# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S170 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 170 Lehrverhandlungen der 19ten Allgemeinen oder gerung eine rechte, ja, von Gott gebotene? Darum, weil das, was die ganze Gattung betrifft, auch die einzelnen Arten dieſer Gattung betreffen muß. Sage ich z. B. etwas aus von den Vögeln (als Gattungsbegriff), ſo muß das, was ich ausgeſagt habe, von jedem Vogel gelten. Paßt das, was ich vom Vogel als Gattungsbegriff ausgeſagt habe, z. B. nicht auch auf die Nachtigall, ſo iſt meine Ausſage eine falſche und verkehrte geweſen. Ebenſo würde es mit Chriſti Wort bewandt ſein: Taufet alle Völker, wenn es ſein Wille wäre, daß die Kinder ungetauft bleiben ſollten. Zu einem Volke gehören nicht bloß die Erwachſenen, ſondern auch die Kinder. Hätte Chriſtus in Bezug auf die Kinder eine Ausnahme gemacht haben wollen, ſo hätte er uns das mit ausdrücklichen Worten ſagen müſſen. So aber iſt in dem „alle Völker“ mit ausgedrückt, daß auch die Kinder zu taufen ſeien. — Ganz anders ſteht es mit folgenden Ausſprüchen der Schrift: „Gott will, daß allen Menſchen geholfen werde“, und: „Es wurden gläu⸗ big, wie viel ihrer zum ewigen Leben verordnet waren.“ In dieſen beiden Ausſprüchen findet ſich nicht ein und dieſelbe Lehre, ſondern jeder dieſer beiden Ausſprüche enthält eine beſondere, von der anderen durchaus verſchiedene Lehre. Es bezeichnet alſo die erſte dieſer beiden Lehren keineswegs eine Gat⸗ tung, von welcher die zweite dieſer Lehren eine ihr angehörende Art wäre. Jede dieſer beiden Lehren ſteht — daß wir ſo ſagen — als eine beſondere Gat⸗ tung für ſich da. Hier durch Schlußfolgerungen vermitteln, ja, unter⸗ oder überordnen zu wollen, heißt an Gott ſelbſt freveln. Gott iſt ſo groß und majeſtätiſch, daß wir in ſeinen Sachen gar nicht im Stande ſind, zu ſagen: Dies oder das in ſeiner heiligen Offenbarung ſteht im Widerſpruch mit ein⸗ ander, oder dieſes oder jenes Wort darf nicht ſo genommen werden, wie es da ſteht, nämlich in ſeinem eigentlichen Sinn. Wir kennen Gottes Sachen überhaupt nur ſoweit, als Gott ſie uns geoffenbart hat. Es iſt daher ein entſetzlicher Frevel, den man an Gottes Wort begeht, wenn man, ohne den Beweis dafür aus Gottes Wort ſelbſt zu bringen, ſagt: „Die und die Lehre kann nicht ſo genommen werden, wie ſie dem Wortlaut nach daſteht.“ Wir behandeln nicht einmal einen Menſchen ſo, an deſſen Aufrichtigkeit wir nicht zweifeln. Redet derſelbe morgen auf eine andere Weiſe, wie er heute geredet hat, ſo haben wir das Vertrauen zu ihm, daß er nach verſchiedenen Umſtänden geredet haben wird, und machen ihn nicht ſofort durch eine „nothwendige Schlußfolgerung“ zu einem Lügner. So z. B. ſage ich heute: Der Menſch iſt ſterblich, und morgen ſage ich: Der Menſch iſt unſterblich. Meine beiden Ausſagen ſcheinen ſich zu widerſprechen, und ich habe doch beide Male die Wahrheit geſagt. Denn das erſte Mal habe ich von dem Menſchen in Bezug auf ſeinen Leib geredet und das zweite Mal in Bezug auf ſeine Seele. — Wir wiſſen wohl, daß Gott iſt; aber wer er iſt und wie er beſchaffen iſt, wiſſen wir nur ſoweit, wie er ſich uns geoffenbart hat. — Noch wurde auf ein Beiſpiel einer Schlußfolgerung hingewieſen, das auch gewöhnlich von den Alten angeführt wird. Chriſtus ſelbſt ſagt Matth. 22., daß in den Worten