# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 12 08_S44 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Vergebung der Sünden zu erwerben, am Kreuz hat er ſich martern laſſen für dich, und du dankſt es ihm ſo wenig, daß es dir gar nicht einma mehr einfällt, nicht einmal da, wo du Ihn am nothwendigſten brauchteſt, wo ſich's um Verge⸗ bung deiner Sünden handelt. B. Ja, Herr Pf., ſonſt iſt man halt nicht ſo gelehrt worden, da hat man's einem nicht ſo geſagt. Pf. Du haſt doch auch den zweiten Artikel gelernt; aber bedacht haſt du ihn nie, und zu Herzen genommen haſt du nicht recht, was du lernteſt: das iſt der Fehler. Nun ſieh! ſo oft biſt du zum Abendmahl gegangen ohne Buße, ohne Glauben an den HErrn Chriſtum, denn es iſt dir gar nicht eingefallen, daß du Ihn dazu brauchſt, deſſen Leib und Blut du doch em⸗ pfangen ſollteſt im Abendmahl zur Vergebung deiner Sünden: da biſt du alſo allemal unwür⸗ dig gegangen. Sieh zu, daß es diesmal beſſer gebt. B. Das will ich, Herr Pfarrer. Ich wollt', man hätte mir das früher ſchon geſagt. Pf. Sieh, darum iſt's gut, duß du zu mir ge⸗ kommen biſt und dich ſelbſt angemeldet haſt. Denke nun der Sache weiter nach, und bitte Gott, daß er dir das rechte Licht anzünde und einen reichen Segen in ſeinem heil. Abendmahl gebe. B. Das will ich, Herr Pf. Ich dank', daß Sie mir's ſo geſagt haben. Pf. Adje, B., der beſte Dank iſt, wenn du meine Worte an deinem Herzen Frucht bringen läſſeſt. B. Wenn's Gott's Wille iſt! zweites Geſpräch. Margaretha. Zur Beichte möcht ich gern. Pfarrer. Iſt recht, warum willſt du denn? M. Daß ich meine Sünden bekenne. Pf. Haſt du auch Sünden? M. Wir ſind allzumal Sünder und mangeln des Ruhms, den wir an Gott haben ſollen. Pf. Weißt du denn auch deine Sünden? M. Man hat wiſſentliche und unwiſſentliche. Pf. Aber die wiſſentlichen muß man doch wiſſen, ſonſt wären's ja keine wiſſentlichen; weißt du ſie? M. Ich hab' nie was Unrechtes gethan, kann mir auch niemand etwas nachſagen. Pf. Alſo haſt du keine Sünde? M. Es iſt niemand ohne Sünde; ich ſag' nicht, daß ich keine Sünde habe; man ſündigt oft, man weiß es gar nicht. Pf. Und du ſagſt doch, du habeſt nie etwas Unrechtes gethan. Weißt du nicht, was der Apoſtel Johannes ſagt: „Wer Sünde thut, der thut auch Unrecht, und die Sünde iſt das Unrecht.“ Wenn du doch zugeſtehen mußt, daß du Sünde habeſt, wie kannſt du denn ſagen, du habeſt nie etwas Unrechtes gethan 2 M. Ich bin eben nicht ſo gelehrt, daß ich gleich auf alle Fragen antworten kann, und kann mich auch nicht ſo anſtellen, wie manche, deswegen bin ich aber vielleicht gerad ſo gut. — Pf. Es kommt hier nicht auf Gelehrſamkeit und Wiſſen an, M., noch viel weniger wird einem das Anſtellen etwas helfen; denn wir ſte⸗ 44 — .— ben hier vor Gott, der Herzen und Nieren rüft; darum handelt ſich's hier um aufrichtige Buße über deine Sünden. M. O, meine Sünden ſind eben nicht ſo viele. Pf. Das wird dich nicht rechtfertigen, M.; du weißt doch, was Jacobus ſagt: „So jemand das ganze Geſetz hält, und ſündiget an Einem, der iſts ganz ſchuldig.“ Und wer, meinſt du denn, daß ein beſſerer Chriſt iſt, wer wenig Sünden an ſich findet, oder wer viele? M. (ſtutzt) Ich denk eben, ein rechter Chriſt iſt fromm und thut nichts Unrechtes, und da kann er auch nicht viel Sünden an ſich finden. Pf. Ich meine, David und der Apoſtel Pau⸗ lus ſeien fromme Leute geweſen und frömmer als wir beide, meinſt du nicht auch? M. Ja, gewiß erſt! Pf. Und doch ſagt der eine: „Wer kann merken, wie oft er fehle! Verzeihe mir auch die verborgenen Fehler.“ „Meine Sünden gehen über mein Haupt, wie eine ſchwere Laſt ſind ſie mir zu ſchwer worden.“ Und der eine: „Ich bin fleiſchlich und unter die Sünde ver⸗ kauft. Ich weiß, daß in mir, d. i. in meinem Fleiſche wohnet nichts Gutes.“ Die müſſen alſo doch mehr Sänden an ſich gefunden haben, als du, und waren doch frömmer, ja gerade deswegen waren ſie frömmer. Darum ſag' ich dir: je beſſer der Chriſt, je größer der Sünder. M. Hm! Pf. Wer meinſt du denn, wer dein Herz beſſer kennt, Gott oder du? M. Wohl Gott. Pf. Und der ſagt: „Das Dichten des menſchlichen Herzens iſt böſe von Jugend auf.