# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Dezember 1856_S384 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 384 Vermischte kirchliche Nachrichten. etwa noch widerstreben, werden sich bald verlassen und vereinsamt fühlen, und der eignen Weisheit nur noch mehr verfallen, wenn sie nicht noch in Zeiten umkehren. — Zu den „„Zeichen der Zeit““ gehört wirklich auch die „„Umkehr.““ Hat sich früher die Union auf ihre Zeit berufen dürfen, jetzt ist die Zeit in ihrer ἀκμή unläugbar auf der Umkehr zu der historisch begründeten Kirche, wie auch die öffentliche Meinung in Protesten dagegen sich ergehen, und auf Majoritäten sich berufen: nur daß wir nicht etwa im Vertrauen auf die guten Zeichen der Zeit sicher werden, und, ehe wir's uns versehen, dennoch erliegen.“ — Hört man solche Stimmen aus dem Gefängnißthurm der Königlich⸗Preußischen Unirten Kirche, so wird's einem doch recht wehmüthig ums Herz, wenn man sieht, wie man hier so eifrig bemüht ist, den im alten Vaterland von den ernstesten und lautersten Männern erkannten Weg des Irrthums, der Untreue und des Verderbens aufs neue zu bahnen. Hier muß eine unirte Kirche, die nicht einmal das Scheinleben und den Scheineifer der anderen Secten hat, endlich in Rationalismus auslaufen, früher oder später, und mag sie jetzt mit Garben fremder Arbeit ihre Scheuern füllen, mit ihrem Indifferentismus trägt sie den Todeskeim in sich. Jede andere Gemeinschaft hat mehr Aussicht auf Dauer, denn, indem sie ihren Irrthum für Wahrheit achtet, hält sie doch an dem Grundsatz fest, daß eine Kirche nur Wahrheit haben solle; erkennt sie den Irrthum, so ist ihr geholfen. Hingegen die unirte Kirche hat nicht nur den Irrthum, sondern will ihn auch haben. Was nun auch als Wahrheit offenbar werden möge, sie berührt das nicht, das gilt ihr gleich. Ihr ist nicht zu helfen, es sei denn, daß sie sich selbst aufgebe, indem sie das Princip der Union Verschiedenglaubender aufgiebt. „Der Freund Israels.“ Vor kurzem erhielten wir einige Hefte dieses der Judenmission gewidmeten, in Basel erscheinenden Blattes. Dasselbe ist voll von den traurigsten Zeugnissen davon, wohin endlich die Hoffnung führt, daß den Juden noch vor dem jüngsten Tage eine allgemeine Bekehrung durch besondere Wunderkraft des HErrn bevorstehe. Eins möge genügen. So redet u. A. Pfarrer Rein aus dem Badenschen in einer Ansprache am 25. Jahresfeste des Vereins von Freunden Israels: „Sieben große Weltmonarchien sind vergangen und dieses Volk, welches Gott zur Strafe unter alle Völker zerstreut hat, es steht da und hat alle überdauert, es steht noch im Warten. Ja, du armes Israel, obwohl du deinen Heiland nicht angenommen hast, du bist doch ein treues Volk! Wir Europäer vom Samen Japhets sind eingezogen in die Hütten Sems, und haben Jahrhunderte lang darin gewohnt; wir haben aber unsern HErrn schon längst wieder zu verlassen angefangen, und man spricht unter uns: Wir wollen nicht, daß dieser über uns herrsche. Neun Zehntheile der Christenheit wandern mit Sack und Pack aus den Hütten Sems wieder aus. Das sind die Zeichen der Zeit. Aber Israel — hat unverrückt das Auge nach Zion (??) gerichtet. Warte nur noch, du wartest nicht vergebens; wartet nur ihr Brüder aus Israel, bis ihr sprechet: Gelobet sei der da kommt im Namen des Herrn! Wenn nicht Alles trügt, so sind wir ganz nahe der Zeit gerückt, daß Josephs Herz bricht über Ephraim, und dieser Joseph wird seinen Bruder an der Hand nehmen und in großem Frieden heimführen in das gelobte Land ihrer Väter, in so großem Frieden, daß Greise und Kranke und Wöchnerinnen mitziehen können.“ — Ist es ein Wunder, wenn bei solcher Darstellung des jetzigen und künftigen Zustandes der Juden Christen Lust bekommen Juden zu werden? — Vor einigen Jahren haben sich wirklich mehrere vorher strenggläubige Lutheraner, nachdem sie in Chiliasmus und in den Wahn, daß noch eine allgemeine Bekehrung und Verherrlichung des jüdischen Volkes zu erwarten sei, gerathen waren — beschneiden lassen. 2 Thess. 2, 10—12.