# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1857_S2 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 2 Vorwort zu Jahrgang 1857. der gesegnete Anfang dazu gemacht, dieser doppelten Gefahr einen mächtigen Damm entgegenzusetzen, und die Bahn dazu gebrochen, daß trotz aller verschiedenen Verfassung und Thätigkeitsrichtung der einzelnen Theile unserer Kirche hier, nach Maßgabe ihres Entwicklungsganges, ihrer örtlichen Verhältnisse und der Erkenntniß und Begabung ihrer leitenden und mitarbeitenden Persönlichkeiten, nach und nach eine in Glauben, Lehre und Bekenntniß einige evangelisch⸗lutherische Kirche von Nordamerika sich bilde, die, weil stark nach innen durch das wahre Band des Glaubens und der Bruderliebe, auch stark nach außen, ihren sie umschwärmenden Gegnern gegenüber, dastehe. Wir hoffen auch, daß jetzt bei manchen von denen, die aus aufrichtiger Treue gegen das Kleinod der sämmtlichen öffentlichen Bekenntnisse unserer Kirche Gewissensbedenken hatten, sich an einer Conferenz zu betheiligen, deren Grundlage zunächst nur die Invariata*) sein solle, die gehegten Bedenken geschwunden sind. Auf der Conferenz offenbarte es sich ja augenfällig, daß alle Glieder, da sie eben, wie die Einladung zur Conferenz bedingte, die Augsb. Confession „ohne Vorbehalt“, ohne eine Reservatio mentalis redlich mit Mund und Herzen annahmen, die anderen Bekenntnisse als das ansahen, was sie sind, als authentische Erklärungen und Ausführungen der Augustana, und dieselben daher auch als solche angewendet wissen wollten. Ist es nun wirklich gewiß, daß in den anderen Bekenntnissen dieselbe und keine andere Lehre enthalten ist, als die in dem Augsburgischen Bekenntniß niedergelegte — wie es denn niemand leugnen wird, der beiderlei Bekenntnisse kennt und genau verglichen hat —: warum sollte man, auf diese Gewißheit sich gründend, nicht denjenigen die Bruderhand reichen, welche erklären, daß sie das Augsb. Bekenntniß ohne Vorbehalt annehmen? Etwa darum, weil sich einst selbst Zwinglianer und Calvinisten unter die Aegide derselben gestellt haben, um des politischen Religionsfriedens mit zu genießen? Oder weil überhaupt so viele sich trüglich darauf berufen? — Wir meinen, wer so unehrlich und gewissenlos ist, auf die Augsburgische Confession sich verpflichten zu lassen und zu schwören, obgleich er den darin niedergelegten reinen Bibelglauben verwirft, wenigstens zum Theil verwirft, dessen Gewissen ist so weit und stumpf und gebrandmarkt genug, wenn es sein Vortheil erheischt, auch die ganze Concordia, das ganze Convolut der lutherischen Symbole zu unterschreiben, obgleich er die darin enthaltene Lehre nicht glaubt, noch nach derselben sein Amt zu führen gedenkt. Gerade die Definite⸗Platform⸗Bewegung zeigte es übrigens zur Genüge, wie Männer, in denen noch einige Gewissenhaftigkeit ist, es endlich doch unerträglich finden, mit stetem inneren Widerspruch äußerlich auch nur zur Augsburgischen Confession ein unqualificirtes Bekenntniß abzulegen. — Oder verhindert uns etwa die Praxis unserer Väter, diejenigen als Brüder anzuerkennen, in deren Mitte nicht alle Theile des Concordienbuchs symbolisches Ansehen *) Oder, wie sie ein treues Glied unserer Kirche aus der Hörerschaft auf der Conferenz naiv, aber wahr nannte: „Die unveränderliche Augsburgische Confession!“