# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Dezember 1856_S382 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 382 Vermischte kirchliche Nachrichten. Bemühungen mit den unsrigen zu vereinen zur Erbauung der Einen ungetheilten, heiligen katholischen, apostolischen Kirche.“ Die Synode von Maryland, versammelt am 17. Oct., hat erklärt, daß sie einem jeden Freiheit gebe, über die in der Platform verzeichneten angeblichen Irrthümer der Augsburgischen Confession zu denken, wie ihm beliebe, und daß sie die Rechtgläubigkeit keines ihrer Glieder in Frage ziehen wolle, möge er nun jene Irrthümer annehmen oder verwerfen, vorausgesetzt, daß damit die göttliche Einsetzung des Sabbaths nicht verworfen oder die Lehrbasis der Generalsynode nicht umgestoßen werde. Sie hat auch nicht für „expedient“ gehalten, etwas in dem Licenzirungssystem zu ändern. Die Herrnhuter. Eine sehr gewöhnliche Maxime der Secten in unserer Zeit ist, daß sie die ihnen klar, in einer allen ferneren Widerspruch abschneidenden Weise, nachgewiesenen Irrthümer und Mißbräuche, anstatt dieselben als das, was sie sind, zu bekennen und zu widerrufen, idealisiren. Das thun u. A. nicht nur die Katholiken, auch die Herrnhuter. Bekanntlich wurde die Gesammtheit der Herrnhuter ursprünglich von einem sogenannten Ober⸗ und General⸗Aeltesten, sowohl was das Innere, als was das Aeußere betrifft, regiert. Von einem solchen sagt das „Brüderblatt“ (herausgegeben von Reichel in Salem, Nord⸗Carolina,) in der November⸗Nummer dieses Jahres: „Auf ihm lag die Bürde der ganzen Gemeinde. Er trug den Gang jeder besonderen Gemeine, jedes einzelnen Gliedes, jeder Anstalt, jeder Mission auf seinem Herzen. Neue Anstalten, besonders wichtige Vorkommenheiten, wurden ihm, als dem Mann der Conferenzen, vorgelegt, dessen Gefühl in den wichtigsten Dingen entschied.“ — Ein solches Gefühlspapstthum eines Individuums konnte natürlich nicht bestehen. Was geschah? In den büdingischen Sammlungen heißt es: „Als der General⸗Aelteste sein Amt niederlegte, gefiel es nunmehr dem Heiland, keinen wieder zu ordnen, und man verstund daraus (aus dem Loos!), daß Er selbst sich alles dessen annehmen würde, was Er bis hero durch den General⸗Aeltesten in seiner Gemeine gethan.“ Von nun an glaubte man, der HErr regiere die herrnhutische Gemeinde unmittelbar; dieselbe sei recht eigentlich des HErrn Braut, Seine Taube, Seine Fromme, Liebste und Auserwählte (Hohel. 6, 8.). Diese sectirische Anmaßung fällt jetzt manchem Herrnhuter schwer auf das Gewissen. Das „Brüderblatt“ schreibt darüber Folgendes: „Erst in neuerer Zeit haben sich ernstliche Widersprüche erhoben gegen diese Lehre vom Regiment des Heilandes oder dem Aeltesten⸗Amt JEsu in der Brüder⸗Unität — und zwar kommen sie nicht, wie vor Alters, von außen her, von den erklärten Feinden der Brüder, sondern sie werden immer stärker vorgebracht von denen, welche zum Theil schon eine lange Reihe von Jahren der Brüder⸗Unität mit Ernst und Treue gedient haben. Die ganze Idee wird verworfen als eine unbiblische; wird als Anmaßung bezeichnet, ja, heißt es, die Geschichte lehrt aufs unwidersprechlichste, daß von der Zeit, da diese Lehre aufgestellt wurde, der Verfall der (herrnhutischen) Kirche datirt — woraus dann gefolgert wird, daß die Lehre von dem Aeltesten⸗Amt des Heilandes in sich selbst die Hauptursache des Verfalles der Brüderkirche sei.“ — Wir glauben, diese unter den Herrnhutern selbst auftretenden Ankläger ihrer Gemeinschaft haben so unrecht nicht. Es ist nicht zu leugnen, daß sich die herrnhutische Gemeinschaft in einer Zeit gesammelt hat, wo die lutherische Kirche bereits vielfach zerfallen war und viele untreue Wächter hatte, die die Schafe ohne rechte Weide ließen. Da war es leicht möglich, daß auch viele redliche Seelen in einer ecclesiola, wie die herrnhutische, ein Asyl suchten. Als aber die Herrnhuter anfingen, sich für Christi auserwählte Gemeinde vor allen anderen auszugeben, die in einem besonderen Sinne den Heiland zu ihrem Oberältesten habe, da durchdrang das Ganze der Sektengeist. Das „Brüderblatt“ sagt hingegen a. a. O.: „Der Ausdruck „Aeltestenamt Jesu“ sollte in seiner ursprünglichen Idee nichts anderes besagen, als: Wir wollen in der Brüderkirche keinen Menschen — weder Pabst, noch Bischof, noch Landesherrn — für das Haupt der Kirche anerkennen, sondern allein Jesum Christum unsern Heiland.“ Das „Brüderblatt“ gibt zwar zu, daß später eine falsche Auffassung der Sache sich unter den Herrnhutern eingeschlichen habe, aber auch dieses Bekenntniß genügt nicht; eben