# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S162 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 162 Lehrverhandlungen der 19ten Allgemeinen oder Kirche, auch nicht die menſchliche Vernunft gründen Artikel des Glaubens, ſondern allein das Wort Gottes. — Aber manche, welche den Worten nach dieſes Bekenntniß mit uns gemeinſam haben, ſtehen dabei doch im Gegenſatz zu uns, führen unlutheriſche Lehren und bekämpfen lutheriſche Lehren. Dies legt uns die Frage nahe: ob im Grunde unſere beiderſeitige Stellung zur heiligen Schrift nicht doch eine völlig verſchiedene ſei? Und eine nähere Un⸗ terſuchung ergibt das Reſultat: Gegneriſcherſeits wird die Lehre nur ſchein⸗ bar aus der Schrift genommen; thatſächlich aber wird der Grundſatz der Kirche und der Reformation: allein die Schrift ſtellt Artikel des Glaubens, umgeſtoßen; thatſächlich werden nur die eigenen Gedanken unter der Hülle des Schriftwortes zur Geltung gebracht; man hat wieder den Rationalis⸗ mus in einer andern Form eingeführt. Daher entſteht die Frage: Wann iſt eine Lehre nicht bloß ſcheinbar, ſondern wirklich aus der Schrift ge⸗ ſchöpft? wann läßt man in Wirklichkeit den Grundſatz gelten: die heilige Schrift allein ſtellt Artikel des Glaubens? — Auf dieſe Frage ſollen uns die vorliegenden Theſen Antwort geben. Da lautet denn die Antwort zunächſt alſo: „Eine Lehre iſt nur dann Schriftlehre, wenn ſie ſich auf das ausdrückliche Schriftwort gründet.“ — Wir verlangen für einen jeden Glaubensartikel ein ausdrückliches Schriftwort. Wofür das ausdrückliche Schriftwort fehlt, das laſſen wir uns nicht als Glaubensartikel aufdrängen. Kommt jemand mit einer Lehre, die wir glauben und annehmen ſollen, ſo fragen wir: wo ſtehet das ge⸗ ſchrieben? Wir verlangen von ihm, daß er uns das Schriftwort zeige, in welchem dieſe Lehre offenbart iſt. — Hiermit ſagen wir nicht, daß eine Lehre gerade dem kirchlichen und theologiſchen Ausdruck nach in der Schrift vor⸗ liegen müſſe, um als Schriftlehre zu gelten, oder daß gerade die Worte, mit welchen wir von einer Lehre reden, den Buchſtaben nach in der Schrift gefunden werden müßten. Aber das ſagen wir: Alles, was mit einer Lehre ausgeſagt wird, der ganze Inhalt derſelben nach allen ſeinen Thei⸗ len, muß in den Worten der Schrift geoffenbart vorliegen. Z. B. das Wort „Dreieinigkeit“ kommt nicht in der Schrift vor; aber das, was mit dieſem Worte ausgeſagt wird, liegt in ausdrücklichen Worten der Schrift vor. Da ſteht das Schriftwort: „Taufet ſie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geiſtes.“ Hier nennt die Schrift drei unter⸗ ſchiedene Perſonen der Gottheit. Das Schriftwort drückt ſomit klar und deutlich aus, was wir mit den Worten des Athanaſianiſchen Symbolums bekennen: „Eine andere Perſon iſt der Vater, eine andere der Sohn, eine andere der Heilige Geiſt.“ Ja, das Schriftwort hat auch ausdrücklich das „andere“. Der Sohn redet Joh. 5, 32. vom Vater alſo: „Ein Anderer iſts, der von mir zeuget“, und vom Heiligen Geiſt Joh. 14, 16.: „Ich will den Vater bitten, daß er euch einen andern Tröſter gebe.“ Aber wie hier der Sohn ſich mit klarem Wort vom Vater und vom Heiligen Geiſt unterſcheidet, ſo ſagt er mit einem ebenſo klaren Wort, Joh. 10, 30.: „Ich