# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 11 24_S42 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) verleugnet ſomit auch Chriſtum ſelbſt, der uns unſere Freiheit theuer erkauft hat. Hier hilft nicht, daß ein ſolcher Prediger die gute Mei— nung hat, durch ſein Verfahren der Schwachen ſchonen zu wollen; um der Schwachen willen kann die Wahrheit nicht weichen oder die Rein⸗ heit der Lehre gefährdet werden, vielmehr muß der Wahrheit Gottes alles weichen. Daher ſchreibt Luther unter andrem: „Höre zu, mein Bruder, du weißt, daß wir bei der chriſtlichen Freiheit als bei einem jeglichen Artikel des Glaubens, ſollen Leib und Leben laſſen .. Es iſt dir noth, die chriſtliche Freiheit zu be— kennen und erhalten, und nicht geſtatten, daß der Teufel da ein Gebot, Verbot, Sünde oder Gewiſſen mache, da Gott keine haben will. Wo du aber ſolche Sünde läſſeſt machen, ſo iſt kein Chriſtus mehr, der ſie wegnehme. Denn mit ſolchem Gewiſſen verläugnet man den rech⸗ ten Chriſtum, der alle Sünde wegnimmt. Da⸗ rum ſieheſt du, wie in dieſen gerin⸗ gen Dinglen nicht geringe Gefahr ſtehet, wenn man dabei auf die Gewiſſen will.“ Ferner: „Wo man Gebot, Verbot, Sünde, gute Werk, Gewiſſen und Gefahr ma⸗ chen will, da Gott Freiheit haben will, und nichts gebeut noch verbeut, mußt du über ſol⸗ cher Freiheit feſte halten, und immer das Widerſpiel thun, bis du die Freiheit behalteſt.“ (Schrift von den himmliſchen Propheten. L. W. XX. 278.) Hier hat ein lutheriſcher Pre⸗ diger, was ihm zu thun obliegt, wenn er ſeiner Kirche treu bleiben will. (Fortſetzung folgt.) (Correſpondenz.) Die Norweger in Wisconſin. Herr Redacteur! Die letzte Nummer des zu Columbus, Ohio, erſcheinenden „Luth. Paniers“ (Luth. Standard) bringt einen beachtenswerthen Aufſatz über die Norweger in Wisconſin, auf deſſen Inhalt ich Ihre Leſer aufmerkſam machen möchte. — So viel aus dieſem Aufſatze erhellt, ſind in den jüngſt verfloſſenen zwei bis drei Jahren an Zwanzigtauſend Norweger in Wisconſin eingewandert, die ſich in den ſüdli⸗ chen Counties dieſes Staates angeſiedelt haben, und aus denen wohl die Mehrzahl in den Berg⸗ werken Beſchäftigung gefunden hat. Dem Be— richte im Standard zufolge, ſcheinen dieſe Leute bisher keinen Seelſorger ihrer Zunge und Con— feſſion gehabt, und erſt 1845 in der Perſon des vom (anglicaniſchen) Biſchof Dr. Kemper ordinirten Guſtav Unon ius einen Predi⸗ ger erhalten zu haben. Dieſem erſten Proſe⸗ lytiſir⸗Verſuche ſcheint ein zweiter, von den Presbyterianern angeregter gefolgt zu ſein, die gegenwärtig einen jungen Norweger, der durch das Leſen einer Schrift der americ. Tractat⸗ Geſellſchaft bekehrt geworden (2), in ihrem Seminar zu Beloit, Wisconſin, ſtudiren laſſen, um ihn unter ſeinen Landsleuten als Miſſionar zu verwenden. Es würde denSchrei⸗ ber dieſes nicht im Geringſten Wunder nehmen, wenn auch die allezeit fertigen Methodiſten und Baptiſten, deren Miſſionen (2) zu Stockholm 42 und Kopenhagen ins Stocken gerathen ſind, Miſſionare nach Wisconſin ſenden würden, um zu den ſchwediſch⸗-anglicaniſchen und