# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1857_S32 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 32 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. bindende Lehrvorschrift ansehen, daß vielmehr die Geistlichen der unirten Kirche verpflichtet seien, sich aller confessionellen Polemik in ihren Lehrvorträgen gewissenhaft zu entschlagen.“ Dieser allerhöchste Erlaß hat gewiß anfangs den meisten Unterzeichnern jener Eingabe sehr zu schaffen gemacht, einige gingen auch mit Niederlegungsgedanken um, nun aber haben sich alle beruhigt. Die Gemeindeglieder sind, soweit sie sonst in religiöser Beziehung aus⸗ einandergehen, darin fast ohne Ausnahme einig, daß sie e i n e Kirche wollen, daß die Union nicht angetastet werde, daß nicht wieder gespalten werde in „reformirt“ und „lutherisch“. Das ist der allein übriggebliebene Glaubensartikel bei vielen; und was wahrhaft gläubige Christen sind, diese sind fast ohne Ausnahme pietistisch oder herrnhutisch gefärbt, oder doch von dieser Seite her zum Glauben gekommen. Außer einem zu Zweibrücken wohnenden Gliede der separirten lutherischen Kirche (welches in Berlin zu dieser übertrat und sich nach Saarbrück im Preußischen zur Kirche hält) ist von wirklich confessionellem Sinn in der That nur in einem Dorfe in der Nähe von Landau eine sehr schwache Spur zu finden: die letzten kleinen Ueberreste einer heftigen Op⸗ position gegen die Unionsschließung im Jahre 1818. Ein junger Mann aus diesem Dorfe, anfänglich im Basler Missionshause, dann später wegen Kränklichkeit aus diesem entlassen, ging nach Amerika und ist dort ein entschieden lutherischer Prediger geworden. Die wenigen einigermaßen confessionell gesinnten Seelen sind ihm nach Amerika nachgewandert, oder werden es thun, oder sie sind dem Tode nahe. Und auch hier (oder wo ja einige wenige spärliche noch schwächere Reminiscenzen vorhanden sind) hat die Sache vielmehr einen pie⸗ tistischen als einen lutherischen Charakter (wie z. B. auch jener oben genannte Zweibrücker es fand.) Aber daß es viele lutherisch gesinnte Gemeindeglieder gäbe, davon weiß ich nichts.“ — — Die vorjährige General⸗Synode der Preußischen lutherischen Kirche wurde am 18. September v. J. in Breslau eröffnet. Pastor E. Wolf aus Mag⸗ deburg hielt die Synodalpredigt über Offb. 2, 1—7 und führte das Thema aus: „Nur wenn wir zur ersten Liebe zurückkehren, wird die Synode dazu helfen, daß Gottes drohende Gerichte an uns vorüber gehen,“ und zeigte, „1. daß wir uns zu überzeugen haben, wie wir die erste Liebe verlassen haben; 2. welche Mittel wir ergreifen müssen, um zu dieser ersten Liebe zurückzukehren, 3. welche die Folgen solcher Rückkehr sein werden.“ Bei Eröffnung der Synode waren gegenwärtig 34 Pastoren u. 23 Deputirte; der Direktor des Oberkirchen⸗ Kollegs Dr. Huschke wurde zum Präses, die Kirchenräthe Nagel und Besius zu Vice⸗ präsidenten erwählt. Nassau. Nachdem Pastor Herrmann Ebert (jetzt Pastor zu Cöln am Rhein) 1853 als ein Ausländer aus Nassau vertrieben worden war, erweckte Gott den vormals der unirten Landeskirche dienenden Pastor Julius Hein, die luth. Wahrheit zu erkennen und dieser trat nun an des ersteren Stelle als Pastor der Lutheraner in und um Anspach. Im Pilger aus Sachsen meldet Hein mit Freuden, daß die Lutheraner in Anspach endlich in den Besitz eines eigenen Kirchleins gekommen sind und fährt dann also fort: „Gerade neben dem Kirchlein hat der Hausherr ein Zimmer zu meiner Beherbergung eingerichtet, das zu⸗ gleich zur Abhaltung der Privatbeichten, Berathungen u. dgl. dient, und ist somit jetzt in Anspach uns so viel vom Herrn geschenkt als wir nur je mit unsern kühnsten Hoffnungen, so weit sie nüchtern waren, erwarten konnten, zumal da mit dem Einzug in dies Kirchlein an diesem Orte, unserer Gemeinde noch eine edle Gabe Gottes bescheert wurde, nämlich äußer⸗ licher Friede. Alle 2 bis 3 Wochen halte ich dort Gottesdienst, war zum Confirmanden⸗ unterrichte Wochenlang ungestört in Anspach und versammelte täglich die Kinder von den verschiedenen Ortschaften um mich, unter dem Zulauf aller Welt hielten wir nach 5 Jahren wieder dort das erste Confirmationsfest am 3. p. Trin. und Niemand sieht uns an. So leben wir dort in einem Jubeljahr, während anderwärts noch Obrigkeit und Pöbel mitein⸗ ander wetteifern die Predigt des reinen Wortes Gottes und die Verwaltung der heiligen Sa⸗ kramente uns unmöglich zu machen.“