# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1878_S15 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 15 — Sünde ſei, ein ſolcher Mangel an wahrhaft chriſtlicher Kinderzucht, eine ſolche Geringſchätzung rechtſchaffener Diener Chriſti und eine ſolche Undank⸗ barkeit gegen ſie, ein ſolcher Mangel an Bruderliebe und an der daraus nothwendig folgenden brüderlichen Beſtrafung, und endlich ein ſolches Immer⸗häufiger⸗werden grober Aergerniſſe, daß die treuen Knechte unter uns ihr Amt zumeiſt mit Seufzen führen und alle rechtſchaffenen Kinder Gottes unter uns weinend und klagend vor Gott liegen und die ganze unter uns verborgen liegende Gemeinde der Heiligen und Auserwählten mit Furcht und Zagen in die Zukunft ſchauen muß. Was ſollen wir nun, Ehrwürdige und geliebte Väter und Brüder in dem HErrn, Angeſichts dieſer traurigen Erſcheinungen in unſerer Mitte thun? — Das Erſte, wozu uns das unter uns bei reiner Lehre ausbrechende Ver⸗ derben im Leben auffordert, iſt ohne Zweifel dieſes, daß wir alle, die wir für dieſes Verderben ein ſehendes Auge haben, auf die unter uns durch Gottes Gnade noch im Schwange gehende reine Lehre nicht in fleiſchlicher Sicherheit pochen. Wohl iſt und bleibt die reine Lehre das Hauptgut einer kirchlichen Gemeinſchaft. Wohl ſagt daher Luther mit Recht: „Die Lehre iſt der Himmel, das Leben die Erde.“ (VIII, 2661.) Aber je größer die Gnade iſt, die Gott einer kirchlichen Gemeinſchaft mit reiner, geſunder, klarer Lehre ſchenkt, um ſo erſchrecklicher iſt es, wenn ſie dieſe Gnade vergeblich empfängt; um ſo viel mehr gilt ihr das Wort des HErrn: „Der Knecht, der ſeines Herrn Willen weiß und hat ſich nicht bereitet, auch nicht nach ſeinem Willen gethan, der wird viel Streiche leiden müſſen. Denn welchem viel gegeben iſt, bei dem wird man viel ſuchen; und welchem viel befohlen iſt, von dem wird man viel fordern.“ (Luk. 12, 47. 48.) Wohl ſagt Luther ferner: „Die Kirche, ob ſie wohl ſchwach in Sünden iſt, ſo iſt ſie doch nicht unchriſtlich, ſondern chriſtlich in dem Wort; ſie ſündigt wohl, aber ſie bekennet und weiß das Wort und leugnet's nicht. Darum ſoll man dieſelbigen, die alſo das Wort loben und bekennen, nicht verſtoßen, wiewohl ſie nicht ſcheinen oder gleißen mit wunderbarer Heiligkeit.“ (X, 1871.) Allein wenn eine Kirche zwar das reine Wort hat, aber es iſt ihr nicht mehr ihr höchſter Schatz, nicht mehr lieber, denn viel tauſend Stück Gold und Silber, nicht mehr ſüßer, denn Honig und Honigſeim; wenn ſie anfängt, ſelbſt im Leſen, Hören und Bekennen desſelben träge und lau zu werden und, obwohl nicht mit dem Munde, doch in ihrem Herzen zu ſagen: „Unſerer Seele ekelt über dieſer loſen Speiſe“ (4 Moſ. 21, 5.): dann hat eine ſolche Kirche nichts anderes zu er⸗ warten, als daß ſich das reine Wort auch bei ihr als „ein fahrender Platz⸗ regen“ erweiſen werde, „der nicht wiederkommt, wo er einmal geweſen iſt“. Ganz wahr ſchreibt daher Luther im Jahre 1531: „Wenn unſerer Lehre irgend eine Gefahr droht, ſo droht ſie ihr von dem Laſter der Trägheit und des Ueberdruſſes. Die Ketzer und Secten, obwohl ſie großen Schaden thun, bewirken doch dies, daß ſie uns zu eifriger Durchforſchung der heiligen