# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S86 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 86 — ſtens in ihrem Herzen alsbald heißen: kehre du doch vor deiner Thüre. Pre⸗ diger ſollen auch recht vorſichtig ſein im Gebrauch ihrer chriſtlichen Freiheit. Ach, wir ſollten viel lieber unſerer Freiheit unſer Leben lang nicht gebrauchen, als ein Aergerniß geben! Eins wäre gewiß bei dem, was ein Prediger zu thun hat, auch noch zu erwähnen, nämlich daß er fleißig anhalte am Gebet und am Lob und Dank gegen Gott. Wir werden nur wenig Erfolg haben, wenn wir nicht auch mit Ernſt beten. Der Theſenſteller wies darauf hin, daß er dieſen Punkt unter No. 4, wo vom Erfolg gehandelt werde, erwähnt habe. Um ſo mehr (mit dieſer Bemerkung wurde die Betrachtung über dieſen Punkt geſchloſſen) ſollten wir die gegebenen Erklärungen berückſichtigen, weil wir ja leider ſchon genöthigt geweſen ſind, Leute darum aus unſerer Mitte auszuſtoßen, weil ſie in grobe Sünden gefallen waren. Wollen wir ja recht vorſichtig wandeln, wollen wir uns ja nicht gehen laſſen! Unter lit. b. wird nun gehandelt, was auf Seite der Gemeinden nöthig iſt und geſchehen muß, damit der empfangene Segen nicht verſchüttet werde. Die Gemeinden ſollen das Wort aufnehmen, d. h., ſie ſollen ſich nicht nur die Predigt gefallen laſſen und ſich ihr nicht widerſetzen, ſondern ſie müſſen auch das Wort Gottes aufnehmen im Glauben und im Herzen laſſen Frucht ſchaffen, ſonſt ſind ſie in Gefahr, daß ihnen das Evangelium wieder genommen werde. — Hiebei wurde erinnert an das Wort Chriſti von dem unfruchtbaren Feigenbaum, den der Herr auf des Gärtners Fürſprache noch hatte ein Jahr ſtehen laſſen, welcher aber ſoll abgehauen werden, wenn er keine Frucht bringt. — Von dieſem Gegenſtand iſt aber ſchon gehandelt worden, als von der Satt⸗ heit geſprochen wurde. Frägt man nämlich: warum nehmen ſo viele das Wort Gottes nicht auf, ſo lautet die Antwort: weil ſie ſatt ſind. Man denke an Deutſchland zurück in den Zeiten der geiſtlichen Oede. Wenn man da einmal unter dem dürren Heu und magern Stroh. womit die Schäflein Chriſti geweidet wurden, ein grünes Blättchen fand, ach, wie froh war man da, welche Freude hatte man darüber! Wie ſteht es aber zu unſern Zeiten unter uns? Wenn ein Prediger nicht ganz reich im Geiſt und gewaltig predigt, ſo heißt es: ach, es iſt eine lahme Predigt geweſen; aber eigentlich biſt du lahm. Wenn z. B. bei einer Predigt nur die Wahrheit zum Heil in Schwachheit vorgehalten wird, wenn nur wenige heilſame Sprüchlein vorkommen, wenn die Predigt auch nur kurz iſt ꝛc., ſo ſollte man ſie doch um kein Geld hergeben; ſo aber bleibt man zu Hauſe und ſucht ſich mit nichtigen Entſchuldigungen wegen des Wetters, Regens u. ſ. w. zu beruhigen. Eigentlich aber läßt ſich ein ſolcher Menſch nicht vom Wetter, ſondern vom Teufel abhalten vom Hören des Wortes, welches ihn ſelig machen kann; denn der Teufel will es ja, daß die Leute nicht ſollen aufgeweckt und bekehret werden. Der Menſch denkt: die große Hitze oder der Regen hat Schuld, daß er nicht zur Kirche gehen kann, aber der Teufel iſt's, welcher den Menſchen ſeine Entſchuldigung finden läßt. Der Teufel weiß wohl, weil er auch in des Predigers Studierſtube iſt, daß Gott