# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1878_S16 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 16 — Schrift zwingen; aber dieſe Peſt, der Ueberdruß am Wort, entſteht in uns ſelbſt und führt um ſo mehr Gefahr mit ſich, je weniger ſie von uns gemerkt werden kann.“ (IV, 2385.) An einer anderen Stelle ſchreibt derſelbe Luther im Jahre 1525: „Wenn das Herz Gottes Worts müde iſt, es nicht mehr für ſeinen beſten Schatz hält, dann iſt die Thür hinten und vorn offen, daß der Teufel einen freien Zutritt hat und allerlei Irrthum einführen mag.“ (III, 2567.) Gar treulich ermahnt daher St. Paulus ſeine Korinther und in ihnen alle Glieder rechtgläubiger Kirchen, als jene, wie er ſelbſt ſagt, durch Chriſtum noch an allen Stücken, an aller Lehre und in aller Erkenntniß reich waren: „Wir ermahnen euch als die Mithelfer, daß ihr nicht vergeblich die Gnade Gottes empfahet“ (2 Kor. 6, 1.). „Aber“, ſchreibt Luther in ſeiner Kirchenpoſtille, „vergeblich die Gnade Gottes empfahen, kann nichts anderes ſein, denn daß man das reine Wort Gottes höret, darin Gottes Gnade vorgetragen und angeboten wird, und thut doch nicht dazu und nimmt ſich ſein nicht an, bleiben gleichwohl wie vorhin: damit verdienen wir denn, daß es wieder von uns genommen wird, als von den Undankbaren, die ſein nicht werth ſind.“ (XII, 585. f.) Doch wie? Ehrwürdige und geliebte Väter und Brüder in dem HErrn, ſollen oder dürfen wir etwa darum, an aller Hilfe verzagend, die Hand vom Pfluge ziehen? — Das ſei ferne! — Haben wir doch durch Gottes Treue und Barmherzigkeit jene himmliſche Arzenei noch, die alle Krankheiten, auch die vor Menſchen unheilbaren, an denen ſchon Millionen geſtorben ſind, heilen kann, das reine Wort unſeres Gottes; und hat doch derſelbe Luther, der ſeinem Deutſchland ſo oft Gottes ſchwere Zornheimſuchungen verkündigt und von dieſem Lande des Segens geſagt hat, es werde einſt von ihm heißen: „Fuit!“ d. i. „Es iſt geweſen!“ denn es werde das Land des Unglaubens, der Religionsſpötterei und des Atheismus werden (V, 1244), hat doch, ſage ich, derſelbe Luther auch dieſes bezeugt: „Wenn die Lehre rein bleibt, ſo iſt noch Hoffnung da, daß auch das Leben leichtlich könne gebeſſert werden.“ (VI, 3609.) Verzagen wir alſo nicht! Gottes reines Wort hat unſere Synode vor 31 Jahren geſammelt, Gottes reines Wort hat ſie zum Segen geſetzt für Viele und bis heute erhalten, Gottes reines Wort kann ſie auch von jenen Gebrechen des Lebens frei machen, die ſie mit Verluſt ihres Klei⸗ nodes bedrohen. Hat doch Paulus, wie ſchon erwähnt, einſt der Korinthiſchen Kirche klagend zurufen müſſen: „Ihr ſeid ſchon ſatt worden“ (1 Kor. 4, 8.), und doch gibt beinahe 50 Jahre ſpäter Clemens von Rom der Kirche zu Korinth noch das Zeugniß: „Wer hat ſich wohl bei euch aufgehalten und euren feſten, ſtandhaften und mit aller Tugend erfüllten Glauben nicht er⸗ kannt und gerühmt?“ *) Wie aber dieſe Kirche durch Gottes Gnade wieder erneuert worden iſt zur erſten Liebe, ſo ſteht auch unſerer Synode dieſelbe Thür der Gnade zu ihrer Erneuerung offen. *) S. Heinſius' Kirchen⸗Hiſtorie, I, 636.