# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Dezember 1856_S383 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 383 Vermischte kirchliche Nachrichten. die ursprüngliche Idee ist der Keim des nachmaligen sectirischen Wesens gewesen, die Auffassung des „Brüderblattes“ ist nur ein Idealisiren des Irrthums. Preußen. Folgender Fall hat kürzlich die Gerichte zu Stettin beschäftigt. Ein „lutherischer“ Prediger hatte von der Canzel herab etliche seiner Gemeindeglieder deswegen bestraft und dabei ihre Namen genannt, daß sie bei der Einweihung einer jüdischen Synagoge gegenwärtig gewesen waren; sie hätten, sagte er, durch ihre Anwesenheit den Heiland zum zweiten Male gekreuzigt und sich so das göttliche Mißfallen zugezogen. Das Gericht erklärte den Prediger für schuldig und verurtheilte ihn zu einer Strafe von 50 Thlr., oder vierwöchentlichem Gefängnisse und der Bezahlung der Kosten. Baden. In der „Ev. Kirchenzeitung“ vom Monat Juli v. J. spricht der unirte Professor Stern aus Karlsruhe die Ueberzeugung aus, „daß ein Mal ein Zustand auf Erden werde herrschend werden, wo Gerechtigkeit, Friede und Freude im heil. Geiste allgemein da, wo das Evangelium gelehrt wird, werde gefunden werden.“ Professor Hengstenberg macht hierzu die treffende Bemerkung: „Wer von Herzen auf eine neue Erde wartet, auf der Gerechtigkeit wohnet, dem liegt ganz besonders die Pflicht ob, schon jetzt allem gemischten Wesen gründlich zu entsagen.“ Offenes Geständniß. In einem Artikel über „Kinder⸗Missionsfeste,“ der sich in der „Ev. Kirchenzeitung“ vom Monat Juli v. J. befindet, kommt Referent auf die hie und da im Ernst (!) aufgeworfene Frage, ob die Liturgie über der Predigt stehe, und legt dann folgendes Zeugniß ab: „Es ist erstaunlich, wie herzlich schlecht, wie wenig wahrhaft gepredigt wird, wie viel oberflächliches Gerede auch von gläubigen Geistlichen als Predigt cursirt. Meint man dieses, wenn man geringschätzig von der Predigt spricht, so sage man es. Aber dagegen ist nicht zu protestiren um der Liturgie, sondern um der Seligkeit der Seelen willen und des Gedeihens der Kirche überhaupt, die aus dem Zeugniß und der That der Predigt immer wieder erbaut und fort und fort erhalten werden muß. Sonst müßte die griechisch⸗katholische Kirche, die fast gar keine Predigt, sondern lauter Liturgie hat, das kräftigste Glied am Leibe des HErrn sein. — Wie schlecht es noch um unsere Predigt steht, kann man recht bei Missionsfesten sehen. Ueberall ist Noth um Prediger; einige Wenige werden überall hin geholt, und die — machen's trotz ihres Rufes mitunter noch schlecht genug. Soll aber ein Kinder⸗Missionsfest gefeiert werden, da wird die Noth erst groß; da will Keiner, weil Keiner recht kann.“ — Wir hier in Amerika haben gewiß keine Ursache, wenn wir diese deutsche Beichte hören, uns zu segnen. Leider! ist auch hier „oberflächliches Gerede,“ ungewaschene und ungesalzene, Gesetz⸗ oder Evangelium⸗Predigt sein sollende, hohle bombastische Phrasenmacherei mit obligaten Faustkämpfer⸗Pantomimen und Ohr und Herz zerreißendem widerlichen Geschrei an der Tagesordnung. Union. So schrieb C. F. Göschel in dem vorjährigen Juniheft der Hengstenbergischen Ev. K. Z.: „Die Gründe für die Union sind dieselben geblieben, ja noch vollständiger geworden, aber sie haben auch die Revision erfahren müssen, und — übel bestanden, theoretisch und practisch. Selbst aus der Trennung der Reiche Juda und Israel, aus ihrer Geschichte, aus der Verkündigung künftiger Wiedervereinigung sind Hebel für die Union entnommen worden, aber in ihr Gegentheil umgeschlagen, eben weil die Union ebensowohl als jene Wiedervereinigung nicht zu erzwingen, nicht zu erkünsteln, sondern — zu erwarten ist, wenn es rechte Zeit wird sein. Jene beiden Reiche waren recht eigentlich aus Einem Stamme Eines Volkes, aus Einer Familie, viel mehr als die beiden Evangelischen Kirchen. Beiden Reichen waren Gnadengaben anvertraut, beiden waren Propheten verliehen, es fehlte hier und dort