# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1878_S18 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 18 — alſo von Gottes Gnade gelehrt haben. Der verfluchte Pabſt hatte die armen Gewiſſen mit ſeinen Menſchenſatzungen gar unterdrückt, hatte alle rechte Mittel, Hilfe und Troſt, damit die armen, verzagten Herzen wider die Ver⸗ zweiflung hätten mögen gerettet werden, hinweg genommen: was ſollten wir denn dazumal anders thun, denn die unterdrückten und beſchwerten Herzen wiederum aufrichten und ihnen den rechten Troſt vorhalten? Wir wiſſen aber auch wohl, daß man anders reden muß mit denen, die da ſatt, zart und fett ſind. Wir waren dazumal alle verſtoßen und ſehr geplaget. Das Waſſer in der Flaſche war aus, das iſt, es war kein Troſt vorhanden. Wir lagen wie die Sterbenden, gleichwie Ismael unter dem Strauch. Darum waren uns ſolche Lehrer vonnöthen, die uns Gottes Gnade vorhielten, und lehreten, wie wir uns erquicken möchten. Die Antinomer aber wollen haben, daß man die Lehre von der Buße ſchlecht mit der Gnade anfangen ſoll; ich aber habe den Proceß nicht ſo gehalten. Denn ich wußte wohl, daß Ismael erſt ausgetrieben und verzagt worden war, ehe denn er vom Engel den Troſt ge⸗ hört hat. Derohalben habe ich dem Exempel nachgefolgt und niemand ge⸗ tröſtet, denn nur allein die, ſo zuvor Reue und Leid über ihre Sünde gehabt und an ihnen ſelbſt verzaget hatten, welche das Geſetz erſchreckt, der Leviathan überfallen und gar beſtürzt gemacht hatte.“ (I, 2144. f.) — Ein ähnliches Verhältniß finden wir auch zwiſchen der früheren und ſpäteren Zeit in Be⸗ ziehung auf Luthers Urtheil über die rechte Beſchaffenheit der Kirchenzucht. So ängſtlich beſorgt Luther anfänglich vor allem darum war, daß nicht durch allzu hitzige Prediger und Gemeinden eine der Schwachen nicht ſchonende Kirchenzucht wieder in die erneuerte Kirche hereingebracht werde, ſo geſtand er hingegen im Jahre 1537 den Schweizern, als dieſe Einigkeit im Bekenntniß der Wahrheit ſuchten, in Abſicht auf die ſcharfe Kirchenzucht derſelben zu: „Vielleicht iſt es in dieſem Stück baß bei euch gefaſſet, denn bei uns.“ (XVII, 2598.) Wohlan, ich wiederhole es, folgen wir unſerem Vater Luther und ſeinen treuen Gehilfen! Wohl haben auch ſie es einſt nicht aufhalten können, daß unſere Kirche nach Luthers Tode in tiefen Verfall gerieth, ſowohl in Lehre, als im Leben; aber die Frucht ihrer Treue war es, daß endlich die eine Zeit⸗ lang unterdrückten guten Elemente unſerer Kirche dreißig Jahr nach Luthers Tod wieder zur Herrſchaft kamen, unſere Kirche unter dem Paniere der theuren Concordienformel ſich wieder ſammelte und noch ein ganzes Jahrhundert hindurch das Kleinod der reinen Lehre bewahrte. Verzagen daher auch wir nicht. Die Erfahrung, daß eine Kirche immer nur ein Menſchenalter lang treu geblieben iſt, beruht nicht auf einem unabänderlichen, ausnahmsloſen Geſetz des Reiches Gottes. Ein lebendiggläubiges Miniſterium voll Feuer⸗ eifer im Bunde mit den in ihren Gemeinden befindlichen Kindern Gottes können Gottes Zorn wohl aufhalten. Möge denn auch unſere diesjährige Synodalverſammlung durch Gottes Erbarmung dazu geſegnet ſein, daß wir alle, Lehrer und Zuhörer, und zwar