ſo fragen wir, daß man ſich nicht ſtößt an dem ſcheinbaren Widerſpruch, der in dieſen Lehren für die Ver⸗ nunft doch in eben dem Maße vorhanden iſt, wie der ſcheinbare Wider⸗ ſpruch, welchen die Vernunft in den Lehren von der Gnadenwahl und dem allgemeinen Gnadenwillen Gottes findet. Das kommt nicht daher, weil der ſcheinbare Widerſpruch in dem Geheimniß von der heiligen Dreieinig⸗ keit ganz anderer Art wäre, wie der in den zuletzt angeführten Lehren, und der Vernunft doch einigermaßen Befriedigung gewährte, ſondern das kommt daher, daß wir, in Bekanntſchaft mit der Lehre von der heiligen Dreieinig⸗ keit groß geworden, dieſelbe vielfach keinem ſo ſcharfen Nachdenken unterwer⸗ fen, zumal da wir über dieſelbe nicht angefochten, nicht beunruhigt werden. Anders ſteht es in Bezug auf die Lehre von der Gnadenwahl. Weil ſie keine Fundamentallehre von der Art iſt, wie die Lehre von der heiligen Dreieinigkeit, ſondern vornehmlich eine Lehre des Troſtes, inſonderheit für angefochtene Chriſten, ſo wird ſie in Predigten, Chriſtenlehren u. ſ. w. nicht in gleichem Maße getrieben, wie die Lehre von der heiligen Dreieinigkeit;