# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S88 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 88 — Sinn im Volke lebte, als nun, und weil man damals noch fleißig in der Bibel las; aber jetzt ſteht es ſchlimm, weil oft gottloſe, ungläubige und ſitten⸗ loſe Menſchen an den Schulen angeſtellt ſind. Gottes Strafe über unſer Volk für dieſe Sünde wird nicht ausbleiben. Das Heben unſerer Schulen beſteht übrigens nicht hauptſächlich im Vollpfropfen der Kinder mit einer Maſſe, wenn auch wiſſenswerther, Gegenſtände für dieſes zeitliche Leben, ſon⸗ dern vor allem im Heben des Religions⸗Unterrichts. Es iſt verkehrt, wenn unſere Elementarſchulen auf Koſten der Religion in Betreff aller möglichen Kennt⸗ niſſe mit den gottloſen Schulen concurriren wollen. Beſſer, wir erziehen ein⸗ fältige Gottes⸗Kinder, als geſcheidte Teufels⸗Kinder. „Trachtet am erſten nach dem Reiche Gottes“, das muß auch für unſer Schulweſen gelten. Nach dem dreizehnten Jahre, in welchem Alter ſie confirmirt werden können, wenn ſie einigermaßen begabt ſind, iſt noch Zeit genug für die Kinder, um noch alles für dieſes Leben Nöthige und Nützliche zu lernen. Das Kind in ſeiner Elementarſchule ſoll dagegen einen ſchönen Vorrath von Sprüchen, die Haupt⸗ ſtücke des Katechismus, die bibliſche Geſchichte, Pſalmen, Liederverſe ſich an⸗ eignen. Innerhalb unſerer Stadtgemeinden ſollte daher ein größerer Fleiß in Errichtung höherer Bürgerſchulen angewendet werden. Noch wurde auf die Geſchichte unſerer lutheriſchen Kirche in dieſem Lande hingewieſen. Zwar haben unſere Väter in dieſem Lande, ein Mühlenberg und andere, anfänglich wie für reine Lehre, ſo auch für chriſtliche Gemeindeſchulen mit Katechismus⸗ Unterricht geſorgt, aber bald darnach iſt darin der nöthige Fleiß nicht mehr angewendet worden. Was war hievon die Folge? Staaten, welche beinahe ganz deutſch und lutheriſch hätten ſein können, ſind engliſch und Gebiete der Secten geworden. Unter den Secten haben wir die Kinder von Tauſenden lutheriſcher Vorfahren zu ſuchen. — Die Gemeinden haben auch „brüderliche Beſtrafung und Kirchenzucht“ zu üben. Dieſes iſt ſchon geboten durch das Gebot der Liebe; denn man ſoll ja aus Liebe, um dem Irrenden zu helfen, ihn freundlich ſtrafen, daher frei⸗ lich die brüderliche Beſtrafung aus Liebe geſchehen muß. Beides, Vermahnung und Zucht, muß in evangeliſchem Geiſte geübt werden, nicht mit Zanken und auf eine phariſäiſche Weiſe, ſondern immer in der Abſicht, den Sündigenden zu beſſern. Die bloße Beobachtung der äußeren Form ohne dieſe liebreiche Abſicht iſt nicht genug. Die Stufen der Ermahnung müſſen weislich zum Heile des Sündigenden gebraucht werden. In unſern Bekenntnißſchriften iſt es zwar als ein ſchwärmeriſcher Irrthum verworfen, wenn gelehrt wird, nur da ſei die wahre Kirche, wo auch ſtrenge Kirchenzucht geübt wird. Daraus haben viele ſein wollende Lutheraner geſchloſſen: Alſo iſt es ein Kennzeichen der rechten lutheriſchen Kirche, keine Kirchenzucht üben. Strenge Kirchenzucht haben und üben iſt nach dieſer Leute Meinung calviniſch⸗reformirt; die luthe⸗ riſche Kirche will keine Zucht, die ſieht nur auf die reine Lehre. Das iſt aber ein arger Irrthum. Es iſt ja auch gar nicht wahr, daß man auf Reinheit der Lehre ſehen könne, wenn nicht Zucht geübt wird, denn an den falſchen