# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S85 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 85 — Wie macht es der Arzt? Er iſt am liebſten da, wo es recht viele Krankheiten gibt, wo er die meiſte Praris hat. Wir ſind nur des HErrn JEſu, des Seelenarztes, Gehilfen. Deßhalb ſollten wir auch am liebſten da ſein, wo die Zuſtände am ſchlimmſten ſind. So ſelbſtwillig und leichtfertig Amt und Beruf wechſeln, iſt auch eine große Vermeſſenheit. Was hat ein Prediger zu thun? Lauter Dinge, welche er nicht aus ſeiner eigenen Kraft thun kann; läuft er nun auf ſeine eigene Fauſt und ſucht ſich ein Feld für ſeine Thätig⸗ keit, ſo kann er nicht beſtehen, wenn er Schwierigkeiten hat, er kann bei ſeinen Kämpfen nicht fröhlich ſein. Gewöhnlich denkt man, wenn die neue Ge⸗ meinde ein wenig größer iſt, ſo müſſe man gleich dem ergangenen Rufe folgen, denn das ſei ein wichtigerer Poſten. Aber da ſoll ſich ein Prediger erſt fra⸗ gen: biſt du denn nun gerade der, welcher die rechten Gaben dazu hat? Ob er aber die erforderlichen Gaben habe, das ſoll er nicht ſich ſelbſt ſagen, ſondern andere, ſeine Brüder, die ſollten ihn überzeugen, daß gerade ſeine Gaben an dieſem Orte am beſten zum Nutzen des Reiches Gottes verwendet werden können. Sucht einer aber bei einem Wechſel nur ſeinen eigenen Nutzen, ſeine Bequemlichkeit, ſo iſt er ein Miethling. Auch vor dem leicht⸗ ſinnigen Vorſchlagen und Empfehlen, welches unberufene Perſonen ausüben, iſt zu warnen oder wenn z. B. gute Freunde nur um der Freundſchaft und Collegenſchaft willen einander in der Nähe haben wollen. Das Geſagte gilt natürlich in gleichem Maße von Lehrern an höhern und niedern Schulen. Endlich iſt noch als eine Verpflichtung der Paſtoren angeführt, daß ſie „durch ihren Wandel dem Evangelio keine Verachtung“ bereiten. Wandelt der Paſtor ſträflich, ſo thut er eine zwiefache Sünde, erſtlich die Sünde ſelbſt, welche er begeht, ſodann hilft er zum andern, daß Gottes Name gemißbraucht, verachtet und verläſtert werde. Das Evangelium ſelbſt iſt nicht Schuld an der Sünde, aber es wird dann von der böſen Welt, die ſolches ſieht, ge⸗ ſchmäht. Wie ein ſolcher Menſch eine zwiefache Sünde thut, ſo hat er gewiß auch einſt eine zwiefache Verdammniß zu erleiden, da er durch gottloſen Wan⸗ del dem Evangelio Schande bereitet. Die Sünden theilt St. Johannes ein in drei Claſſen: Augenluſt, Fleiſchesluſt und hoffärtiges Weſen. Von die⸗ ſen drei Götzen der Welt ſoll ſich ein Prediger vor allem fern halten. Nicht nur er für ſeine Perſon, ſondern auch ſeine ganze Familie. Ein Prediger verſündigt ſich deßhalb ſchrecklich, wenn er nicht ſchon bei der Wahl ſeiner Gattin darauf Acht hat, daß ſie eine chriſtliche Perſon ſei. Wenn er mit den Seinen dem Geiz dient, wenn es in ſeinem Hauſe wollüſtig hergeht, wenn man da der Schlemmerei ergeben iſt, wenn im Pfarrhauſe ein hoffärtiges Leben herrſcht, wenn der Modeſucht gefröhnt wird, oder wenn die Frau Paſtorin Klatſchereien ihr Ohr leiht, ihrem Manne zuträgt, wenn der Paſtor in die Trinkhäuſer oder an andere öffentliche Plätze geht, wo ein rechtſchaffe⸗ ner Chriſt ſchon ſich ſchämt ſich ſehen zu laſſen: mit alle dieſem wird er ſchreck⸗ liches Aergerniß geben und dem Evangelio durch ſeinen gottloſen Wandel Schande bereiten, und wenn er die Gemeindeglieder ſtraft, ſo wird es wenig⸗