# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S84 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 84 — lich, wenn man einen Beruf empfängt, wenn auch ohne ſein Zuthun, und nun denkt, den müſſe man alſogleich annehmen, und frägt nun nicht ſeine Amtsbrüder um Rath, ſondern denkt: es iſt nun die höchſte Zeit, daß dein Licht auf einen größeren Leuchter geſtellt werde, nun darf es nicht mehr ſo im Verborgenen brennen, als vorhin. — Aber gar einen anderen Beruf ſelbſt ſuchen, iſt noch ſträflicher. Ein ſolcher Prediger oder Lehrer macht ſich da⸗ durch zu einem Miethling. Diejenigen, welche einem ſolchen Menſchen zu einem Berufe verhelfen, ſind ſeine Mitſchuldigen und machen ſich ſeiner Sünde theilhaftig. Durch leichtſinnigen Amtswechſel wird den Gemeinden ein großer Schaden gethan. Sie verlieren auch das Vertrauen zu der Sy⸗ node, indem ſie denken, die Synode oder die Profeſſoren in St. Louis ſeien es, welche den Gemeinden ſo ſchnell hintereinander ihre Prediger wegnehmen. Ein leichtſinniger Amtswechſel ſoll nimmermehr geduldet werden, weder be Predigern noch bei Lehrern. Solche Perſonen ſollten in Zucht genommen werden. Es wurde hierbei auf ein Protokoll der Springfield Paſtoralconferenz hingewieſen, welches ſchon längſt hätte ſollen gedruckt werden; in demſelben hat ein jeder Prediger und Lehrer einen Spiegel in Betreff dieſes Punktes. Gemeinden haben ſchon oft geklagt, daß Prediger ſo oft ein anderes Arbeits⸗ feld ſuchen. Wird dagegen nicht eingeſchritten, ſo wird das bald das ärgſte Uebel in unſerer Synode ſein. Verwerflich iſt auch, aus bloßen Geſundheits⸗ rückſichten ſeine Stelle wechſeln. Denn ein anderer kommt ja in dieſelbe Gefahr und es wäre deßhalb ſelbſtſüchtig gehandelt, ſein Amt um dieſes Grundes willen aufgeben. Ebenſo unrecht wäre es, um des Kreuzes willen, welches man in einer Gemeinde hat erleiden müſſen, von ihr weggehen; um vorkommender Widerwärtigkeiten willen darf man ſeine Gemeinde nicht ver⸗ laſſen. Das thun gewöhnlich ſolche Perſonen, welche nirgends Ruhe finden, alle Jahre wechſeln, von Ort zu Ort wandern, ſich als die Verfolgten an⸗ ſehen, während ſie eigentlich die Unruhſtifter ſind. Welchen großen Schaden thun Prediger hierdurch ſich auch ſelbſt! Was ſtärkt einen Prediger mehr im Kreuz, als das Bewußtſein, daß ihn Gott an dieſen Poſten geſetzt und ihm dieſes Amt an dieſem Orte befohlen habe! Wie hat nicht Luther allewege in ſeinen Kämpfen auf ſeinen göttlichen Beruf getrotzt! Geht nun aber ein Prediger ſelbſtwillig von einem Orte hinweg und entſtehen nun an dem neuen Orte auch Unruhen und kommen Widerwärtigkeiten, ſo verliert er dieſen Troſt. Er verliert die Freudigkeit. Er kann nicht ſagen: Gott hat mich an dieſen Poſten geſetzt, ſei nur getroſt, Gott iſt bei dir; er muß vielmehr immer die anklagende Stimme hören: du biſt ſelbſt gelaufen! — Das ſelbſtwillige Weglaufen iſt auch ein großer Undank gegen Gott und gegen den Segen, welchen er uns gegeben hat. Wir ſind es geweſen, welche von Anfang des Beſtehens unſerer Synode gezeuget haben gegen das ſchändliche Miethen; wenn nun aber dieſer ſchändliche Amtswechſel bei uns einreißt, ſo haben wir ja dasſelbe, wogegen wir, bei andern Synoden es ſtrafend, gekämpft haben!