# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S173 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vierten Delegatenſynode von Miſſouri, Ohio u. a. St. 1884. 173 nalismus aufgedeckt. Er weiſt nach, daß diejenigen, welche von zwei Leh⸗ ren, die beide in der Schrift geoffenbart ſind, ſagen, dieſelben ſeien wider einander und müßten mit einander vertragen werden — im Grunde nur wollen, daß die Schriftlehren mit ihrer Vernunft ſtimmen. Die Schrift werde dabei nur zum Vorwand genommen. Wie unſere jüngſten Gegner verfahren, genau ſo machten es ſchon zu Luthers Zeiten die Zwing⸗ lianer. Sie verwarfen die weſentliche Gegenwart des Leibes und Blutes Chriſti unter dem Vorgeben, dieſe Lehre ſtreite mit anderen Artikeln des chriſtlichen Glaubens. Wir haben ſchon gehört, wie trefflich ihnen Luther auf ſolches Vorgeben geantwortet hat. Es ſei in Bezug hierauf noch folgen⸗ der Ausſpruch angeführt: „Da liegt nun der hochberühmte Grund, davon ſie vor andern am meiſten geifern, und am ſteifeſten darauf ſtehen und pochen, da ſie ſagen, daß die zwo Schrift wider einander ſind, Chriſtus ſitzt im Himmel und ſein Leib iſt im Abendmahl.“ Und von Oecolampad ſagt Luther inſonderheit: „Das hat den guten Mann Oecolampad betrogen, daß Schrift, ſo wider einander ſind, freilich müſſen vertragen werden, und ein Theil einen Verſtand nehmen, der ſich mit dem andern leidet, weil das gewiß iſt, daß die Schrift nicht mag mit ihr ſelbſt uneins ſein.“ Luther antwortet hierauf: „Das beweiſen ſie wohl, daß ſolche zwo Schrift und ihre Vernunft wider einander ſind. Das wäre aber ohne Noth geweſen, zu beweiſen, ich wollt's ihnen auch ebenſowohl geſagt haben. Denn daß du ſageſt, Schrift ſei wider einander, gilt nichts; wer fragt nach deinem Sagen? Aber da wollt ich ſie loben und ehren, wenn ſie ſolches Sagen mit Schrift oder ſonſt beweiſeten. . . Sollten wir aber der Vernunft und Augen nach unſeres Glaubens Artikel und die Schrift urtheilen, wie hier Oecolampad that, ſo iſt freilich ein jeglich Stück in der Schrift wider das andere.“ Nachdem Luther dies an den Artikeln, daß Maria Jungfrau und Mutter, Chriſtus Gott und Menſch ſei, nachgewieſen und hierbei ſchon ſagt: „Ja, vor dir und deiner Vernunft iſt ſie (die Schrift) wider einander, aber wie iſt ſie vor Gott wider einander? das ſage mir“, fährt er fort: „So lautet ſein“ (Oecolampads) „Grund: Ich, Oecolampad, ſage, daß die Schrift in dieſem Stück wider einander iſt. Iſt nun das nicht ein zarter, feiner Grund des Glaubens? wenn ein Menſch alſo ſpricht: Wiewohl Gottes Wort da ſtehet und ſagt: Das iſt mein Leib; doch weil ich's nicht begreifen noch glauben kann und mich wider die Schrift (zu) ſein dünkt, ſo iſt's nicht wahr, und muß eine an⸗ dere Deutung haben, unangeſehen, wie helle Gottes Wort da ſteht. Das iſt Oecolampads Geiſt und hochberühmte Wahrheit, daß Menſchendünkel und Unglaube ſolle über Gottes Wort gelten und unſern Glauben gründen.“ (Erl. Ausg. Bd. 30, S. 49 ff.) Auch Gerhard weiſt in dem in Rede ſtehenden Verfahren den Ratio⸗ nalismus nach. Er ſchreibt: „Doch du ſagſt: Die Vernunft, welche die Ge⸗ genwart des Leibes Chriſti im Abendmahl beſtreitet, ſtützt ſich nicht einfach