# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 12 08_S43 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Der Tutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von C. F. W. Walther. — Jahrgang 3. St. Louis, Mo., den 15. December 1846. No. 8. Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den Subſeriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welcht davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. + Die Beichtanmeldung. ö Eine Skizze nach der Natur. ) Von W. Löhe. Erſtes Geſpräch. Balthaſar. Guten Tag, Herr Pfarrer. Pfarrer. Guten Tag, Balthaſar, was willſt du? B. Ich will mich anmelden bis Samstag zur Beicht und bis Sonntag zum Abendmahl. Pf. Warum willſt du denn jetzt zum Abend⸗ mahl? B. Warum:? ja ich denk, es ſei eben doch wieder einmal Zeit? Pf. Wie ſo? Iſt's bei dir allemal an Ad⸗ vent Zeit? B. Ja, bei meinen Leuten hat man's nicht anderſt gewußt, als daß man an Pfingſten und am Chriſttag oder an Advent zum Abendmahl gegangen iſt. Und ſo halt ichs auch. Pf. So gehſt du alſo des Brauches wegen? B. Ja was denn? Die Mode mach ich nicht mit, wie jetzt viele, daß ſie des Jahres nur einmal gehen. Pf. Da thuſt du recht daran, B.; aber daß du nur des Brauchs wegen gehſt, da thuſt du nicht recht. Sage mir, was thut man denn in der Beicht? B. Ja ich mein', da thut man ſeine Sünden erkennen und bekennen. Pf. Nun, er kennen mußt du deine Sünden eigentlich ſchon vorher, damit du ſie eben in der Beichte be kennen kannſt; d. h. du mußt ſchon vorher wiſſen, wo dich der Schuh drückt, damit du Gott deine Noth und deinen Schaden ſagen und klagen und Hülfe dafür ſuchen kannſt; denn ſeine Sünde bekennen heißt nichts anderes, als ſeine Sünde Gott ſagen und ein— geſtehen. Aber warum muß man denn ſeine Sünden in der Beichte bekennen? B. Daß ſie einem vergeben werden. Pf. Recht; wie David im 32. Pſ. ſagt: *) Merke: wenn ich das eine Skizze oder Zeichnung nach der Natur nenne, ſo ſind deswegen nicht etwa einzelne, be⸗ ſtimmte, Perſonen abconterfeit; ſondern mit einem gar viele und manche auf einmal, der Sinn iſt abconterfeit, der ſich bei vielen findet. Ich theil es aber mit zum Beweis für die Pfarrer, daß es mit der Beichtanmeldung geht und daß ein Segen drin iſt, den ſie nicht ſollten aus der Hand laſſen; und zu einem Spie gel für die, die es trifft, damit ſie erkennen ſol⸗ len, wie gut oder ſchlecht ſie ſich ausnehmen, oder welcherlei Leute ſich beſſer ausnehmen vor Gott und Menſchen, denn ſit. „Da ich's wollte verſchweigen, da verſchmach— teten meine Gebeine — B. — „durch mein täglich Heulen; denn deine Hand war Tag und Nacht ſchwer auf mir, daß mein Saft vertrocknete, wie es im Sommer dürre wird, Sela.“ Pf. Siehſt du? da bezeugt er, daß er kei⸗ nen Frieden und keine Ruhe gefunden habe, ſo lange er ſeine Sünde verſchwieg, ſo lange er ſie Gott nicht bekannte. Nun fährt er aber fort: „Darum bekenne ich dir meine Sünde, und — B. — „Und verhehle meine Miſſethat nicht. Ich ſprach: Ich will dem HErrn meine Ueber— tretung bekennen — Pf. u. B. (zugleich) — da vergabſt du mir die Miſſethat meiner Sünde, Sela.