# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1878_S13 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 13 — vor dem Getöſe kaum ein Wort der Predigt hören könne; ſie „denken", ſetzte Luther hinzu, „es ſei nöthiger und billiger, ein Zimmermannsbeil zu hören, denn Gottes Wort." (XIV, 1362.) Gebrochenen Herzens über dieſen Jammer ſank Luther endlich in die Grube. — Hatte aber Gott zu Luthers Lebzeiten durch dieſes ſein auserwähltes Rüſtzeug das reine Evangelium unſerer Kirche noch erhalten trotz des immer mehr überhandnehmenden Un⸗ danks dagegen und trotz alles in dieſelbe eindringenden Verderbens im Leben, ſo vollzog ſich doch alsbald nach Luthers Tod unabwendbar das Gericht, welches Undankbarkeit und unchriſtliches Leben bei reiner Lehre immer ge⸗ troffen hat: die Einheit in reiner Lehre ging verloren. — Mit dem Zuſtande⸗ kommen der Concordienformel dreißig Jahre darnach ging nun zwar das Licht des reinen Evangeliums wieder auf und leuchtete hierauf ununterbrochen ein ganzes Jahrhundert lang in hellem Glanze — eine Erſcheinung, von welcher wir in der ganzen Geſchichte der Kirche kaum ihres Gleichen finden. Allein auch dieſe Zeit großer Gnadenheimſuchung war anderen, kürzeren Zeiten reicher Gnade darin gleich, daß in derſelben das Leben weit hinter der Lehre zurückblieb. Dazu half vor allem, daß die nach Luther entſtandene Verkuppelung der Kirche mit dem Staate auf derſelben wie ein Bann, die Zucht des Lebens nemlich darin faſt gänzlich darnieder lag. Je länger aber Gott der Kirche ſein reines Wort trotz aller Undankbarkeit gegen dasſelbe durch treue Arbeiter und Streiter erhalten hatte, um ſo ſchneller fiel hierauf die Undankbare von Stufe zu Stufe; bis ſie endlich eine Mördergrube des Unglaubens und ein Babel geworden iſt, aus deſſen Verderben ſich die Seelen nur durch ungeſäumte Flucht retten können. So ſehen wir denn, Ehrwürdige und geliebte Väter und Brüder, die Geſchichte aller Zeiten beſtätigt es als Wahrheit, wenn der gottſelige Arnd ſchreibt: „Die Lauterkeit der Lehre und des göttlichen Wortes wird nicht allein mit Disputiren und vielen Büchern erhalten, ſondern auch mit wahrer Buße und heiligem Leben."*) Es entſteht daher nun die Frage: Hat wenigſtens die Geſchichte unſerer Synode alles bisher Geſagte bereits widerlegt, oder dürfen wir doch unter allen Umſtänden hoffen, daß es mit ihr in der Zukunft einen anderen Ver⸗ lauf nehmen werde, als mit jenen dahingefallenen Kirchen, welchen Gott einſt ſein reines Wort anvertraut hatte? — Thun wir denn heute einmal zu⸗ nächſt einen Blick in unſere Vergangenheit und auf unſere gegenwärtige Beſchaffenheit. So kurz der Zeitraum iſt, innerhalb deſſen unſere Synode beſteht, ſo können wir es uns doch erſtlich nicht verhehlen: die Zeit der erſten Liebe unſerer Synode, welche wir älteren Glieder derſelben einſt geſehen haben, iſt dahin. Schon ſeit einer Reihe von Jahren iſt unſere Synode, während ſie ſich nach außen immer ſchneller und weiter ausgebreitet hat, hingegen nach *) Erſtes Buch vom Wahren Chriſtenthum, Cap. 39.