# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S82 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 82 — bilden. Ohne dieſes Schutzmittel der alten wahrhaft bibliſchen Theologie würden wir durch die neuere Theologie nur auf gefährliche Abwege verführt werden. Viele haben allerdings viele Hinderniſſe für ein geordnetes Studium wegen Ueberhäufung mit Amtsarbeiten. Aber auch ſolche Prediger ſollen doch ihre Zeit dazu möglichſt ausnutzen. Andere ſind geneigt zur Ober⸗ flächlichkeit und Trägheit. Derſelben ſollen ſie tapfer widerſtehen und ſie überwinden. St. Paulus gibt uns ſchon eine auf das Fortſtudiren der Prediger bezügliche Ermahnung mit den Worten: „Halt an mit Leſen!“ Ein Paſtor und Lehrer muß dieſes Wort Pauli immer vor ſeinen Augen haben. Es iſt alſo das über das Fortſtudiren der Prediger Geſagte nicht eine bloße menſchliche Anſicht, ſondern es iſt ein klarer göttlicher Befehl vor⸗ handen. Der Paſtor iſt nicht treu in ſeinem Amte, welcher nicht mit Leſen anhält d. h. ſtudirt. Jeder lutheriſche Prediger ſollte aber neben der heiligen Schrift beſonders auch Luthers Schriften ſtudiren. Manche lutheriſche Prediger haben aber nicht einmal Luthers Schriften, andere beſitzen ſie wohl, leſen ſie aber gleichwohl nicht fleißig. Eigentlich ſollte es ſo ſein, daß ein jeder lutheriſche Prediger keinen Tag vergehen ließe, ohne etwas aus Luthers Schriten geleſen zu haben. Aus Luther bekommt man ja auch eigentlich erſt⸗ den rechten Verſtand unſeres Bekenntniſſes, wie auch unſere Bekenntnißſchrif⸗ ten ſelbſt in allen Fällen, wo es noch auf eine weitere Erörterung der Lehre ankommt, ſich immer auf die einſchlagenden Stellen der Schriften Luthers beziehen. Je mehr man Luther lieſ't, um ſo köſtlicher wird er. Viele wiſſen nicht recht, wie ſie es anfangen ſollen, um ihre Studien recht einzurichten und recht ſegenbringend zu machen. Die beſte Regel für gewöhnliche Predi⸗ ger, welche keine gelehrttheologiſchen Schriftſteller werden wollen, iſt gewiß die, ſich immer recht auf ihre Predigt vorbereiten, alſo immer ſtudiren mit Rück⸗ ſicht auf ihre nächſte Predigt. Da fange man denn ſchon früh in der Woche an, ſich klar zu werden, über welchen Gegenſtand man am nächſten Sonntage predigen wolle. Wäre der Gegenſtand nun z. B. die Heiligung, ſo ſchlage man im Laufe der Woche in allen ſeinen Büchern nach, was man über dieſen Punkt findet. So hat das Studium auch ein beſtimmtes Ziel. Das ziel⸗ loſe Studiren hat bei den meiſten Predigern keinen beſonderen Nutzen. Hat man nun in der Woche fleißig angehalten mit Leſen und Studiren, dann werden es die Zuhörer am nächſten Sonntage wohl merken, daß der Prediger ſeine Predigt nicht aus den Aermeln ſchüttelt, ſondern daß die Predigt eine reife Frucht ſeiner Arbeit iſt. Noch wurde bei dieſem Anlaſſe bemerkt, daß die Gemeinden ihren Predi⸗ gern auch die Zeit zum Studiren laſſen und nicht rauben ſollten, indem ſie dieſelben oft unnöthigerweiſe ſtören, z. B. durch in den Privathäuſern zu ver⸗ richtende Amtshandlungen. Ein Deputirter antwortete hierauf, daß die Paſtoren ihre Gemeinden eben auch belehren ſollen, daß für ſolche Amtshand⸗ lungen, den Nothfall ausgenommen, der geeignete Ort die Kirche ſei. Ein nächſter Punkt fordert, die Prediger ſollen „unter ſich einig“ ſein.