“ Pf. Wer alſo ſeine Sünde nicht bekennt, dem wird ſie nicht vergeben. Werden denn aber allen ihre Sünden vergeben, die ſie in der Beichte bekennen? B. Es muß einem eben Ernſt ſein. Pf. Wenn iſt's einem aber Ernſt? B. Ich denk', wenn ihm ſeine Sünden leid ſind, wenn er's bereut. Pf. Ganz recht. Jetzt ſag mir aber, B., ſind dir deine Sünden gerade allemal an Pfing⸗ ſten und um Weihnachten leid, und ſonſt nie? Oder wenn du nun allemal an Pfingſten und um Weihnachten zum Abendmahl gegangen biſt, haben dich da wirklich deine Sünden gerade ge— drückt? B. Herr Pf., — das traue ich mir nicht zu behaupten. Pf. Und wenn du's behaupteteſt, ſo würd' ich dir geradezu ſagen: es iſt nicht wahr; du be— lügſt dich und mich. Es iſt nicht möglich, daß einer, der des Brauchs wegen zum Abend-— mahl geht, mit bußfertigem und reumüthigem Herzen gehe. Wer aber ſeine Sünden ohne herzliche Reue bekeunnt, hat der ſie in Wahrheit bekannt und wird der Vergebung empfangen? B. Wohl nicht, wenn's dem 32. Pſalm nachgeht. Pf. Und dem wird's ja wohl nachgehen; wer aber nicht Vergebung der Sünden em⸗ pfängt, kann der das heil. Abendmahl würdig und ſich zum Segen genießen? B. Da wirds freilich nichts ſein. Pf. Nun denk, B., wie oft du es ſchon un⸗ würdig genoſſen haſt! Willſt du denn jetzt wie⸗ der ſo gehen? B. Nein, Herr Pfarrer, ich will meine Sün⸗ den bereuen. Sonſt hat man's eben nicht ſo bedacht. Pf. Bedenk's nur jetzt recht. Aber wenn du jetzt deine Sünden bereueſt, wirſt du denn ge⸗ wiß Vergebung empfangen? B. Ich hoff's. Pf. Worauf ſteht deine Hoffnung? B. Auf Gott. Pf. Aber weißt du nicht, daß Gott gerecht iſt, und vergilt einem jeglichen nach ſeinen Wer⸗ ken und nach der Frucht ſeines Weſens? ſind deine Sünden gute Werke? gute Früchte? und wenn dir Gott darnach vergilt, wie wird's mit der Vergebung ausſehen? B. Gott iſt doch auch barmherzig. Pf. Aber nicht auf Koſten ſeiner Gerechtig— keit. Biſt du's denn werth, daß er dir deine Sünden vergibt? B. Das wird keiner ſagen können! Pf. Je nun, wie kannſt du dann hoffen, daß dir Gott deine Sünde vergebe? B. Das weiß ich nicht, Herr Pf. Pf. Fällt dir keiner ein, durch den du's be⸗ kommen könnteſt? B. (ſtiert ihn an.) Nein, Herr Pfarrer. Sagen Sie's mir. Pf. Kannſt du denn die Auslegung des zwei⸗ ten Artikels? „Ich glaube, daß JEſus Chri— ſtus — B. — wahrhaftiger Gott, vom Vater in Ewigkeit geboren, und auch wahrhaftiger Menſch, von der Jungfran Maria geboren, ſei mein HErr — Pf. Gib Acht, jetzt kommts — B. „Der mich verlornen und verdammten Menſchen — Pf. „Erlöſet hat, erworben und gewon nen vonallen Sünden, vom Tode und von der Gewalt des Teufels.“ Wer hat dich alſo erlöſet von allen Sünden? B. JeEſus Chriſtus. Pf. Durch wen kannſt du alſo Vergebung der Sünden erlangen? B. Durch IEſum Chriſtum. Pf. Warum durch den? B. Weil der mich erlöſet hat. Pf. Womit hat Er dich erlöſet? B. „Nicht mit Gold oder Silber, ſondern mit ſeinem heiligen, theuren Blut und mit ſei— nem unſchuldigen Leiden und Sterben.“ — Pf. Sieh, ſo viel hat's Ihn gekoſtet, dir 33