# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1857_S26 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 26 Etwas von der lutherischen Kirche zu Frankfurt a. M. bärmliches, die Wiegenlieder nur zu lesen, die darnach bei dem heil. Abendmahle, Taufe ꝛc. gesungen werden sollen. Alles fein freireichsstädtisch polirt und jede irgend anstößige Lehre der Schrift in den alten Kernliedern der Kirche hinweg gefälscht; Moral und Tugend gepriesen, wie zum Exempel also (Nr. 660): „Gott will, wir sollen uns der Jugend Und jeder Zeit des Lebens freun; Denn selbst die Fröhlichkeit ist Tugend; Nur, o mein Herz, genieße rein! Genieße du die Lust der Erde, Gott wills, nur hüte dich, mein Herz, Daß keine Lust dir Unlust werde, Und niemals deine Freude Schmerz.“ Eine ähnliche traurige Geschichte hat der Katechismus in Frankfurt erlebt. Die Einführung desselben geschah um der vielen Kämpfe willen, welche hier die lutherische Kirche mit Zwinglianern zu bestehen hatte, erst 1557 und ward auf die richtige Handhabung desselben in Kirche und Schule viel Sorge verwandt von J. Ph. Fresenius, Pritius und namentlich von Spener, der, obwohl viel beladen mit Geschäften, selbst wacker Hand anlegte an den religiösen Unterricht der Jugend, wie ja auch seine „Einfältige Erklärung der christlichen Lehre nach der Ordnung des kleinen Katechismus Lutheri“ 1677 zu diesem Zweck von ihm herausgegeben ist, gleichermaßen die Katechismustabellen. Doch war sonst allezeit, wie es scheint, der Religionsunterricht der Kinder ganz den Schulmeistern überlassen, und auch heute ist keine einzige Schule, worin ein Geistlicher denselben ertheilte; selbst in dem unter dem lutherischen Consistorium stehenden Gymnasium liegt er in den Händen der Philologen. Ob das nicht solche sind, wie jener Frankfurter Gymnasiallehrer, der anno 1725 befragt, ob er ein Lutheraner sei? — man zweifelte nämlich daran — entgegnete, er sei kein Lutheraner, kein Papist, kein Reformirter, sondern ein Ciceronianer, d. h. zu deutsch ein Heide —? (Es machens doch die Römischen besser, die schicken ihren Schülern im Gymnasium einen ihrer Priester zum Unterrichte.) So ist denn die liebe Jugend in Frankfurt außer der kurzen Zeit des Confirmandenunterrichts, wozu übrigens viele Eltern ihre Kinder zwei Jahrgänge hindurch schicken, von dem Pfarramte gänzlich abgetrennt und vernachlässigt. Aber hat man denn keine Kinderlehren? fragt der Leser vielleicht. Antwort: Nein, diese hat man anno 1836 gänzlich aufgehoben und mit ihnen ist auch der Katechismus Luthers gänzlich zu Grabe getragen. Ist doch selbst, so viel uns bekannt, kein Pfarrer mehr unter allen, der denselben einfältig vortrüge in seinem Confirmationsunterrichte, sondern sie haben meistens ihre eignen Ausarbeitungen, dem persönlichen Glauben eines jeden entsprossen. Da ist es denn kein Wunder, daß man unzählige sogenannte lutherische Christen in Frankfurt trifft, denen der kleine Katechismus eine völlig unbekannte Sache ist. (Schluß folgt.)