# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1884_S15 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vierten Delegatenſynode von Miſſouri, Ohio u. a. St. 1884. 15 nach menſchlicher Wahrſcheinlichkeit zu erwarten ſtand und wie über Ver⸗ hoffen ſchnell ſich zum Guten gewendet hat, was man gedachte, böſe zu machen: ſo wiſſen wir in der That nicht, was wir anders ſagen ſollten, als: es iſt Großes, Großes an uns geſchehen! Nun aber, wer hat denn dies Große gethan? Wer hat Sieg, Frieden und Beute errungen? Sind wir das geweſen? Haben wir wenigſtens unſer Theil dazu gethan? Waren wir vielleicht unſern Widerſachern zu ſehr an Gelehrſamkeit überlegen? Ach, unſere Gelehrſamkeit, und wenn ſie noch ſo groß geweſen wäre, hätte hier den Ausſchlag nicht geben können. Oder verſtanden wir etwa beſſer, als ſie, den ſcheinbaren Widerſpruch zwi⸗ ſchen der allgemeinen Gnade und der beſonderen Erwählung Einzelner zu erklären und der Vernunft annehmbar zu machen? Das hat uns noch weniger geholfen. Wir haben es ja nicht einmal verſucht. Nein, nein! menſchlich zu reden, hatten wir in dieſem Kampfe — Eins ausgenommen — Alles gegen uns. Unſere Gegner hatten einen ganz übermäßigen Vor⸗ theil voraus. Denn vor der Menge, die nicht denkt, aber um ſo lieber für aufgeklärt und freiſinnig gelten will, konnten nicht wir, wohl aber ſie, als Bekämpfer finſtern Wahns, Helden des Lichts und Märtyrer der Freiheit erſcheinen, und das hat noch ſelten ſeine Wirkung verfehlt. Bei Solchen, welche immer erſt begreifen und zuſammenreimen wollen, ehe ſie ſich ent⸗ ſchließen, ſelbſt göttliche Wahrheiten anzunehmen (und das will ja der alte Adam auch in den Chriſten), konnten ſie ſich, was wir nicht durften, auf das Urtheil des „geſunden“ Menſchenverſtandes berufen. In ihrer Lehre gab es ja kein Geheimniß, wovor auch der Weiſeſte ſeinen Finger auf den Mund zu legen hat. Da reimte ſich Alles aufs beſte mit den natürlichen menſchlichen Gedanken und Gefühlen. Vernunftſchlüſſe jeder Art hatten da frei Spiel und volle Geltung. Um ihrer Lehre willen brauchte niemand vor der Welt ein Narr zu werden. War das nicht ein großer Vortheil für ſie? Und haben ſie etwa unterlaſſen, ſich desſelben zu bedienen? — Bei denen, welche auch in Glaubensſachen ihre Ueberzeugung auf Menſchen⸗ anſehen bauen (ſei es auch unbewußt), konnten ſie auf eine Reihe von „Vä⸗ tern“ weiſen, die, wiewohl nicht ihres Sinnes, doch oft in Worten mit ihnen übereinzuſtimmen ſchienen. Und wie viel ihnen das gerade bei denen genutzt hat, die am wenigſten von dieſen Vätern wußten, liegt klar am Tage. — Ja, die liebe heilige Schrift ſelbſt konnten ſie vor argloſen und ungeübten Chriſten hie und da mit größerem Erfolg als wir anführen. Denn je mehr — und zwar mit Recht — den lieben Einfältigen gerade die allgemeinen Gnadenverheißungen des Evangelii am Herzen liegen, um ſo leichter ſind auch gerade ſie zu überreden, daß nur aus dieſen Stellen die Lehre von der ewigen Wahl Gottes zu entnehmen oder doch zu erklären ſei. Kurz, was nur Vernunft und Gefühl des natürlichen Menſchen (auch in den Chriſten) denkt, wünſcht und will, das Alles ſprach in dieſem Kampfe für ſie und gegen uns. Wäre es da ein Wunder geweſen, wenn es ihnen [Am linken Seitenrand ſcheint blaſſ Text der gegenüberliegenden Seite durch; nicht transkribiert, ſiehe Finds-Datei.]