# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S168 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 168 Lehrverhandlungen der 19ten Allgemeinen oder ſpricht, daß alles ſchon wider Gott iſt, was ohne Gottes Wort iſt. Er⸗ kenntniß in geiſtlichen Dingen wird uns hienieden allein durch das Wort vermittelt. Wir wandeln hienieden im Glauben und nicht im Schauen. Hier wickelt ſich Gott uns in's Wort. Daher muß jeder Glaubensartikel ein ausdrückliches Schriftwort haben, das ihn offenbart. Das ſchärft Luther gewaltig ein. Luther ſchreibt (in ſeiner Warnungsſchrift an die zu Frankfurt am Main) in Bezug auf die Aeußerung der Schwär⸗ mer, es ſei genug, daß man glaube, der Leib ſei im Abendmahle, den Chri⸗ ſtus gemeint habe: „Ich will die Worte haben, und den Glauben auf ſie (wie ſie lauten) ſetzen, daß ich nicht will glauben den Leib, den Chri⸗ ſtus meinet außer und ohne ſein Wort; ſondern den Leib, den ſeine Worte meinen, wie ſie da ſtehen und lauten. Denn das iſt ſeine rechte Meinung, und er hat ſeine Meinung in den Worten und durch die Worte uns geſagt und angezeigt. Außer ſeinem Wort und ohne ſein Wort wiſſen wir von keinem Chriſto, vielweniger von Chriſtus' Mei⸗ nung. Denn der Chriſtus, der uns ohne Chriſtus Wort ſeine Meinung vorgibt, das iſt der leidige Teufel aus der Hölle, der Chriſtus' heiligen Na⸗ men führet und darunter ſein hölliſches Gift verkauft.“ (Erl. Ausg. Bd. 26, S. 303.) Luther führt ferner aus, daß all unſer Erkennen und Reden in Bezug auf göttliche Dinge an das Schriftwort gebunden ſei. Luther will nicht, daß man bloß von einem Schriftwort ausgehe, um dann auch ohne ausdrückliches Schriftwort durch eigene Gedanken und Spe⸗ culationen ſich ſelbſt weiter vorwärts zu bewegen, wie die neuere Theologie thut —, ſondern er will, daß unſere Gedanken in göttlichen Dingen nicht um eine Linie weiter vorrücken, als Gottes Wort geht. Urſache: Der Menſch hat aus ſich ſelbſt ohne Gottes Wort abſolut keine Erkenntniß von geiſtlichen Dingen. Luther ſchreibt: „Darum wer da will ſicher fahren, der hüte ſich nur vor allem, was Vernunft und menſchliche Gedanken in die⸗ ſem Artikel“ (von Chriſto und der Rechtfertigung) „meiſtern, und wiſſe, daß kein Rath iſt, wider des Teufels Verführung zu beſtehen, denn daß man am bloßen hellen Wort der Schrift hafte und nicht weiter denke noch ſpeculire, ſondern ſchlechts die Augen zugethan und geſagt: Was Chriſtus ſagt, das ſoll und muß wahr ſein, ob ich's und kein Menſch verſtehen und begreifen noch wiſſen kann, wie es wahr ſein mag. Er weiß wohl, was er iſt, und was oder wie er von ihm reden ſoll. Wer das nicht thut, der muß anlaufen und irren und ſich ſtürzen; denn es iſt doch nicht möglich, auch den geringſten Artikel des Glaubens durch menſchliche Ver⸗ nunft oder Sinn zu begreifen, alſo daß auch kein Menſch darauf ohne Got⸗ tes Wort jemals einen rechten Gedanken und gewiß Erkenntniß von Gott habe mögen treffen.“ (Bei Joh. Corvinus, loci comm. etc. S. 40.) Ueber diejenigen, welche vorgeben, die Schrift ſelbſt zwinge ſie, vom Schriftwort abzugehen, dabei aber nur ihre eigenen Gedanken, die ſie ſich ohne Schrift vorhin gemacht haben, retten wollen, ſchreibt Luther: „Ich