# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S163 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vierten Delegatenſynode von Miſſouri, Ohio u. a. St. 1884. 163 und der Vater ſind Eins“; wie auch 1 Cor. 8, 4. geſchrieben ſteht: „Es iſt kein Gott ohne der einige.“ Hier iſt im Schriftwort ausgedrückt, was das Athanaſianum in dieſe Worte faßt: „Aber der Vater und Sohn und Heilige Geiſt iſt ein einiger Gott, gleich in der Herrlichkeit, gleich in ewiger Majeſtät“, und was die Augsburgiſche Confeſſion alſo gibt: „Alle drei Ein göttlich Weſen, ewig, ohne Stück, ohne End.“ Wie für dieſe Lehre, läßt ſich für alle und jede Lehre unſerer lutheriſchen Kirche ein klares Schriftwort vorweiſen. Und darum iſt — nebenbei bemerkt — die luthe⸗ riſche Kirche die wahre ſichtbare Kirche Gottes auf Erden. Wo in der Schrift ſteht nun aber das ausdrückliche Schriftwort für eine Lehre? Antwort: Wir finden dasſelbe an den Stellen der heiligen Schrift, welche die betreffende Lehre offenbaren, ausdrücklich von derſelben handeln. Da und nicht anderswo haben wir für die in Betracht kom⸗ mende Lehre das Schriftwort. Daher läßt ſich der Satz: „Jeder Glau⸗ bensartikel muß ein ausdrückliches Schriftwort für ſich haben“ auch ſo aus⸗ drücken: Jeder Glaubensartikel iſt nur aus den Stellen zu entnehmen und nach den Stellen zu beurtheilen, welche gerade dieſen Glaubensartikel offenbaren. Frage ich z. B., was mir Gott betreffs ſeines Weſens zu glau⸗ ben vorgegeben hat, ſo ſchlage ich die Stellen auf, wo mir im Wort ge⸗ ſagt iſt, daß Ein Gott und drei Perſonen in dem Einen Gott ſeien. Ich nehme dann nicht etwa die Stelle vor mich: „Gott iſt die Liebe“, um aus dem Begriff der Liebe die Lehre von dem dreieinigen Gott herzuleiten. Frage ich ferner, auf welche Weiſe Gott mit der Welt verſöhnt worden ſei? ſo ſchlage ich die Stellen auf, wo in ausdrücklichen Worten geſchrieben ſteht: „Gott war in Chriſto und verſöhnete die Welt mit ihm ſelber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu.“ „Er hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht.“ Nicht aber nehme ich etwa die Stelle 5 Moſ. 25, 1. vor mich, woſelbſt Gott ſagt, daß man den Gerechten recht ſprechen und den Gottloſen verdammen ſoll, um daraus die Lehre herzuleiten: Gott habe dem unſchuldigen Chriſto nicht unſere, alſo fremde Schuld zurechnen, nicht den Unſchuldigen für die Schuldigen beſtrafen und ſo die Welt mit ſich ſelber verſöhnen können. Es iſt alſo nicht genug, zum Beweis der Schriftmäßigkeit einer Lehre Schrift überhaupt im Munde zu führen, ſondern die rechte, die betreffende Lehre enthaltende Schrift muß vorgewie⸗ ſen werden. Dies wollen wir einſchärfen, wenn wir ſagen: Eine Lehre iſt nur dann Schriftlehre, wenn ſie ſich auf das ausdrückliche Schriftwort gründet; oder was dasſelbe iſt, wenn ſie allein aus den Stellen der Schrift entnommen und beurtheilt wird, welche gerade von dieſer Lehre handeln. Und was wir hiermit abweiſen? — Es gibt in der neueren Theologie eine Richtung, welche ſich mit Nachdruck Schrifttheologie nennt, aber dabei es ausdrücklich ablehnt, die einzelnen Glaubenslehren allein den Stellen, welche gerade von dieſen Lehren handeln, zu entnehmen, und die alte Theo⸗ logie, welche das thut, eines todten, mechaniſchen Verfahrens beſchuldigt.