# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1857_S29 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Kirchlich-Zeitgeschichtliches. 29 der Kritik ist allen zu empfehlen, welche, weil sie die Kraft der Wahrheit fürchten, „die Lügen ihre Zuflucht und Heuchelei ihren Schirm machen.“ Jes. 28, 15. Wir wollen zusehen, ob der Mann sich bessert; widrigenfalls dürfen wir ihn nicht länger mit unserer theologischen Zeit⸗ schrift in Versuchung führen. „Der Säemann.“ Dies ist der Titel eines von „einem Vereine deutscher Prediger der niederländisch-reformirten Kirche von Nord⸗Amerika“ herauszugebenden religiösen Blattes, wovon die Probenummer uns zugekommen ist. Es soll mit diesem Jahre zunächst monatlich für den Preis von 25 Cents erscheinen. Zu beziehen ist es unter der Addresse: Pastor H. A. Friedel, 337 Greenwich Straße, New-York. Es soll der bezeichneten Kirche dienen. In der Probenummer heißt es: „Er (der Säemann) soll und wird die Lehren der Kirche, wie sie im Worte Gottes und unsern Symbolen vorliegen, vortragen, — dogmatisch —historisch—praktisch—erbaulich, ohne ein Haarbreit zu vergeben. Was in andern Confessionen vorkommt, soll so viel als möglich historisch mitgetheilt, nicht aber ohne die größte Noth bestritten werden. Nie werden wir den Harnisch wider Schwesterkirchen anziehen.“ Wir wollen sehen. II. Ausland. Dr. von Hofmann. Wir haben schon im vorigen Jahre mitgetheilt, daß gegen dieses Theologen (Professor in Erlangen) Lehre von der Versöhnung und Rechtfertigung Prof. Dr. Philippi in Rostock Zeugniß abgelegt und darauf ersterer in der Erlanger Zeitschrift überaus bitter geantwortet hat. Hierauf ist von Philippi eine Duplik erschienen unter dem Titel: „Herr Dr. von Hofmann gegenüber der lutherischen Versöhnungs- und Rechtferti⸗ gungslehre. Frankfurt a. M. und Erlangen. Verlag von Heyder und Zimmer 1856. (76 S. in 8.) Hingegen hat nun Hofmann eine s. g. „Schutzschrift“ ausgegeben, „welche,“ wie Philippi schreibt, „in einem Tone gehalten ist, in welchem ich weder erwiedern mag, noch darf. Mir ist dieselbe,“ fährt Philippi fort, „ein Zeichen, daß er sich getroffen fühlt · Wie er die stellvertretende Genugthuung läugnet, so läugnet er auch, was sich bei dem innern Zu⸗ sammenhang dieser Lehren von selbst versteht, die Zurechnung der Gerechtigkeit Jesu Christi... Der Glaube rechtfertigt nach seiner Anschauungsweise den Menschen als sittliches Ver⸗ halten zu Gott und seinem Heilsworte. Ich bin mir bewußt, gegen die Hofmann'sche Versöhnungs- und Rechtfertigungslehre in keinem anderen Interesse geschrieben zu haben, als um der Kirche Jesu Christi, welche ist die Gemeinde der Gläubigen, mit dem schriftmäßigen und reformatorischen Heilsfundamente ihren einigen Trost im Leben und im Sterben unerschüttert und unversehrt, so viel an mir liegt, zu erhalten. Ich bin auch dessen in guter Zuversicht, daß unbefangene und nach dem Heile der Versöhnung und Sündenvergebung im Blute des Lammes Gottes, welches der Welt Sünde trägt, begierige Leser keinen andern Eindruck aus meiner Schrift empfangen haben werden. Ich sehe getrost dem Urtheile aller zur Versöhnungs⸗ und Rechtfertigungslehre der lutherischen Kirche treu sich bekennenden Theologen entgegen, und hoffe, daß dieselben nunmehr nicht länger schweigen werden. — Auch wir hoffen oder wünschen dies wenigstens, denn allerdings ist es kaum zu erklären, wie bisher so viele, die Gott zu Wäch⸗ tern der Kirche in Deutschland bestellt hat, zu den Verkehrungen der lutherischen Lehre haben schweigen können, wie sie sich in den Schriften Hofmanns bei kecker Behauptung der Einstim⸗ mung, ja tieferen Gründung der Kirchenlehre so zahlreich finden; um so mehr, da durch das im⸗ ponirende afterlutherische Lehrsystem Hofmann's schon so viele junge Theologen geblendet und verführt worden sind. Der HErr segne den theuren Philippi für sein treues Zeugniß. Bei Gelegenheit der Besprechung des Kampfes Philippi's wider Hofmann schreibt ein deutscher Theolog an Guericke: Wenn sich erst die katholisirende Rechtfertigungslehre mit der katho⸗ lisirenden Amts- und Kirchenlehre in unserer Mitte die Hand gereicht haben wird, so werden wir wohl das Werk der Reformation auf der Erde suchen können, ohne es zu finden. —— Doch Gott der Herr weiß seine Kirche zu erhalten trotz ihrer Theologen.“ Berlin. In einem Bericht von der im Mai v. J. gehaltenen Berliner (unirten) Pastoral⸗Conferenz heißt es u. A.: „Als vor Kurzem ein Berliner Geistlicher in der Tauf⸗ rede das Amt des Pathen und die dazu nöthigen inneren Erfordernisse sehr bestimmt be⸗