# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S167 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vierten Delegatenſynode von Miſſouri, Ohio u. a. St. 1884. 167 Begriffen von einem gehörigen Zuſammenhang. Nach dieſen Begriffen wird das Schriftwort „ergänzt“, beſchnitten und zugeſchnitten. Die menſchliche Vernunft richtet thatſächlich Gottes Wort. Die Vernunft leuch⸗ tet dem Glauben, wo er hin ſolle, wie Luther ſagt. Darum ſteht und fällt das Schriftprincip der Kirche der Reformation mit unſerer Theſis: Eine Lehre iſt allein aus den Stellen zu entnehmen und zu beurtheilen, welche gerade von dieſer Lehre handeln, oder was dasſelbe iſt, eine Lehre muß das ausdrückliche Schriftwort für ſich haben. Wer nicht nach dieſem Grundſatz handelt, mag noch ſo viel Schriftſtellen im Munde führen und noch ſo laut „Schrift“, „Schrift“ ſchreien: es iſt lauter Schein! Er bringt nicht Schrift, ſondern unter dem Deckmantel der Schrift ſeine eigenen Gedanken. Was für Schrift ausgegeben wird, ſind menſchliche Gedanken, Folgerungen, „angeflickte Folgen“, wie Luther ſagt, u. ſ. w. Es wurde noch weiter bemerkt: Der HErr Chriſtus ſpricht: Die Schrift kann nicht gebrochen wer⸗ den. Als jener Menſch zu Chriſto mit der Frage kam: Was muß ich thun, daß ich das ewige Leben ererbe? ſprach er zu ihm: „Wie ſtehet im Geſetz geſchrieben? wie lieſeſt du?“ Chriſtus kennt für unſer Heil nichts Höheres, als das Geſetz, das iſt, die Schrift. Jeſaias ſpricht: „Ja, nach dem Geſetz und Zeugniß! werden ſie das nicht ſagen, ſo werden ſie die Morgenröthe“, das iſt, das Licht der Wahrheit und die Seligkeit, „nicht haben“, ſondern im Finſtern ſitzen bleiben. Daher denn auch Joh. Ger⸗ hard bezeugt, daß das alleinige Princip (Quelle) unſeres Glaubens Gottes Wort ſei, und er erklärt alles das, was nicht auf das Schriftwort gegrün⸗ det werden kann, für untheologiſch, d. i. für etwas, das nicht zur Theo⸗ logie gehört.*) Aug. Pfeifer ſagt, daß Theologie im Grunde nichts an⸗ ders iſt, als die Schrift ſelbſt. So iſt z. B. die Dogmatik nur eine gewiſſe Methode, die Lehren der Schrift, und zwar nur dieſe, vorzutragen. — Man will mit Hülfe von Vernunftſchlüſſen Lehrartikel bilden. O Thorheit! Wenn jemand ein Land beſchreiben wollte mit ſeinen Einwohnern und Einrichtungen, das er nie geſehen, von dem er nie etwas Gewiſſes gehört hat, ſo würde ein ſolcher bei weitem nicht ſo thöricht handeln, wie der Menſch handelt, welcher ſich's herausnimmt, durch Schlüſſe ſeiner Vernunft die geiſtlichen, göttlichen Dinge herauszubringen. Dieſe Dinge nennt St. Paulus 1 Cor. 2, 7. die heimliche und verborgene Weisheit Gottes, und dieſe Dinge bezeichnet er als ſolche, die kein Auge geſehen hat, kein Ohr gehört, und die in keines Menſchen Herz gekommen ſind. Wie will denn der Menſch unter Abſehung vom Schriftwort hier auch nur Einen ſicheren Schritt thun? Luther nennt ein ſolches Handeln Peſt, Tod und Hölle, und *) Seine Worte lauten: „Das einzige Princip der Theologie iſt Gottes Wort; was alſo in Gottes Wort nicht offenbart iſt, das iſt nicht zur Theologie gehörig.“ (Loc. de creatione § 3.)