ſchwe⸗ diſch⸗presbyteriſchen Gemeinden auch eine ſchwediſch-methodiſtiſche und eine Gemeinde ſchwediſcher Taufgeſinnten hinzuzufügen. An die Bildung einer ſchwediſch-lutheriſchen Ge⸗ meinde ſcheint bisher Niemand gedacht zu ha— ben, und doch ſollte die heilige Pflicht, den verlaſſenen norwegiſchen Glaubensbrüdern einen Miſſionar zu ſenden, uns Lutheranern Jam allernächſten liegen. In dieſer Mittheilung des Standard liegt ein nicht unverdienter Vor⸗ wurf für unſer luth. Zion, deſſen traurige Zerriſſenheit bisher jedes Zuſammenwirken auf dem ſo wichtigen einheimiſchen Miſſionsfelde unmöglich gemacht hat: aber auch zugleich eine kräftige Aufforderung zur Thätigkeit, ehe es zu ſpät iſt. Wollen wir warten, bis unſere ſcandinaviſchen Glaubensgenoſſen ihre Con— feſſionsſchriften, ihren alten Kirchen-Ritus, und ihre vaterländiſchen Reminiscenzen auf⸗ gegeben haben? Keine andere Confeſſion kann das Werk der Sammlung und Vereinigung dieſer zerſtreuten Schafe Iſraels mit ſolchem Erfolge treiben. In gerechter Würdigung dieſer Thatſache hat auch wirklich die mit der ſogenannten Gen. Synode verbundene Synode von Oſt-Pennſylvanien, bei ihrer letzten Zuſammenkunft in Milton, im October d. J., den Beſchluß gefaßt, ſich der Norweger in Wisconſin thätig anzunehmen, und wir dürfen mit Nächſtem gewärtigen, im „Lutheran Ob— ſerver“ den Bericht des von dieſer Synode abgeordneten Miſſionars, nebſt der Anzahl der bereits durch ihn „bekehrten“ Norwegerg zu finden. — Sollte nicht die deutſche lutheriſche Synode von Miſſouri, ſowohl in ihrer engen Verbindung mit der europäiſchen Mut⸗ terkirche, als in ihrer geographiſchen Lage die Veranlaſſung finden, ſich der verlaſſenen Con⸗ feſſions⸗Verwandten in Wisconſin thatkräftig anzunehmen? R. — —7 Verzweiflungsvolles Ende eines Verleug⸗ ners der Wahrheit. Es iſt bekannt, unter welchen entſetzlichen Seelenqualen der italieniſche Rechtsgelehrte Franzesko Spiera dahin gefahren iſt, nachdem derſelbe die evangeliſche Religion, von deren Wahrheit er in ſeinem Gewiſſen überzeugt ge⸗ weſen war, abgeſchworen und ſich zu der römiſch⸗ katholiſchen Religion bekannt hatte. Ein Sei⸗ tenſtück hiezu iſt das Beiſpiel Dr. Moritz Krauſens. Dieſer war ein Rath des Churfürſten Albrecht von Mainz und Erzbi⸗ ſchofs von Magdeburg und kam im Jahr 1527 zu einer lebendigen Ueberzeugung von der evangeliſchen Waͤhrheit, und bekannte ſie nun auch durch Wort und That. Ohgleich der Erzbiſchof ein Mandat anſchlagen ließ, daß keiner ſeiner Unterthanen, ſo lieb ihm ſein Le⸗ ben wäre, Luthers Lehre billigen ſollte, ſo achtete doch jetzt Dr. Krauſe Chriſti Befehl höher, und nahm trotz des Verbotes, das heil. Abend⸗ mahl unter beiden Geſtalten. Endlich aber, als immer mehr Bekenner hohen und niedrigen Standes um der Wahrheit willen theils hinge⸗ richtet, theils weggejagt wurden, ergriff Krau⸗ ſen die Furcht, es möchte die Reihe nun auch bald an ihn kommen, ſo ſehr, daß er die erkannte Wahrheit wieder verleugnete und wider ſein Gewiſſen das heilige Abendmahl nach der anti⸗ chriſtiſchen Verkehrung allein unter einer