# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1857_S30 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 30 Kirchlich-Zeitgeschichtliches. zeichnete, habe ein Jude, der, ohne daß der Geistliche es hindern können (?), Gevatter gestanden, sich über die Taufhandlung mißbilligend geäußert: wenn es die Prediger alle so machten, so könne ja kein Jude mehr Gevatter stehen.“ „D. Gottfr. Olearius Anweisung zur Krankenpflege. Mit einigen einleitenden Sätzen und 2 Anhängen versehen. Für junge Geistliche u. s. w., her⸗ ausgegeben von W. Löhe. Nürnberg (Raw.) 1856.“ (77 Seiten. Preis 5 Ngr.) Ueber diese neue Ausgabe des vortrefflichen Buches eines alten treuen luth. Theologen (ein Abschnitt aus dem größeren Werke „Anleitung zur geistlichen Seelencur“) sagt Guericke: „Was Olearius über den Gegenstand sagt, ist allerdings durch geistliche Gesundheit und evangelische Schärfe preiswürdig; was Löhe hinzugethan, hemmt nur insofern den Erfolg der Olearius'schen Darstellung (welche es sonst durch mancherlei wichtige und eindringende Bemerkungen mannichfach ergänzt), als es von der tödtenden clericalhierarchischen Hirten⸗ amtstheorie ausgeht und getragen wird.“ Dr. Th. Harnack, Prof. in Erlangen, sagt in seinem im vorigen Jahre zu Leipzig gehaltenen Conferenz⸗Vortrag über den immer verbreiteter werdenden Wahn, daß es in der luth. Kirche immer zwei gleichberechtigte Richtungen gegeben habe, die lutherische und Me⸗ lanchthonsche, aus deren innigerer Verschmelzung eben die Union mit Nothwendigkeit ent⸗ sprungen sei, u. A. Folgendes: „Wenn die moderne Union die Sage verbreitet, daß im 16. Jahrh. aus dem Quell einer und derselben reformatorischen Bewegung zwei Ströme religiöser Gemeinschaftsbildung entsprungen seien, an deren Zusammengehörigkeit Niemand Anfangs gezweifelt habe, und die, nur kurze Zeit durch einen lebhaften Wortwechsel ein⸗ ander entfremdet, sich bald wieder genähert hätten, um zu Einem großen kirchlichen Gemein⸗ wesen zusammenzuströmen und in dieser Vereinigung bis zum Tode Luthers, trotz einiger Zornesblitze des heißblutigen Reformators, zu verharren, so widerspricht die Geschichte Blatt für Blatt solcher Entstellung des Thatbestandes. Diese reformatorische (?) Bewe⸗ gung des 16. Jahrhunderts stammt notorisch aus zwei verschiedenen, von einander unabhängigen Quellen; sie entwickelt sich auf durchaus verschiedene Weise; und mußte da⸗ rum auch ein verschiedenes Resultat zur Folge haben. ... Es ist eben der Ursprung, die Triebkraft, das Interesse ein anderes hüben und drüben, so daß Luther Recht hat mit seinem: vos habetis alium spiritum quam nos. . .. Ist das Princip unserer Kirche nicht in der Wahrheit gegründet, spiegelt sich auch in ihm die Klarheit Gottes in dem Angesichte Jesu Christi nur einseitig, getrübt und entstellt wieder, dann bedarf die Kirche Christi mehr, viel mehr als einer Union; dann muß sie auf eine neue, gründ⸗ liche Reformation hinarbeiten. Eine bloße Union hilft ihr dann nichts, sondern verstrickt sie dann nur noch mehr in Irrthum und Verderben. Denn die Wahrheit läßt sich nicht aus zwei halb⸗ wahren Meinungen zusammenschweißen. Sie wird uns entweder nur aus Einem Guß zu Theil, oder gar nicht. Nun, die luth. Kirche kann diese neue Reformation ruhig an sich herankommen lassen und die Sorge um dieselbe denen anheim geben, die es für der Mühe werth erachten, an ihrer „„Kirche der Zukunft““ zu bauen. Wir wollen durch Gottes Gnade um so fester und treuer an der Kirche des schriftgemäßen Bekenntnisses halten, der die Vergangenheit gehört und der auch die Zukunft zufallen muß, weil sie die Verheißung sich zueignen darf: Ich bin bei euch alle Tage.“ Das Hohelied. Schon im Jahre 1855 ist eine Schrift von einem gewissen E. F. Friedrich, Dr. philos., herausgekommen, die es sich zur Aufgabe macht, die poetische Form des Hohenliedes zu eruiren. Darin gibt aber der Verfasser über den Inhalt folgendes Urtheil ab. „Salomo ist darin der Versucher, welcher ein Landmädchen von der Treue seiner bräutlichen Liebe abzubringen sucht, der mit seiner königlichen Pracht das einfache Gemüth bestechen will, aber zuletzt dem Hirtenjüngling den Preis zuerkennen muß.“ — Wir können nicht begreifen wie in Deutschland die Gläubigen unter den Gelehrten durch das schändliche Buch, wie in Rudelbachs Zeitschrift geschicht, darum anpreisen, weil es angeblich die Schön⸗