# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1878_S14 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 14 — innen nicht vorwärts, ſondern rückwärts gegangen. Wir ſind nicht mehr, die wir waren. Zwar haben unſere Feinde, ſowohl in den Landes-, als in den Freikirchen, keine Urſache, deswegen zu gloriiren; würden doch die meiſten derſelben in einem paradieſiſchen Zuſtand ſich zu befinden meinen, wenn keine ſchlimmeren, als unſere von uns ſelbſt tiefbeklagten kirchlichen Zuſtände die ihrigen wären. Noch iſt das „Zu-⸗Recht-beſtehen" der theuren Bekenntniſſe unſerer rechtgläubigen Kirche unter uns nicht zu einem bloßen, falſche Lehre und Lehrer deckenden Lügenſchilde geworden; ſondern noch ſtehen wir durch Gottes Gnade in Einigkeit reiner Lehre und klarer Erkenntniß und dem⸗ gemäßer kirchlicher Praxis. Noch führen wir auch einerlei Rede, feſt an⸗ einander haltend in Einem Sinne und in einerlei Meinung; daher auch wir in Abſicht auf die Lehre von unſerer kirchlichen Gemeinſchaft ſagen können, was Luther noch im Jahre 1541 von der ſeinigen geſchrieben hat: „Wir für uns haben keines Conciliums begehrt, unſere Kirche zu reformiren. Denn Gott der Heilige Geiſt hat durch ſein heiliges Wort unſere Kirche längſt ge⸗ heiliget, ja vielmehr alle päbſtliche Hurerei und Abgötterei ausgefegt, daß wir alles, Gott Lob! rein und heilig haben: das Wort rein, die Taufe rein, die Schlüſſel rein; und alles, was zur rechten Kirche gehört, haben wir heilig und rein, ohne allen menſchlicher Lehre Zuſatz und Unflath." (XVII, 1693.) Noch erweiſ't ſich aber unter uns das reine Wort Gottes auch als ein Same der Wiedergeburt und eines neuen Lebens in Liebe und allem guten Werk. Noch beſteht das Chriſtenthum einer großen Schar unſerer Gemeindeglieder nicht in leeren Worten, ſondern in der Kraft, und noch haben gerade dieſe Glieder in unſeren Gemeinden das Regiment; daher denn auch, Gott Lob! Gottes Wort noch immer in einer jeden unſerer Gemeinden das höchſte Ge⸗ richt iſt, deſſen Entſcheidung ein jedes Glied ſich unterwirft. Wer es in irgend einer unſerer Gemeinden zugeben muß, ſei es in Sachen des Glaubens oder des Lebens: „So ſtehet geſchrieben!" und ſich dieſem als dem göttlichen Urtheilsſpruch nicht unterwerfen will, der wird noch immer in keiner unſerer Gemeinden geduldet, ſondern er muß hinaus, er ſei wer er wolle. Oder wird unter uns eine Gemeinde als ein Haufe offenbar, welcher es wagt, auch dem geſchriebenen Worte Gottes bewußt zu widerſprechen und alſo mit der That zu ſagen: „Wir wollen nicht, daß dieſer", nemlich Chriſtus, „über uns herrſche!" ſo ſchüttelt der Prediger den Staub von ſeinen Füßen und verläßt einen ſolchen Haufen als eine Synagoge des Satans. Aber bei allem dem iſt unſere Synode — wie dürften wir es leugnen? — nicht mehr die, die ſie einſt war. Namentlich in unſeren älteren Gemeinden, in denen zum Theil ſchon länger als ein Vierteljahrhundert Gottes reines Wort im Schwange gegangen iſt, offenbart ſich bei manchen vormals eifrigen Gliedern eine ſolche Sattheit und ein ſolcher Ueberdruß an Gottes Wort, ein ſolcher Weltſinn und eine ſolche Gleichſtellung der Welt, ein ſolcher Mißbrauch der chriſtlichen Freiheit, ein ſolches Geſchäftsweſen nach Art der Welt, ein ſolches Trachten nach Reichthum, ein ſolches ſchnelles Fertigſein bei der Frage, ob etwas