# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1878_S35 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 35 — ſind, die nichts neben ſich aufkommen laſſen wollen. Wir arbeiten für all⸗ gemeine Intereſſen des Reiches Gottes. Zur Förderung derſelben ſcheint unſere Zeit eine beſonders günſtige zu ſein. Verſäumen wir dieſe Zeit, ſo mag dadurch dem Reiche Gottes ein unendlich großer Schade geſchehen, den wir vielleicht nie wieder gut machen können. Gott hat uns hier zu Lande nicht umſonſt den Schatz der reinen Lehre anvertraut. Die Kraft derſelben ſollen auch die engliſchen Kirchenkörper erfahren. Dies Ziel vor Augen, muß die rechtgläubige lutheriſche Kirche beider Zungen, der deutſchen und engliſchen, gemeinſam ihre Arbeit treiben. Das wird aber nicht geſchehen, ſo lange den Predigern die Vorbedingungen zu einem geſegneten Zuſammen⸗ wirken fehlen, die wiederum am leichteſten und beſten in einem Geſammt⸗ ſeminar ſich ermöglichen laſſen. — Die norwegiſche Synode kann ſich des nicht erwehren, nach und nach eine engliſche Synode zu werden. Die Ver⸗ hältniſſe dieſes Landes legen ihr die Nöthigung zu dieſem Schritte unauf⸗ haltſam auf. Wird ſich dieſe Umgeſtaltung dereinſt vollzogen haben, dann wird man erſt recht erkennen, von welch' ungemeiner Wichtigkeit für die engliſch⸗lutheriſche Kirche ein Geſammtſeminar iſt. Indirect wird dann durch die engliſch redenden Prediger, wie durch Canäle, Gottes lauteres Wort auch in andere kirchliche Gemeinſchaften engliſcher Zunge geleitet werden. So wie es jetzt ſteht, iſt wenig für das Gedeihen der engliſch⸗lutheriſchen Kirche zu hoffen. Die Zahl der Profeſſoren an unſeren theologiſchen Lehr⸗ anſtalten iſt ſo gering, daß man von den jetzigen Zuſtänden unſerer Semi⸗ narien als von Nothſtänden reden muß. Solche Nothſtände aber ſollten, wenn möglich, aufhören. Ein jeder Zweig der theologiſchen Wiſſenſchaft ſollte durch eine eigene Kraft beſetzt ſein, die ausſchließlich ihrem Fache obläge und ihr Feld anbauete. Haben wir nicht dieſes Ziel vor Augen; iſt uns das eine gleichgiltige Sache, daß unſere Profeſſoren mit allen möglichen Fächern der Theologie überbürdet ſind: ſo ſieht es dunkel um unſere Zukunft aus. — Die Glut der erſten Liebe, die uns bis jetzt bei Gottes lauterem Wort erhalten hat, bleibt nicht für immer. Wollen wir die Reinheit des Wortes behalten, ſo müſſen wir nach allen Seiten hin gegen die Verſtörer deſſelben gerüſtet ſein. Wir können alſo in der That nichts Beſſeres be⸗ ſchließen, nichts, was unter Gottes ſegnender Hand ſich von größerem Nutzen für die Kirche erweiſen wird, wenn es zu Stande kommt, als die Errichtung eines Geſammtſeminars. Da ſind der Lehrer viele: einer überwacht den andern, daß keine falſche Lehre aufkomme. Da ſind auch der Synoden ver⸗ ſchiedene: eine jede hat auf ihre Abtheilung ein wachſames Auge. Iſt ein Seminar die Anſtalt nur einer Synode, ſo iſt freilich immer Gefahr, in Partheiſtellung und durch ſie auf falſche Fährte in der Lehre zu gerathen. Anders bei einem Geſammtſeminar. Wittenberg wäre niemals eine Beute der falſchen Lehrer geworden, wenn nicht alles in den Händen eines Man⸗ nes gelegen hätte, nämlich des Churfürſten, der, betrogen von den Feinden der Wahrheit, dieſe für aufrichtige Leute hielt und, aufgehetzt durch ſie, die