# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S169 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vierten Delegatenſynode von Miſſouri, Ohio u. a. St. 1884. 169 will ihren rechten Grund, der ſie zu ſolchem Irrthum bewegt, beſſer rühren und melden, und will darauf wetten um mein Leib und Seele — die ich auch nicht gerne verlöre —, daß ich nicht fehlen will; denn ich armer Sünder kenne auch ein wenig vom Geiſt, und ein groß Stück vom alten Schalk, der in uns tobet, ich meine vom Fleiſch. Das einige Stück bewegt ſie am allerhöch⸗ ſten, daß es vor der Vernunft aus der Maßen närriſch iſt, zu glauben, daß wir Chriſtus' Leib und Blut ſollen im Abendmahl leiblich eſſen und trinken. Und weiß fürwahr, wo ſie gewönnen, ſollte das die endliche Frohlockung ſein: Ja, ich dacht's ja wohl, es müßte nicht recht ſein; es hat mir nie wollt eingehen, daß man Chriſtus' Leib und Blut ſo ſollte handeln. Wie ſie denn jetzt unter einander heimlich reden und der tolle Pöbel offenbar⸗ lich plaudert. Aber ſie wollten ſolches gerne bergen, denn ſie ſchämen ſich's zu bekennen, wiſſen wohl, daß es nichts taug'; ſehen aber gerne, daß der tolle Pöbel damit herausfähret, reden und ſchreiben auch nicht dawider. Es iſt aber ſchändlich, daß nicht ſo viel Redlichkeit und Ehrbarkeit in ihnen iſt, ſolches frei heraus zu bekennen, das ſie doch wünſchen im Herzen, gerne haben, ſehen und hören; ſondern wenden vor, die Schrift zwinge ſie, welches ſie wiſſen, daß nicht wahr iſt, ſondern greifen die Schrift mit Liſt und Frevel an, ſich damit zu ſchmücken vor den Leuten, und unter der Schrift Namen ihr Gift unter die Leute zu bringen. Doch wiewohl ſie ſolches bergen mit hohem Fleiß, noch guckt der Schalk hervor und läßt ſich weidlich merken. Der Zwingel bekennet ſoviel, daß er's ſein Lebelang nie geglaubt habe: und ich glaub's wohl, daß er nichts überall glaube. . . . Nun aus ſolchem Bekenntniß iſt gut zu merken, daß er ſolchen Dünkel nicht aus der Schrift habe, welche er längſt hernach hat funden, wie ſein Buch Subsidium ſonderlich, und andere mehr beweiſen; ſondern lange zuvor, ehe denn er ſolche Schrift fand, hat er ſo geglaubt, und läuft nun allererſt, ſucht Schrift und zwinget ſie auf ſolchen Dünkel. Dr. Karlſtadt auch, ehe denn er ſchrieb, lange zuvor, ſagte er zu Einem: Lieber, du wirſt mich nicht bereden, daß Gott im Brod und Wein ſei. So fahren ſie heraus unver⸗ ſehens, durch Gottes Gewalt.“ (Erl. Ausg., Bd. 30, S. 52 ff.) Eine Frage, die beſondere Beachtung erheiſcht, iſt nun aber die: Wie kann man zwiſchen Schriftwort und bloßer Vernunftfolgerung, zwiſchen Text und menſchlicher Gloſſe unterſcheiden? Wo hört das Schrift⸗ wort auf und fängt die Vernunftfolgerung an? Da iſt feſtzuhalten: Wir nennen — mit den Alten — das oft „Folgerung“, was in dem Schrift⸗ wort ſelbſt noch ausgeſprochen oder offenbart vorliegt. Dieſe „Folgerung“ iſt natürlich nicht zu verwerfen und mit dem Namen „Vernunftfolgerung“ zu belegen. Dieſe „Folgerung“ läßt das Schriftwort ſtehen, wie es da ſteht, und legt das nur auseinander, was das Schriftwort — gleichſam ein⸗ gewickelt — in ſich birgt. Nehmen wir z. B. das Schriftwort: „Taufet ſie“, d. i. alle Völker. Daraus, daß alle Völker getauft werden ſollen, folgern wir, daß auch die Kinder zu taufen ſind. Warum iſt dieſe Fol⸗