# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S171 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vierten Delegatenſynode von Miſſouri, Ohio u. a. St. 1884. 171 2 Moſ. 3, 6.: „Ich bin der Gott Abrahams, Iſaaks und Jakobs“ die Auf⸗ erſtehung der Todten gelehrt ſei und zwar ſo klar und offenbar, daß er die Sadducäer, die in der genannten Stelle von der Auferſtehung der Todten kein Zeugniß fanden, als ſolche ſtraft, die die Schrift nicht wüßten. Aber auch dieſe Folgerung geht nicht über das Schriftwort hinaus. Hier wird nur auseinandergeſetzt, was in dem Schriftwort wirklich geoffenbart vor⸗ liegt. Nennt ſich Gott noch der geſtorbenen Erzväter Gott, ſo iſt damit geſagt, daß er ſie auch auferwecken werde. Denn was heißt das, Gott iſt jemandes Gott, anders, als daß Gott einen Menſchen nach Leib und Seele hier zeitlich und dort ewiglich mit ſeinen göttlichen Wohlthaten überſchüttet, daß er einem ſolchen Menſchen nicht nur die Sünde vergibt, ſondern den⸗ ſelben auch von allen Folgen der Sünde, namentlich auch vom Tode befreit? Darum kann derſelbe nicht im Tode bleiben, ſondern muß durch die Aufer⸗ ſtehung errettet werden vom letzten Feind. Der Ausſpruch Gottes, er ſei jemandes Gott, verträgt ſich nicht damit, daß der Leib eines ſolchen, deß Gott er iſt, auf die Dauer im Tode bleibe, denn Gott iſt nicht ein Gott der Todten, ſondern der Lebendigen. Wir wiederholen es noch einmal: auch dieſe Folgerung geht nicht über das Schriftwort hinaus. Man halte alſo feſt: nur ſolche Folgerungen ſind rechte und berechtigte, welche das, was in dem Schriftwort bereits liegt, herausnehmen und klar vor Augen ſtellen. Was den Grundſatz betrifft: „Eine richtige Folgerung aus der Schrift iſt für Schrift ſelbſt anzuſehen“, ſo iſt, um allem Mißbrauch zu wehren, hinzuzufügen: Dies gilt nicht von bloßen Vernunftfolgerungen, durch welche etwas herausgebracht werden ſoll, was nicht in dem Wort wirklich geoffenbart vorliegt. Deshalb erhebt auch ſchon Joh. Gerhard in Bezug auf dieſen Grundſatz ſeine warnende Stimme (de interpret. sc. s. § 179.). Joh. Gerhard führt den Ausſpruch Gregors von Nazianz an: „Was aus der Schrift gefolgert wird, iſt ſo anzuſehen, als ob es in der Schrift geſchrieben ſtehe“, erinnert aber dabei: „Jedoch bedarf es hier großer Vor⸗ ſicht; unverſehens ſchleicht ſich hier oft die menſchliche Vernunft ein und dreht dann die Schrift nach eigenem Urtheil auf ihre Fündlein.“ Wir laſ⸗ ſen „Folgerungen“ zu, aber nur richtige. Und richtige Folgerungen ſind nur die, durch welche das auseinandergeſetzt wird, was in dem Schrift⸗ wort wirklich liegt, welche alſo nicht über das Schriftwort hinausgehen, ſondern innerhalb desſelben bleiben. Man hüte ſich vor jeglicher dem Schriftwort nur angeflickten Folge, wie Luther redet. Nehmen wir einige Beiſpiele aus der Neuzeit. In den Worten: Gott will, daß allen Menſchen geholfen werde, iſt die Lehre ausgeſprochen: daß Gottes Gnaden⸗ wille ein allgemeiner ſei, ein Wille, der ſich auf alle Menſchen ohne Aus⸗ nahme erſtrecke. Eine angeflickte Folge der Theologie unſerer Zeit aber iſt, daß demnach die Menſchen, welche wirklich ſelig werden, zu ihrer Seligkeit mitwirken. Man ſchließt nämlich ſo: Steht Gottes Wille gegen Alle gleich