“ Von dem ſtehet geſchrieben: „Gott ſiehet vom Himmel auf der Menſchen Kinder, ob jemand verſtändig ſei und nach Gott frage: aber ſie ſind alle abgewichen und alleſammt untüchtig worden, da iſt nicht, der Gutes thue, auch nicht einer.“ Nun haſt du doch wohl auch ein menſchliches Herz und biſt ein Menſchenkind, ſo wird das von dir und deinem Herzen auch gelten, was der heilige und allwiſſende Gott hier ſagt, und wenn du es auch an dir ſelber noch nicht wahrgenommen hätteſt, ſo ſollteſt du doch Gott glauben und dich demüthigen und erkennen, daß das allein ſchon genug iſt, dich zu verdammen, daß du deine Sünde bisher noch gar nicht erkannt und in der Eigengerechtigkeit deines Herzens dich trotzig und leichtfertig über Gottes Wort und Zeugniß hinweggeſetzt haſt. Denn wo du Gottes Wort beſſer zu Herzen ge— nommen und auf deines Herzens Gedanken beſſer geachtet hätteſt, ſo wäre dir dein ſündli— ches Verderben längſt offenbar geworden. Daß du aber das bisher nicht gethan haſt, das allein iſt ſchon Sünde genug, dich zu verdammen. M. Nun, ſo muß ich halt in Gottes Namen verdammt ſein. Pf. Es verdrießt dich meine Rede, ſo viel ich merke; du meinſt, ich thue dir zu viel; glaubſt du denn, was im Katechismus ſteht? M. Könnt ich ja das nicht glauben! Sie meinen immer, man glaubt gar nichts. Pf. So mußt du auch glauben, daß du um deiner Sünden willen verdammt und verloren biſt; denn das ſteht im Katechismus und das haſt du ſchon oft genug aus deinem Katechis— mus bekannt, aber noch nie bedacht, und — laß dichs nicht verdrießen, denn es iſt wahr — da— rum auch noch nie geglaubt. Du wirſt ja den zweiten Artikel ſamt der Auslegung noch kön⸗ nen, wo es heißt: Ich glaube, daß IEſus Chriſtus, wahrhaftiger Gott ꝛc. ꝛc. ſei mein HErr, der mich — nun wie heißts weiter? M. Der mich verlornen und verdammten Menſchen erlöſet hat, erworben und gewonnen — Pf. Schon gut. Haſt du gehört, was du geſagſt haſt? Warum nennſt du dich denn da einen verlornen und verdammten Menſchen? Weil du aus den zehn Geboten, die vorherſte— hen, erkennen mußt (wenn du ſie ernſtlich be⸗ trachteſt und aufrichtig biſt), daß du deren kei⸗ nes gehalten, wie du ſollteſt, und deßwegen un⸗ ter Gottes Zorn und Fluch biſt. M. Man thunt eben, was man kann. Pf. Und meint, damit ſei's abgethan, und merkt nicht, daß man ſich eben damit um ſo mehr verdammt. Denn die mit des Geſetzes Werken umgehen, die ſind unter dem Fluch, wie Paulus Gal. am 3. ſagt: „Denn es ſteht geſchrieben: verflucht iſt jedermann, der nicht bleibet in allem dem, das geſchrieben ſtehet in dem Buche des Geſetzes, daß er's thue. Nun kannſt du nicht ſagen, daß du in al he, alle dem geblieben ſeiſt, ſonſt wäreſt du ohne Sünde, ſo biſt du alſo unter dem Fluch; dabei gehſt du aber dennoch mit des Geſetzes Werken um, d. h. du willſt dennoch durch deine Werke gerecht werden, weil dir Menſchen nichts Unrechtes nachſagen können, wie du behaupteſt, und be⸗ trügſt dich doch ſelbſt, daß du unter dem Fluche bleiben mußt. M. O, ich glaub auch, daß der HErr Chri⸗ ſtus für uns geſtorben iſt. Pf. Den möchteſt du nun gern zum Noth⸗ helfer machen; aber dich nimmt Er nicht an. M. Warum hernach mich nicht? Bin ich denn gar ſo ſchlecht? Pf. Nein, zu gut biſt du. Denn er ſagt: „Ich bin gekommen, die Kranken zu heilen und nicht die Starken; ich bin gekommen, die Sün⸗ der ſelig zu machen und nicht die Gerechten;“ aber du biſt ſtaͤrk, du fühlſt dich nichts weniger als krank an deiner Seele; du biſt gerecht, und wenn du auch zugeſtehſt, daß du eine Sünde⸗ rin biſt, ſo biſt du durchaus keine arme, keine hülfsbedürftige, keine verlorene Sünderin, und er iſt gekommen, zu ſuchen, das verlo⸗ ren iſt. Du willſt dir die Füße nicht von Ihm waſchen laſſen, den du meinſt, es bedürfe deſſen bei dir nicht; der Schmutz, mit dem du dich bei deinem Wandel verunreiniget habeſt, ſei nicht der Rede werth: darum haſt du keinen Theil an Ihm. M. Wofür ging ich denn zum Abendmahl, als daß ich Theil an Ihm bekäme. Pf. Liebe Margareth, das heil. Abendmahl iſt nur für Sünder eingeſetzt, das vergiß ja nicht, für arme bußfertige Sünder, die ihrt Sünde erkennen und fühlen und nach Gottes Gnade hungrig und durſtig ſind. Darum wird jedem dabei geſagt: Für deine S ünden gebrochen, — für de ine Sünden vergoß⸗