# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S81 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 81 — leicht der Gedanke kommen, nun dürfe ihnen niemand mehr widerſprechen, wer das thue, ſei ein Revolutionär gegen den HErrn Chriſtum. Die Gemeinde ſollte aber an ihrem Prediger bemerken können, daß er demüthig ſei und daß es ihm ſchwer werde, wenn er ihr bittere Wahrheiten ſagen müßte. Wenn die Gemeinde aber zu denken Urſache hat: o er freut ſich, wenn er uns einmal recht abmalen kann, wenn er es uns einmal recht geben kann, — das iſt kein gutes Zeichen. Eins der jämmerlichſten Dinge iſt, auf ſeine Gegner von der Kanzel herab ſticheln, ſie zeichnen und für jedermann kennt⸗ lich machen. Wenn eine Gemeinde ſagen kann, den hat er gemeint, ſo iſt das traurig; das iſt auch kein Predigen, ſondern ein Waſchen. Es iſt höchſt ungerecht, jemanden angreifen an einem Orte, wo er ſich nicht vertheidigen kann, wo er ſchweigen muß. Auch das Sichzutragenlaſſen iſt ſchmählich und ein Mißbrauch des heiligen Predigtamtes. Es iſt betrübt, wenn mancherlei Klagen über die Prediger aufkommen, aber beſonders wird einem das Herz ſchwer, wenn es ſo ſteht, daß dieſelben keine Luſt mehr am Dienen haben, ſon⸗ dern herrſchen wollen. Unſere älteren Paſtoren freuten ſich zu dienen; der reichlich bei ihrem harten Dienſt vorkommenden Mühſale wurde kaum ge⸗ dacht. Auf den Zuſammenkünften erzählte man ſich nur von den vielen Ge⸗ legenheiten, den armen Chriſtenmenſchen dienen zu können. Nun hört man ein nur zu häufiges Klagen. Nachdem nun ſo von den älteren Predigern die Sünde der Herrſchſucht recht abſchreckend abgemalt worden war, erhob auch ein Delegat ſeine Stimme und bezeugte, es möge dieſes von der Herrſchſucht der Prediger Geſagte alles recht und wahr ſein, aber die Gemeinden ſeien auch zum öfteren ſo, daß alle über den Paſtor herfahren und nichts von ihm annehmen wollen, kurz, man beſchuldige den Paſtor gar oft fälſchlich der Herrſchſucht, wenn die Gemein⸗ den Gottes Wort nicht über ſich herrſchen laſſen wollten. — Zuletzt wurde noch bemerkt, daß nun wohl die jüngern Prediger beſonders gewarnt worden ſeien, aber es habe auch ſchon früher in der ſogenannten „guten alten Zeit“ nicht an allerlei herrſchſüchtigen Gelüſten gefehlt, wie man merken könne an den vielen falſchen Bannfällen, welche in damaligen Zeiten vorgekommen ſeien. Nun wurde zu dem Punkt übergegangen, daß wir Prediger, um den empfangenen Segen nicht zu verſchütten, auch fleißig „fortſtudiren“ müßten, und zwar nicht nur die heilige Schrift, ſondern auch die Schriften unſerer lutheriſchen Lehrväter. Es iſt das Fortſtudiren nicht nur den Stadt⸗, ſon⸗ dern auch den Landpaſtoren nöthig, und nicht nur den Paſtoren, ſondern auch den Lehrern. Es iſt ja freilich zu wünſchen, daß Prediger und Lehrer auch in andern Wiſſenſchaften zunehmen, aber vor allem ſoll man ſtudiren in der Schrift. Es iſt auch gewiß gut, bei ſeinen Studien auch die neueren Theologen zu berückſichtigen, aber will man bei ſeinen theologiſchen Studien nicht in allerlei Irrthümer gerathen, will man vielmehr in allen Punkten einen guten Grund legen, ſo müſſen die Lehrſchriften der Alten den Grund