Ge⸗ ſtalt annahm. Als jedoch ungeachtet aller Verfolgungen die evangeliſche Wahrheit immer mehr Bekenner erhielt, und Krauſe ſehen mußte, wie viele um derſelben willen Ehre und Gut, ja Leib und Leben fröhlich daran ſetzten, da er⸗ wachte dem Verleugner endlich ſein ſchwer ver⸗ letztes Gewiſſen. Aber vergeblich war esjett, daß man ihn zur Buße ermahnte, vergeblich, daß man ihm viele theure göttliche Verheißun⸗ gen von der Vergebung aller Sünden durch Chriſtum vorhielt, vergeblich, daß man ihn ermahnte, zu ſeinem Heiland und Sündentilger um Gnade zu ſeufzen; ſeine Antwort war: „Awe meines Leides, was habe ich gethan? Ich habe Chriſtum, meinen HErrn, verleugnet; darum iſt er nun nicht mehr mein Mittler und Fürſprecher, ſondern er ſteht nun vor Gott dem Bater im Himmel und klagt mich bei ihm an und ſpricht: Mein Vater, ſei ja nicht dieſem Moritz Krauſe gnädig und vergib ihm nimmer⸗ mehr die Sünde der Gottesläſterung und Ver⸗ leugnung, damit er mich vor dem Biſchof ver⸗ leugnet hat.“ — In dieſem Zuſtande voölliger Verzweiflung verblieb er denn, und als man ihn eines Tages in ſeiner Schreibſtube allein gelaſſen hatte, fand man ihn hernach, durch ſeine eigene Hand entleibt, am Boden liegen. — So macht es der Satan: erſt blendet er die Menſchen, daß ſie Chriſtum, wie er für ſie am Creuze hängt, verachten, und wenn ſie das gethan haben, ſo raunt er ihnen ein, daß er nun nur ihr Verkläger und Richter ſei. Erſt ſpricht er: Pecca! (Sündige !), dann ruft er; Persevera! (Fahre fort!) und endlich donnert er in das Gewiſſen: Despera! (Verzweifle) Ach, lieber Leſer, höre nie auf ſeine Stimme. Biſt du ihm aber vielleicht ſchon gefolgt, ja, haſt du etwa nicht nur geſündigt, haſt du wohl ar auch ſchon lange darin fortgefahren, ſo iſt das freilich erſchrecklich; aber auch dann ſollſt du nicht meinen, daß für dich nun keine Hülfe mehr ſei; oh, thue zu deinen Sünden nicht noch die ſchrecklichſte hinzu, welche iſt die Ver⸗ zweiflung. Die Stimme, die dir ſagt: Verzweifle! iſt nie Gottes Stimme, ſondern des Satans. IEſus nimmt alle, auch die rößten Sünder aun. Auch du, wenn du ommſt, wirſt nicht hinausgeſtoßen. Ob bei uns iſt der Sünde viel, Bei Gott iſt viel mehr Gnade, Sein Hand zu helfen hat kein Ziel, Wie groß auch ſei der Schade; Er iſt alein der treue Hirt, Der Iſrael erlöſen wird Aus ſeinen Sünden allen. Union. Die weitherzigſte Union hat ohne Zweifel der Kaiſer Alexander Severus geſtiftet, der in ſeiner Hauskapelle neben dem Orpheus (einem Heiden) auch den Abraham (den Stamm⸗ vater der Judenn) und Chriſtum verehrte. Dieſer heidniſche Regent, der einſt die drei Hauptreligionen der Welt vereinigt hat, ſollte billig der Großvater aller Unioniſten heißen. pPaſtor D. Scherer läßt der von Paſt. Wyneken be⸗ dienten Gemeinde herzlich danken für die 25 Thaler, womit letztere die „Zions⸗Gemeinde“ in Carmel unterſtützt hat. Bezahlt: 1. Jahrg. Paſt. Crämer. 2. „ derſelbe. 3. „derſelbe (S Ex.) und die Herrn Paſt. Becker, Dr. Haynel, Paſt. Husmann, Paſt. Jenſen, H. W. Succop, S. Weymar. Gedruckt bei Weber und Olshauſen.